Stronach, der Haider-Erbe

Dass ausgerechnet Buchers BZÖ-Mandatare zu Stronach drängen, wird kein Zufall sein.

Ein Drittel ist weg. 21 Mandatare hatte das BZÖ nach der Wahl 2008, heute sind es nur noch 14. Vier davon sind zu Frank Stronach abgewandert. Weitere könnten folgen.

Dabei sind die beiden Parteien programmatisch nicht so weit auseinander – Stichwort „Fair Tax“, die beide propagieren. Ja, sie sind einander sogar so nahe, dass eine Fusion im Raum stand. Doch nachdem das BZÖ nicht in seiner Gesamtheit zu Stronach wechseln wollte, holt er sich die Abgeordneten nun eben einzeln.

Warum also, wird sich auch BZÖ-Chef Josef Bucher fragen, ist Frank Stronach so viel anziehender? Am Programm kann es kaum liegen. Nein, es liegt an der Persönlichkeit. Die Wähler, insbesondere jene aus eher kleinbürgerlichem Milieu, wollen einen Parteiführer, zu dem sie aufschauen können, der ihnen Bewunderung abringt. Keinen ihresgleichen. Das war schon bei Jörg Haider so. Ein großer Mann, der sich zum kleinen herabbegibt.

Das kann Josef Bucher nicht bieten. Frank Stronach schon. Es wird kein Zufall sein, dass Stronach-Veranstaltungen gerade in Kärnten regen Zulauf haben und man bei vielen seiner Fans glaubt, sie früher auch schon auf Haider-Events gesehen zu haben.

Und so könnte Frank Stronach zum wahren Haider-Erben werden. Zumindest, was den (klein-)bürgerlichen (Groß-)Teil von dessen Wählerschaft betrifft. Der Rest, die national-liberalen Honoratioren und Alten Herren der Burschenschaften, wird wohl der FPÖ die Treue halten.

 

oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2012)

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