19.05.2013 04:53 Merkliste 0

Nie mehr U-Ausschuss

REGINA PÖLL (Die Presse)

Die heutige Befragung ist Höhepunkt eines Trauerspiels, das sich so hoffentlich nicht wiederholen wird.

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Das Sündenregister zum Ende des Korruptions-U- Ausschusses ist lang. Erstens: Sieben Themen in neun Monaten, das konnte nicht gut gehen. Vor allem, wenn nach der Hälfte de facto Schluss ist. Zweitens: Befragungen ohne die Schlüsselpersonen, was soll das? Staatssekretär Ostermayer und Minister Berlakovich, die heute zur Inseratenaffäre aussagen, mögen Gegenbeispiele sein – schön und gut. Kanzler Faymann vermisst man im U-Ausschuss weiterhin.

Drittens: Kamen zentrale Figuren, etwa zur Telekom-Causa, entschlugen sie sich großteils der Aussage – weil die Staatsanwälte gegen sie ermitteln. Viertens: Wer doch aussagte, weil er nicht Beschuldigter ist, wurde nicht konsequent befragt. Weil Parlamentarier lieber ihre eigenen (Groß-)Parteien schützten oder auf (oppositionelle) Show setzten. Fünftens – Achtung, (Selbst-)Kritik an den Medien: Auch in der Berichterstattung dominierte das Spektakel, vermeintliche und echte Korruptionsfälle standen oft auf einer Stufe. Das droht auch am heutigen sowie an den verbleibenden fünf Sitzungstagen.

Also außer Spesen nichts gewesen? Viel mehr als ein Schlaglicht auf die Selbstbedienungsmentalität bei Politikern und Parteien hat der U-Ausschuss nicht geworfen.

Was tun? Zuerst einmal: Bitte nie wieder einen U-Ausschuss mit den oben genannten Sünden eins bis fünf ad absurdum führen. Und dann: Nie mehr die eigentliche Sünde begehen – nämlich Korruption. Das kann doch nicht zu viel verlangt sein. Aber wahrscheinlich schon.

 

regina.poell@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2012)

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6 Kommentare

so wie das gelaufen ist kann der normal-bürger nur einen schluss ziehen:

alle politiker sind gauner und die parteien dienen nur zur verschleierung der gaunereien.

sünde #6:

die mitverantwortung von frau pöll und kollegen!

JEDE der den aufgezählten sünden zugrundeliegende verfehlung hätte schon bei ihrer entstehung aufgedeckt werden können, WENN die sog. 4. gewalt ihren job gemacht hätte!

auch im rahmen des u-ausschusses hat diese 4. gewalt gesündigt: TEILE der politik haben gefehlt, doch schuldig gesprochen wird DIE politik. die anständigen wurden durch eure sensationsberichterstattung in einen topf mit den gangstern geworfen.

aber ich stimme zu bei der behauptung, der u-ausschuss sei unnötig. denn dem souverän ist all das eh höchst egal: es gibt keine wesentlichen stimmenverschiebungen bei umfragen!

Gast: Ailler K
02.10.2012 07:52
1 0

Hätte man anständige Politiker

Würde man dieses zeit und kostenaufwendige Instrumentarium gar nicht brauchen.

Aber das ist wohl nur ein frommer Wunsch!

Gast: leserin
01.10.2012 23:34
1 0

U-Ausschuss

Dem kann ich mich eigentlich nur anschliessen. Damit ein U-Ausschuss funktioniert muesste das Instrument grundlegend reformiert werden; siehe Vorbild Deutschland.
Jedoch treffend analysiert!

Gast: b745
01.10.2012 21:18
1 0

nichts hat besser gezeigt wie korrupt die politik ist als dieser u ausschuß

wurscht was herauskommt ein sittenbild der politik haben wir und werden unsere konsequenzen bei der wahl ziehen

Einer der besten

Kommentare in der Presse die ich je gelesen habe!

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