In den Chefetagen von Europas Banken dürfte man den Vorschlag von EZB-Direktor Jörg Asmussen mit einem Schmunzeln vernommen haben. Dieser schlug vor, dass Griechenland eigene Anleihen zurückkaufen solle. Da diese am Markt bei nur rund 30 Prozent ihres ursprünglichen Wertes notieren, könnte so auf einen Schlag ein Gewinn von 70 Prozent lukriert werden – die Schulden also um diesen Wert gesenkt werden.
Griechenland würde damit nachmachen, was die Banken seit Monaten mit Erfolg vorexerzieren. Denn in den Bankzentralen hat man schon vor längerem erkannt, welche Stärke (also Gewinnpotenzial) in der aktuellen Schwäche (also Einschätzung des Marktes über die Banken) liegt. Auch heimische Institute konnten so Gewinne im dreistelligen Millionenbetrag erzielen.
Und obwohl Erste-Bank-Chef Andreas Treichl bereits sein Unbehagen darüber ausdrückte, dass es Vielen nicht verständlich sein wird, warum die Banken hohe Gewinne durch den Rückkauf eigener Anleihen erzielen, handelt es sich dabei keinesfalls um Luftgeschäfte. Wenn jemand eine eigene Zahlungsverpflichtung billiger zurückkaufen kann, macht er ja einen realen Gewinn.
Für Griechenland ist diese Methode trotzdem keine gute Lösung. Denn anders als die Banken hat das Land das Geld zum Rückkauf der Anleihen nicht selbst. Da sie nicht mehr kreditwürdig sind, können die Griechen sich das Geld auch nicht am Markt besorgen, sondern müssten es sich beim ESM holen. Dadurch würden die Schulden in Summe zwar geringer, jene bei den Steuerzahlern anderer Euroländer aber höher.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2012)















