21.05.2013 20:35 Merkliste 0

Sinnvolle Erpressung

OLIVER PINK (Die Presse)

Spät, aber doch: ELGA kommt. Und Widerstand ist weitgehend zwecklos.

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Man sollte ein System nicht vor dessen Inbetriebnahme loben. Dennoch darf man der Einführung der Elektronischen Gesundheitsakte, kurz ELGA, einmal zuversichtlich entgegensehen.

Der Verwaltungsaufwand wird verringert, das Wissen um das oder die Leiden der Patienten vertieft und auch den Datenschutzbedenken wurde Rechnung getragen. Jene Patienten, die das ausdrücklich nicht wollen, müssen an ELGA nicht teilnehmen. Und auch jene niedergelassenen Ärzte, die bei ELGA nicht mitmachen, würden „nicht in Ketten abgeführt“ (ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger). Allerdings sind diese dann haftbar, wenn sie aufgrund einer Nicht-Verwendung von ELGA-Daten einen Fehler machen. Er gehe aber davon aus, sagte der Gesundheitsminister, dass „der gute Arzt“ ELGA verwenden werde und er sei überzeugt, „wir haben nur gute Ärzte“.

Man kann das sanfte Erpressung nennen. Aber es ist eine zugunsten der Patienten und letztlich auch zugunsten einer höheren Effektivität im Gesundheitswesen, die die viel kritisierten Mehrgleisigkeiten einschränken soll.

Das Risiko, dass sich irgendwelche gelangweilten Hacker einen Spaß daraus machen, geheime Gesundheitsdaten zu veröffentlichen, muss man leider eingehen. Darf man den Verantwortlichen glauben, sollte dieses jedoch beherrschbar sein. Wenn das stimmt, wären die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt.

 

oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2012)

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4 Kommentare

Es ist eine Frage der Zeit bis ELGA geknackt wird

Deswegen sind ja auch die Krankengeschichten der Politiker z.B. nicht drin…

Aber die Mitzi Maier wird dazu verdonnert :-)

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Ein IT Monster ohne Erfolgsaussicht kommt !

Herr Pink, sie waren offensichtlich noch nie an einem komplexen IT-Projekt beteiligt. Unabhängig von allgemeinen Bedenken, die im Hauptartikel vielfach und auch von mir kommentiert sind, folgenden Anmerkungen :

Denken Sie einmal an die vielen verschiedenen Datenschnittstellen und -problempunkte in unserem Gesundheitssystem gibt :

Allgemeinmediziner - von manuelle Karteien bis zu den verschiedenste individuellen Softwarelösungen,
alle Fachärzte – vom Zahnarzt bis zum Psychologen mit ihren Detailbefunden,
ausländische Gesundheitsdaten – Sprachprobleme und Missverständnisse,
Spitäler mit allen möglichen unterschiedlichen Systemen (AKH führt derzeit ein neues System ein),
Viele Daten liegen nur als physisches Schreiben vor – daher Bearbeitung über zig-faches manuelles Scannen,
u.s.w.

Z.B.: Wenn sie vom AKH ihre eigenen Gesundheitsdaten/Befunde beziehen wollen, dauert das derzeit 2 Wochen ! Ich glaube nicht, daß deren Dokumentationsstelle für ELGA schneller arbeiten wird, wo doch derzeit nur ein kleiner Teil der Patienten dieses Ansuchen stellt.

D.h. das millenschwere Projekt wird – wenn es überhaupt jemals funktioniert – mit sehr großen Lücken behaftet sein. Daher wird es auch keine Ärztehaftung geben können, denn niemand kann Vollständigkeit sicherstellen.

Und die Datenschutzproblematik so zu ignorieren wie es in diesem Kommentar gemacht wird ist absolut fahrlässig !

Schlaumeier

Neuer Versuch:
Wenn nichtteilnehmende Ärzte für Fehler durch Nichtteilnahme an ELGA haften, so haften teilnehmende Ärzte genauso, trotz Teilnahme.
Das ist ja die Zumutung: der Patient kommt mit einem riesigen Rucksack meist irrelevanter Daten, die der Arzt eigentlich erst studieren müßte. Unmöglich, geht nicht, man wird sich mit Bauchweh irgendwie durchschwindeln, hin und wieder erwischt es einen.

Schlaummeier


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