20.06.2013 12:53 Merkliste 0

Des Wieners Angst vor dem Penis

ERICH KOCINA (Die Presse)

Skurril: Frauen in lasziven Posen gehören zum Stadtbild, ein männliches Geschlechtsteil gilt als obszön.

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Was hat eine halb nackte Frau mit dem Auto zu tun, auf dem sie sich in lasziver Pose räkelt? Was ein tief ausgeschnittenes Dekolleté mit der genau davor platzierten Wiener Süßspeise? Relativ wenig. Der kaum bis gar nicht verhüllte weibliche Körper dient oft allein dazu, eine Werbebotschaft mit sexuellem Reiz aufzuladen. Die Empörung, dass eine Frau hier auf ihren Körper reduziert wird, hält sich in engen Grenzen.

Ein Plakat für eine Ausstellung, auf dem drei Fußballspieler nackt bis auf die Socken zu sehen sind, sorgt dagegen für heftige Reaktionen von „obszön“ bis „gehirnlos“. Und lässt die Ausstellungsmacher zum schwarzen Zensurbalken greifen. Man wolle ja niemanden verletzen oder verstören.

Nun ist die Darstellung eines nicht erigierten männlichen Geschlechtsteils an sich nicht pornografisch. Und Nacktheit per se trägt noch lange nichts Sexuelles in sich – sonst müsste etwa Michelangelos David mit einem Feigenblatt entschärft werden. Wichtiger ist die Botschaft, die mit einem Sujet transportiert wird. Und die ist bei der Räkelfrau auf dem Sportwagen deutlich stärker („Nimm das Auto und du bekommst mich gleich dazu!“) – selbst wenn ihre primären und sekundären Geschlechtsmerkmale verhüllt sind. Vermutlich wäre es sinnvoller, sich über ein solches Frauenbild zu empören als über ein paar Männer ohne Unterhosen.

 

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2012)

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19 Kommentare
0 0

Leider..

..kostet das Auto viel und die Frau bekommt Mann erst nicht dazu.
Also gleich doppelter Frust!

Gast: beschwerer
14.10.2012 08:25
0 1

wenn man auf plakaten muschis sehn würde

hör ich schon jetzt den sexismusaufschrei desselben herrn kocina, wenn er schon das bloße räkeln empörend findet.

Gast: spachtler
13.10.2012 19:18
0 0

egal wie

diese Plakate sind einfach nur öd!

Antworten Gast: Edwin82
13.10.2012 20:16
1 0

Re: egal wie

Sehe ich ähnlich. Ist aber kein Grund, gleich mit Zensurbalken aufzumarschieren.

Gast: ThinkFirst
13.10.2012 19:12
1 2

Wer ist denn "Der Wiener", über den Sie herziehen?

Sorry Herr Kocina, aber der Kommentar ist völlig daneben und geht am Punkt vorbei!

Den meisten Wienern (wie übrigens auch mir) sind solche Plakate völlig egal, nur vergessen Sie offenbar, dass es in einer multikultutrellen Bevölkerung wie Wien viele Personen gibt, die sich durch solche Fotos extrem provoziert und abgestoßen fühlen. Explizite und öffentliche fotografische Darstellung von Penis oder Vagina ist in fast allen Ländern und Kulturen weltweit tabu (außer in der Pornographie, die gesetzlich reglementiert ist und die einem nicht über Plakate aufgedrängt wird) schon aus Gründen des Jugendschutzes. Es ist daher egal, aus welchen Gründen sich viele Menschen beschwert haben und was dabei eine Rolle spielt - ob bestimmtes Alter, Religion, Kultur, Erziehung, Sorge um die Kinder etc. - Ihre herablassenden und arroganten Äußerungen über diese Menschen in Wien sind unangebracht und zynisch.

Falls Sie auch nicht den Unterschied zwischen einer plakatierten primitiven Frontalaufnahme eines Penis und einem "tief ausgeschnittene Dekolleté" - das man etwa in der Ballsaison in Wien tagtäglich sehen kann - oder auch subtiler Erotik in der Werbung (männlicher wie weiblicher) verstehen, dann haben Sie offenbar sehr vieles noch nicht kapiert.

Antworten Gast: Edwin82
13.10.2012 20:18
4 0

Re: Wer ist denn "Der Wiener", über den Sie herziehen?

Wovor wollen Sie die Jugend schützen? Davor zu wissen, wie ein Penis aussieht?

Gast: Gerne nur Gast
13.10.2012 18:45
1 2

Meinung ist nicht Erkenntnis:


Herr Erich Kocina führt uns das in seinem Kommentar vor Augen:

Er negiert den Unterschied zwischen der expliziten Darstellung von Geschlechtsteilen und lasziver Erotik wie sie die Werbung umfassend verwendet.
Der Grund dieser Verblendung steht am Ende: "es wäre...sinnvoller, sich über ein solches Frauenbild zu empören...".

Es ist immer wieder verblüffend, wie Ideologie den Verstand ausbremst.

Re: Meinung ist nicht Erkenntnis:

Richtig erkannt.

Bei den lasziven Frauen sieht man ja auch keine primären Geschlechtsteile in der Werbung.

Ganz das gleiche ...

... ist das aber nicht: von "full frontal nudity" sind wir nämlich auch bei Frauen in der Werbung weit entfernt. Natürlich gibt es sexistische Werbung; ich habe auch nichts dagegen, nackte Männer in ästhetischer Weise werblich ins Bild zu setzen. Die letzten Hüllen müssen dabei aber weder bei ihm noch bei ihr fallen.

Man sollte

Jesus nackt zeigen!
So kann man heigen Penis sehen!

Antworten Gast: b754
13.10.2012 17:07
1 1

Re: Man sollte

... und gleich daneben Mohammed ...

Gast: gast999
12.10.2012 23:58
0 5

Skurril??

ich nenne so was nicht skurril, sondern sexistisch und rassistisch

Gast: Klagenfurter
12.10.2012 23:48
4 0

Nicht "des Wieners Angst" sondern

die Penisangst "der Wienerinnen" war es nach diversen anderen Zeitungsmeldungen. Man muß man sich für diese Hauptstadt regelrecht schämen, sogar als Kärntner :-))

Worüber man nichts weiß, sollte man schweigen!


Gast: Gerne nur Gast
12.10.2012 21:18
14 12

Alss ich bin schon verblüfft, dass ihnen, Herr Kocina,


der fundamentale Unterschied zwischen der erotischen (Werbe)Darstellung einer Frau oder auch eines Mannes (Palmers, Triumph, Falke Socken fallen mir ein) und der Frontaldarstellung des Geschlechtsteiles nicht augenfällig ist und auffällt.

Oder glauben sie, es wäre möglich, die weibliche Vagina so wie eben hier den Penis im Vollbild zu zeigen? Eben nicht, zum Glück.
Diese Differenz ist doch völlig klar - nur Herr Kocina will sich gutmenschlich und "progressiv" über das "Frauenbild" empören und übergeht den entscheidenden point of difference.


Schlechter Vergleich

An einer stehenden unbekleideten Frau ist ausser Brüsten, die man in jedem Schwimmbad "bewundern" kann, nichts Aufregendes zu sehen. Dass ein nackter Mann keine Möglichkeit hat etwas zu verbergen liegt an der männlichen Anatomie.
Mit Sicherheit ist Werbung mit Frauenkörpern sexuell aufgeheizter als die Abbildung ruhender Männer Pimmel.

Ach, Erich

Meines Wissens nach musste niemand die Frauen, die sich leicht oder gar nicht bekleidet in diversen lasziven Posen ablichten lassen bzw. ließen, dazu zwingen.

Ich habe im Gegenteil den Verdacht, dass attraktive Frauen ziemlich erpicht darauf sind, sich fotografieren zu lassen.

Aufregen tun sich darüber hingegen meist jene Frauen, die niemand fotografieren will.

Antworten Gast: Paradiesvogel
13.10.2012 20:21
1 4

Re: Ach, Erich

Diese Argumentation ist so unglaublich lächerlich. Ja, natürlich, ein Model lässt sich gerne ablichten, weil es damit Geld verdient. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass mit derartigen Posen ein unterwürfiges Frauenbild vermittelt wird. Die Frau wird auf ihre Funktion als Sexobjekt reduziert.

Und dieser Kommentar mit den "hässlichen" Frauen, die keiner fotografieren will, ist wirklich letztklassig!

Re: Re: Ach, Erich

Tja, die Wahrheit schmerzt.

Und wie gesagt, die Models reduzieren sich da schon selber, weil gezwungen hat sie wirklich keiner.

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