21.05.2013 10:37 Merkliste 0

Im Land am Strome

FRANZ SCHELLHORN (Die Presse)

In Österreich steigen die Preise für Strom auffallend schnell. Aus schlechtem Grund.

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Dem österreichischen Staat wird ja gerne vorgehalten, ziemlich planlos durch die Gegend zu streifen. Das ist so nicht ganz richtig. Im Zuge der von Brüssel verordneten Liberalisierung des Strommarktes hat sich der Staat nämlich so viel überlegt, dass man schon von einer Strategie sprechen könnte. Zuerst wurde Österreichs Strommarkt mit gefinkelten Handelshemmnissen vor ausländischer Billigkonkurrenz abgeschottet, in der Folge ein paar Jahre Wettbewerb geschauspielert, um dann wieder zum alten Monopolgehabe zurückzukehren.

Mit der Folge, dass die Stromrechnungen in kaum einem EU-Land so stark gestiegen sind wie hierzulande. Einerseits, weil die allesamt in öffentlichem Eigentum stehenden Stromversorger kräftig an der Preisschraube gedreht haben. Andererseits, weil der Staat die Steuern auf den saubersten Strom, der in Europa zu haben ist, seit 1996 um 104 Prozent erhöht hat. Chapeau!

Womit einmal die wichtigsten „Stakeholder“, wie das so unschön heißt, zufrieden wären: Die Länder sind als Eigentümer der Landesversorger erfreut, dass ihre letzte Gelddruckmaschine wieder wie geschmiert läuft, der Bund jubelt als Besitzer des größten Stromerzeugers über dessen Absatzzahlen. Und alle zusammen über die sprudelnden Steuern, die über den Finanzausgleich kollegial geteilt werden.

Wer meinen sollte, dass die Liberalisierung eigentlich nicht für Vater Staat gedacht war, liegt nicht ganz falsch. Aber wenn die Verbraucher den pekuniären Interessen des Staates im Wege stehen, kennt dieser eben keine Gnade.

 

franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2012)

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10 Kommentare

je billiger desto höher die verschwendung!

keine frage: die energieversorger haben eine lizenz zum gelddrucken. das sind unternehmen und unternehmen sollen in konkurrenz zueinander stehen und nicht als geldbeschaffungsmaschine für gebietskörperschaften missbraucht werden.

aber dennoch darf der strompreis nicht auf den reinen marktpreis reduziert werden. auch wenn manche klagen, sich den strom nicht mehr leisten zu können (na ja....): den billigen strom können wir uns aus energie-politschen gründen noch viel weniger leisten!

wichtig wäre, dass dieser aufschlag nicht irgendwo versickert, sondern dass damit die so notwendige energiewende co-finanziert wird.
(nur als beispiel: derzeit gibt es eine jahrelange warteliste für förderung von klein-solaranlagen. viele leute würden gern ihr sparbuch aufs dach legen und in kilowatt umwandeln. doch ohne förderzusage ist das wirtschaftlich völlig unrentabel. )

Oh das geht noch weiter

Als im Jahr 2002 liberalisiert wurde haben sich noch schnell die grössten Gasversorger Ostösterreichs zusammengesetzt mit der OMV (normalerweise hassen die sich ja gegenseitig) und in trauter Eintracht die österreichische Gaslösung beschlossen die da heisst EconGas.

Das die EconGas eigentlich ein Kartell ist und als einzigen Zewck die Verhinderung des Wettbewerbs hat, interessiert hier nur am Rande.

Es dauerte zwar aber der Markt schlägt zurück und die EconGas geht in Konkurs. Wer wird das wohl alles bezahlen denkt ihr denn?

Gast: Marsmensch
12.10.2012 08:55
0 3

andere Betrachtung

Mit Energiesparlampen moderneren Heizungspumpen und Isolierung wird sicherlich etwas Energie gespart. Der Saldo für die Energiefirmen darf aber in Euro nicht fallen. Also Preiserhöhung. Hat auch den Vorteil: Es braucht weniger investiert werden, weil die bestehenden Anlagen ja dann doch den Bedarf leicht decken und Überschüsse ans Ausland verkauft werden können. Die Umwelt profitiert eventuell ein wenig.

Gast: Hans Berger
11.10.2012 22:39
6 1

Das hirnrissige Experiment "Photovoltaik am 50. Breitengrad" kostet Milliarden!

Die Politiker übertreffen sich gegenseitig in vermeintlicher Öko-Gutheit und lassen dabei die letzten Spuren von Verstand abhandenkommen.

PV wird seit 6 Jahrzehnten intensivst erforscht, aber der Wirkungsgrad lässt sich eben kaum erhöhen. Und die Sonne schickt pro m2 eben nur eine gewisse Menge an Energie. Und das ist am 50. Breitengrad im Jahresvergleich sehr wenig. Und damit muss der LIEFERANT 5-mal höheren Lieferpreis für seinen Strom erhalten als normaler Strom dann netto dem Verbraucher kostet.

Damit verdienen sich Öko-Bobo-Abzocker goldene Nasen.

Ähnlich unsinnig wäre nur die großindustrielle Stromproduktion mittels Millionen Hamstern in Hamsterrädern.

Antworten Gast: aktenzeichen xyz
12.10.2012 14:25
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Re: Das hirnrissige Experiment "Photovoltaik am 50. Breitengrad" kostet Milliarden!

wieder ein kommentar von jemanden der von energiewirtschaft keine ahnung hat. bitte in zukunft nur noch auf der hcstrache website surfen und dort posten, wenn sie schon die oekos beschimpfen wollen.

Antworten Gast: toro
12.10.2012 09:40
1 3

Re: Das hirnrissige Experiment "Photovoltaik am 50. Breitengrad" kostet Milliarden!

Nette aufgeregte Tirade.

Detail am Rande: der 50. Breitengrad verläuft nicht durch Österreich.

Also abregen und zum Thema beitragen.

Gast: Stromsparer
11.10.2012 21:17
1 0

Stromkunden müssen mit deutlichen Preiserhöhungen rechnen

"Steigende Strompreise seien kaum vermeidbar, erklärt die deutsche Bundesnetzagentur. Investitionen in Stromleitungen lässt die Ökostromumlage um 50 Prozent steigen. Ein Vier-Personen-Haushalt muss 2013 bis zu 50 Euro mehr zahlen ".

Gast: magra
11.10.2012 19:28
1 9

samma doch froh...

..., dass der staat noch geld verdient. wären sie alle komplett privatisiert, würde ein paar aktionäre damit verdienen. und eines muss ihnen schon klar sein, das stromsystem in österreich ist gut und stabil, bei ausfällen wird schnell repariert. in amerika ist eine leitung defekt und der ganze osten hatte keinen strom. also nicht alles schlecht reden.

Antworten Gast: Vogel Strauss
12.10.2012 13:30
0 0

Re: samma doch froh...

Sie scheinen nicht in NÖ zu wohnen, wo die EVN zuständig ist ... wir haben bei jedem größeren Gewitter einen mindestens 2stündigen Stromausfall, obwohl die Leitungen bereits in der Erde verlaufen.

Gast: Matilda
11.10.2012 19:23
2 1

Keine Gnade.

Genau.
Die kennt Brüssel aber auch nicht.

Die Macht verfolgt überall nur ihren Eigennutz.

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