Es war eine seiner letzten Chancen, das Rennen ums Weiße Haus umzudrehen, und Mitt Romney nutzte sie. Unter hohem Druck legte der Republikaner im TV-Duell gegen Barack Obama seine beste Leistung im Wahlkampf hin. Der als steif verschriene Ex-Manager kam souverän, gut vorbereitet und wendig über die Rampe. Sogar Scherze gelangen ihm. Obama aber wirkte müde, überheblich-lässig und auffallend passiv.
Romney dominierte die Debatte. Dauerlächelnd versuchte er, sich in die Mitte zu manövrieren und als Brückenbauer zu präsentieren. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte der Präsident daran erinnern können, dass sein Herausforderer bei einer Gala 47 Prozent der Amerikaner verloren gegeben hatte, weil sie vom Staat abhängig seien. Doch Obama verschlief diesen Moment und andere auch.
Der Präsident fuhr monatelang gut mit dem Konzept, seinen Konkurrenten als geldgierigen Tollpatsch darzustellen und lediglich auf dessen Fehler zu warten. Es fanden sich genug Journalisten, die jeden unbedeutenden Lapsus des Republikaners aufbliesen und hingebungsvoll in die sogenannte Pannenserie einreihten. Diese Taktik ging nun nach hinten los. Denn beim ersten großen Anlass, bei dem sich viele Amerikaner 90 Minuten lang selbst ein Bild von den Kandidaten machen konnten, blieb Romney fehlerfrei und klar über den Erwartungen. Ein Rennen, das schon entschieden schien, ist dadurch wieder spannend geworden.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2012)















