Zehn Monate lang hat es kein „Wetten, dass . .?“ gegeben. So gesehen ist der Beweis erbracht, dass die Fernsehwelt auch ohne diesen Showklassiker nicht zusammenbricht. Damit könnte man das Thema endlich so angehen, wie man an Fernsehen herantreten sollte: entspannt. Sprich: Funktioniert's, dann ist es gut. Wenn nicht, dann hat eine familienfreundliche Wettshow am Samstagabend eben nichts mehr verloren, und man muss sich etwas Neues einfallen lassen.
Allen Unkenrufen zum Trotz hat Markus Lanz als neuer Moderator seine Feuertaufe einwandfrei überstanden – und mit 14,8Millionen Zuschauern in Deutschland und knapp 900.000 in Österreich die Quotenvorgaben sogar mehr als erfüllt. Ob das nur der Einmaleffekt der neugierigen Masse ist oder von Dauer, wird sich weisen – hängt aber nicht unbedingt nur von Lanz ab, der zwar nicht so cool und souverän über die riesige Bühne fegte wie sein Vorgänger Thomas Gottschalk, dafür aber mit viel Sympathie und Körpereinsatz (bei der Bierkisten-Liegestütz-Wette) Pluspunkte beim Publikum sammelte. Das brachte ihm Lob von „Wetten, dass . . ?“-Erfinder Frank Elstner – und eine Reichweite, wie sie Gottschalk seit Anfang 2005 nur ein einziges Mal gehabt hat: bei seinem Abschied.
Lanz hat bewiesen, dass die Show auch ohne Gottschalk funktionieren kann. Das ist die wichtigste Erkenntnis des Abends. Freilich ist bei der Premiere einiges schiefgegangen: Die Technik leistete sich peinliche Pannen. Lanz war nervös wie ein Schulbub, wirkte durch die straffen Programmvorgaben gehetzt und drohte hin und wieder den Überblick und/oder die Sprache zu verlieren (fand aber beides rechtzeitig wieder). Cindy aus Marzahn sorgte als Assistentin für Heiterkeit und einen Hauch von Anarchie, war aber wenig hilfreich, als z.B. einem Wettkandidaten das Mikro fehlte, das sie fest umklammerte. Die Liste ließe sich fortsetzen – und zeigt, dass es an Feinschliff und Routine fehlt. Beides wird sich einstellen.
Ob eine Samstagsshow mit Hundehaar-Blinderkennung, Wackelohr-Morsen und je einem Promi bzw. Show-Act pro Altersgruppe (10–99) unerlässlich ist, sei dahingestellt. Das entscheidet der Zuschauer per Fernbedienung. Am Samstag war das Votum eindeutig: Ja!
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2012)















