25.05.2013 14:00 Merkliste 0

Das Heer tut (nicht) gut

RAINER NOWAK (Die Presse)

Frau Burgstaller denkt laut. Oder redet sie nur?

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Ein paar Monate Zivildienst oder Bundesheer tun den jungen Männern sicher gut." Nein, so spricht nicht Barbara Rosenkranz, Andreas Khol oder Josef Cap, wenn er wieder einmal Zynismus, Ironie und Humor durcheinanderbringt. Sondern eine allseits beliebte Politikerin der modernen sozialdemokratischen Partei Österreichs. Was aber meint Gabi Burgstaller in dem Interview mit den „Salzburger Nachrichten" genau damit? Disziplin? Also die harte Hand des Unteroffiziers? Oder körperliche Ertüchtigung für die dicken, verweichlichten jungen Männer? Oder geht es um einen Eindruck in Sachen Ernst des Lebens, den die Muttersöhnchen nicht mehr kennen? Wir wissen es nicht genau, aber vielleicht übt da eine Politikerin für den Wahlkampf als Präsidentschaftskandidatin, indem sie sagt, was sie am Stammtisch zu hören glaubt.

Aber bevor wir aus der politisch korrekten Ecke nicht mehr herauskommen, ein Gedankenspiel: Was sollte nach Meinung Burgstallers eigentlich zeitgleich mit Mädchen und jungen Frauen passieren? Heiraten, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen? Oder vielleicht ein paar Monate in klosterähnlichem Umfeld Anstand und Keuschheit lernen? Das tut ihnen doch sicher gut - nein, Frau Burgstaller? Auch auf dem Bauernhof zu helfen wäre eine schöne Sache für Weiblein wie für Männlein. Harte Arbeit hat schließlich noch keinem geschadet. Überhaupt: Die Jungen sollen endlich einmal dankbar sein, so unbeschwert aufzuwachsen.
Frau Burgstaller hatte es da nicht so leicht, in ihrer Zeit des Jusstudiums und in der Salzburger Arbeiterkammer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2012)

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24 Kommentare
Gast: TT1
05.10.2012 19:42
0 2

Der einzige Grund für das Heer

.... die soziale Durchmischung....

Gast: dsfdsf
05.10.2012 18:32
1 3

Ich gebe der Frau Burgstaller recht

Es war außerdem ein christlich-sozial kommandiertes Berufsheer dass seinerzeit dei Arbeiterwohnungen zusammen schoss.

Berufsheere sind immer Unterdrückungs-Manövriermasse der Bourgeoisie und der herrschenden Klasse zu Hause oder im Ausland.

Wer eine Berufsheer will steht für eine Entwicklung die in kolonialen Abenteuern, Unterdrückung, Abschaffung der Demokratie in Europa bestenfalls ein weiterer Schritt zum Imperium Romanum II (das erste war ja auch "Demokratie" - aber eine der herrschenden Klasse für die herrschenden Klasse - will man das ?)

Keiner zieht gerne in den Krieg, es sei denn er hat einen Knacks im Hirn. Aber: Umsonst ist nichts auf der Welt. Nur die Rechte die man selbst verteidigt, selbst wahrnimmt bleiben einem, alles andere ist oft rascher dahin als man glaubt.

Wenn in manchen Ländern Männer wie Frauen 3 Jahre Wehrdiesnt machen können, danach 1 Monat Übung im Jahr, dann ist wohl die österreichische Lösung mehr als erträglich.

Wem DAS noch immer zu viel ist, der soll sich dann nicht beklagen über das was kommt.

Ich bin schon älter mich wird's kürzer treffen als all die Jungen die glauben dass es Freiheit, Arbeitnehmerrechte, gutes Einkommen für die Massen, anständige Lebensbedingungen für Werktätige, gleiche Bildung für alle zum Nulltarif gibt, also ohne eigenen Beitrag, nur "der Andere" soll's machen. Das ist Illusion.

"Schaut nicht was die Gesellschaft für euch sondern ihr für die Gesellschaft tun könnt" (c: J.F.Kennedy)

*gefällt mir*

man sollte zB für urschitz und nowak hier einen daumen.hoch-button haben :-))

Re: *gefällt mir*

seh ich genauso

Die Wertigkeiten von denen Burgstaller spricht, kann man auch in einem 2 monatigen Sommercamp vermitteln

Es geht doch für viele wirklich darum, mal weg zu sein von daheim. Für viele aus der Oberschicht mal mit Unterschichtlern mit dem gleichen Gewand im Gatsch zu hupfen und umgekehrt. V.a. aber auch darum, die Sinnlosigkeit des ganzen mal wirklich mitzuerleben - Nachdem man das gesehn hat, hetzt man vielleicht nichtmehr so schnell für irgendeinen Krieg.

Aber Hand aufs Herz. Wenn man das 2 Monate (von mir aus auch verplichtend) im Sommer macht, lernt man das auch kennen, und verliert kein Studien- oder Ausbildungsjahr, oder fehlt zu lange im Job.

Frau Burgstaller sollte möglichst wenig auffallen:


Sonst könnten einige Bürger auf die Idee kommen, sie nach Staatsbürgerschafts-Verkäufen und Luxus-Wohnsitzen für privilegierte Rotbonzen auf Kosten und zum Schaden der Allgemeinheit zu befragen. Gell, Frau Burgstaller?

6 1

"... der modernen sozialdemokratischen Partei Österreichs. "

Das kann doch nicht ernst gemeint sein!
modern?
Wenn, dann "modernden"

Re: "... der modernen sozialdemokratischen Partei Österreichs. "


Ich möcht wieder mehr grüne Stricherln vergeben dürfen!!!

Nun, Herr Nowak....

... obwohl auch meine Erfahrungen mit dem Bundesheer nicht allzu motivierend dafür waren, mich nun allzu sehr für die Beibehaltung der Wehrpflicht zu äußern, einige Erfahrungswerte für junge Menschen die Sie in Ihrem Kommentar anführen scheinen mir in unserer - in nicht wenigen Bereichen überzogenen - Wohlstandsgesellschaft verloren zu gehen. Wir lernen gerade wieder, dass diese Verluste nicht in erster Linie bzw. nur bei der Jugend selbst zu beobachten sind, sondern vielfach erst in den späteren so genannten "Erwachsenenjahren".

Re: Nun, Herr Nowak....

Richtig, früher war alles besser

"Früher war...

.... alles besser haben Sie gelesen, habe ich aber nicht geschrieben. Bereits im Alten Testament können Sie lesen, wie sehr in Zeiten des Wohlstandes der Anstand und das Verständnis für die Not anderen Menschen verloren gehen kann. "Dass früher alles besser war", ist ebenso ein Totschlagschargument, wie dass "heute alles besser ist". Das Fortschreiten des Menschen in der Evolution ist hoffentlich eine bekannte Tatsache, die Rückschläge die es gibt sollten allerdings auch kennen. Da es nach Schillfer und Goethe auch den Holocaust gab, sogar in Deutschland. Also.......

Und was soll der Kommentar jetzt aussagen?

Dass die Gabi keine Ahnung haben kann ob Wehrpflicht gut oder schlecht ist, weil sie ihn selbst nicht geleistet hat?
Mit derselben Logik dürfte ein Journalist aber auch keine Meinung zur Politik haben, wenn er nicht selber mal gewählt wurde.

Würde man die Kritik an der Aussage Burgstallers inhaltlich ansetzen wäre das nicht nur viel sachlicher, sondern auch viel leichter. Denn der hier zitierte Spruch hat in Wahrheit überhaupt keine Aussage, sondern ist eine der typischen leeren Phrasen, die Politiker so gerne von sich geben. Und gelegentlich auch Journalisten.

Re: Und was soll der Kommentar jetzt aussagen?

Das ist keine leere Phrase, sondern eine ideengeschichtlich hochinteressante Feststellung:

Zu meiner Zeit verbaten sich Emanzen erbittert, von Männern irgendwelche Rollen zugeschrieben zu bekommen.

Heute müssen sich meine Söhne von Quotenfrauen sagen lassen, was für sie gut ist.

Re: Und was soll der Kommentar jetzt aussagen?

Was Novak aussagen will kann er nur selber sagen, aber herauslesen kann man schon einiges:

- dass wieder mal jemand über etwas redet, das ihn nicht betrifft. (Ist bei Politikern aber üblich.)

- dass Populismus und schielen auf Stammtische natürlich immer Sache der anderen Partei ist. (Ist bei der SPÖ aber üblich.)

- dass Sexismus nur Pfui ist, wenn er Frauen betrifft (Ist bei Politikerinnen und Emmanzen aber üblich.)

Dass Fr. Burgstaller keine Ahnung haben kann, ob Wehrpflicht gut oder schlecht ist, steht hingegen nirgends. Sie dürfte es aber entweder wirklich nicht wissen oder zumindest nicht sagen dürfen. Denn Empfehlung "will sie ja keine abgeben".

Gast: beschwerer
04.10.2012 23:29
7 1

oh mann, nowak,

als ehemaliger Gedenkdiener, einer Luxus-Variante der "Pflicht am Staat", haben Sie weder vom Heer noch von einem anständigen Zivildienst de facto Ahnung sondern bestenfalls vom klug reden und betroffen dreinschauen. Der seltsame Verein namens Heer hat tatsächlich hunderttausenden Weicheiern nicht schlecht getan, das wissen sogar viele Männer in Ihrer Redaktionsumgebung. Sie aber reden von Sachen, die Ihnen so fremd sind wie die Quantenphysik. Typisch Journalist.

Antworten Gast: Gast: Leser
05.10.2012 11:39
5 0

Re: oh mann, nowak,

Egal, ob das Heer gut oder schlecht tut: es (bzw. Zivildienst oder Ähnliches) tut es wohl genauso den männlichen und den weiblichen Jugendlichen. Darum, und nur darum, geht es hier: entweder Pflichtdienst für alle oder für niemanden.

Re: oh mann, nowak,


Bei allem Respekt vor Ihnen und vor Ihrer Meinung (das ist in diesem Fall keine bloße Floskel):

Hab meine Schwierigkeiten damit, jemandem etwas vorzuhalten, was - bei Herrn Nowak so ca. 20 Jahre - zurück liegt (Gedenkdienst). Jeder von uns ändert sich und seine Ansichten zwangsläufig im Lauf der Zeit, ob er es will, oder nicht.

Sie und mich (vor ca. 45 Jahren) hat der "normale" Präsenzdienst offensichtlich in der persönlichen Entwicklung nicht grad weiter gebracht. Man könnt's auch anders formulieren, aber da hätt die Zenzi zu Recht was dagegen.

Und dass Sie und ich weder korrupt, noch Spitzenpolitiker sind, darf uns imho nicht dran hindern, sowohl gegen Politiker, als auch gegen Korruption bei allen zahlreichen gegebenen Anlässen ganz laut zu keifen - obwohl wir persönlich keine praktische Ahnung davon haben.

Nota bene: Auch gegen den Herrn Nowak hab ich schon ordentlich gekeift, muss aber anerkennen, dass er mit seiner neuen Position gewachsen ist. Ausrutscher darf's und wird's bei jedem von uns geben, alles andere wär doch unmenschlich.


Antworten Antworten Gast: beschwerer
06.10.2012 10:55
1 0

Re: Re: oh mann, nowak,

Danke für die gute Erwiderung!
Ich halt ihm den Gedenkdienst per se nicht vor - aber Ihr Vergleich mit unser beider Korruptionsunerfahrenheit (wirklich? ;-)) ist schief, so eine Äpfel- mit Birnensache. Korruption ist bloß ein strafrechtlicher und moralisch negativer Tatbestand, ein Militärwesen aber ein komplexes Phänomen. Ich find es jedenfalls in vielen Fällen fragwürdig, über etwas eine ernstgemeinte Meinung zu äußern, worüber man zu wenig Ahnung hat. (Worüber man nicht reden kann darüber muss man schweigen, war das nicht bei Wittgenstein? Und Nowak kann sicher eine Panzerhaubitze nicht von einem Panzer, die Abzeichen auf Uniformen oder taktische Einsatzkonzepte unterscheiden).

Aber egal und genug der diskutablen Theorie: Den Zusammenhang zwischen persönlicher Entwicklung und Wehrdienst seh ich nicht so "offensichtlich" (woher wollen Sie das bei mir wissen?) negativ bzw. neutral wie Sie. Ich hab von dort schon was mitgenommen, ehrlich, und wenn es nur Erlebnisse sind (auch beschissene!), aber wegen Erlebnissen geht man auch auf Reisen und aus Beschissenem lernt man fürs Leben. Einen Lkw-Schein hab ich auch mitgenommen.
Noch ein prinzipieller Einwand zum Karriereargument: Ich bin sicher, dass die sechs oder acht Monate wirklich keines Mannes berufliche Entwicklung oder gar Karriere wirklich beeinträchtigt oder gebremst haben - das halt ich für eine faule Ausrede und kenne auch zu viele Gegenbeispiele.

Chapeau jedenfalls!

PS: Nowak wurde reifer zuletzt, ja.

Woher will sie das wissen?

Sie redet da wie ein Priester über die Ehe. Fr. Burgstaller, das waren total verschixxxene 8 Monate, die ich da "abgedient" hab. Total sinnlos. Vielleicht machen Sie da auch mal 6 Monate als Grundler und dann reden Sie gescheit weiter.

Gast: mens sana
04.10.2012 19:28
6 1

Guter Kommentar

Hoffentlich liest Gabi das.

2 12

Herr Chefredakteur Novak,


wenn Sie ein bißchen recherchiert hätten, dann hätten Sie herausgefunden, dass Gabi Burgstaller in einem kleinen Dorf in Oberösterreich auf einem Bauernhof aufwuchs.

Man kann schließen, dass diese Frau weiß wie das wirkliche Leben mit schwerer körperlicher Arbeit funktioniert.

Antworten Gast: Gast: Leser
05.10.2012 11:40
3 1

Re: Herr Chefredakteur Novak,

Und beim Heer war sie wahrscheinlich auch noch.

Re: Herr Chefredakteur Novak,

Nun ja, es ist andererseits unübersehbar, dass diese Zeit schon lange zurückliegt.

Mit Rezepten, was jungen Leuten angeblich gut tut oder ihnen nicht schadet, muss man als Politiker vorsichtig sein.

Antworten Gast: UKW
04.10.2012 21:00
10 0

Re: Herr Chefredakteur Novak,

"Aufwachsen" ist wirklich eine schwere Arbeit. Und nach dem Studium musste sie in der Arbeiterkammer wahrscheinlich die Zwangsbeiträge zählen oder Grillwürsteltests veranstalten. Wir leiden alle mit ihr.

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