Was hat eine halb nackte Frau mit dem Auto zu tun, auf dem sie sich in lasziver Pose räkelt? Was ein tief ausgeschnittenes Dekolleté mit der genau davor platzierten Wiener Süßspeise? Relativ wenig. Der kaum bis gar nicht verhüllte weibliche Körper dient oft allein dazu, eine Werbebotschaft mit sexuellem Reiz aufzuladen. Die Empörung, dass eine Frau hier auf ihren Körper reduziert wird, hält sich in engen Grenzen.
Ein Plakat für eine Ausstellung, auf dem drei Fußballspieler nackt bis auf die Socken zu sehen sind, sorgt dagegen für heftige Reaktionen von „obszön“ bis „gehirnlos“. Und lässt die Ausstellungsmacher zum schwarzen Zensurbalken greifen. Man wolle ja niemanden verletzen oder verstören.
Nun ist die Darstellung eines nicht erigierten männlichen Geschlechtsteils an sich nicht pornografisch. Und Nacktheit per se trägt noch lange nichts Sexuelles in sich – sonst müsste etwa Michelangelos David mit einem Feigenblatt entschärft werden. Wichtiger ist die Botschaft, die mit einem Sujet transportiert wird. Und die ist bei der Räkelfrau auf dem Sportwagen deutlich stärker („Nimm das Auto und du bekommst mich gleich dazu!“) – selbst wenn ihre primären und sekundären Geschlechtsmerkmale verhüllt sind. Vermutlich wäre es sinnvoller, sich über ein solches Frauenbild zu empören als über ein paar Männer ohne Unterhosen.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2012)














