20.06.2013 01:54 Merkliste 0

Eine gute Idee, die dennoch falsch ist

JAKOB ZIRM (Die Presse)

Der Rückkauf eigener Anleihen kann Gewinne bringen. Aber nur wenn man das notwendige Geld dafür selbst hat.

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In den Chefetagen von Europas Banken dürfte man den Vorschlag von EZB-Direktor Jörg Asmussen mit einem Schmunzeln vernommen haben. Dieser schlug vor, dass Griechenland eigene Anleihen zurückkaufen solle. Da diese am Markt bei nur rund 30 Prozent ihres ursprünglichen Wertes notieren, könnte so auf einen Schlag ein Gewinn von 70 Prozent lukriert werden – die Schulden also um diesen Wert gesenkt werden.

Griechenland würde damit nachmachen, was die Banken seit Monaten mit Erfolg vorexerzieren. Denn in den Bankzentralen hat man schon vor längerem erkannt, welche Stärke (also Gewinnpotenzial) in der aktuellen Schwäche (also Einschätzung des Marktes über die Banken) liegt. Auch heimische Institute konnten so Gewinne im dreistelligen Millionenbetrag erzielen.

Und obwohl Erste-Bank-Chef Andreas Treichl bereits sein Unbehagen darüber ausdrückte, dass es Vielen nicht verständlich sein wird, warum die Banken hohe Gewinne durch den Rückkauf eigener Anleihen erzielen, handelt es sich dabei keinesfalls um Luftgeschäfte. Wenn jemand eine eigene Zahlungsverpflichtung billiger zurückkaufen kann, macht er ja einen realen Gewinn.

Für Griechenland ist diese Methode trotzdem keine gute Lösung. Denn anders als die Banken hat das Land das Geld zum Rückkauf der Anleihen nicht selbst. Da sie nicht mehr kreditwürdig sind, können die Griechen sich das Geld auch nicht am Markt besorgen, sondern müssten es sich beim ESM holen. Dadurch würden die Schulden in Summe zwar geringer, jene bei den Steuerzahlern anderer Euroländer aber höher.

 

E-Mails an: jakob.zirm@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2012)

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11 Kommentare
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wie alles bisher

Will man die EU und den Euro politisch, dann muss Europa eine Diktatur werden. Die Chance stehen aber gut, das es nur ein Chaos wird. Regionen in Spanien und Belgien wie Schottland selbsständig , ein Binnenmarkt aber keine Zentral Regierung oder Bankenaufsicht. Zuerst wird aber gewartet bis alle Pleite sind.

Re: wie alles bisher

Seit wann braucht man für eine Währung eine Diktatur?

Gast: gast 8
15.10.2012 09:51
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Chaos pur

Schön langsam sagt jeder etwas Anderes. Die Gegner der Rettung sind sich aber erstaunlich einnig. Warum? Weil sie die Wahrheit sagen.

Gast: wer wenn nicht er
15.10.2012 09:34
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"Dadurch würden die Schulden in Summe zwar geringer, jene bei den Steuerzahlern anderer Euroländer aber höher."

Da auslaufende Kredite ohnehin durch staatliche Hilfskredite refinanziert werden, besteht nur die Wahl zwischen:
1. 100% jeder alten Anleihe als Hilfskredit bereitstellen
2. 30-40% jeder alten Anleihe als Hilfskredit bereitstellen

Die Vorstellung, dass die Griechen mittels des ESM 60-70% ihrer Altschulden auf Kosten ängstlicher Anleihenhalter bezahlt bekämen, ist auch aus einer zweiten Sicht verlockend:
Die Anleihenrückkäufe würden mit der Zeit den Kurs alter Anleihen wieder hoch treiben. Dies würde deren Rendite senken. Die sinkende Rendite brächte den Griechen nach und nach wieder die Chance, am Kapitalmarkt Anleihen zu "normalen" Konditionen aufzunehmen.

Gast: r-tiroch@t-online.de
15.10.2012 08:49
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Luftnummer

das ist ein indirekter Schuldenschnitt mit 70% auf wessen Kosten?

Re: Luftnummer

Auf Kosten derer, die ihre Anleihen verkaufen, weil sie lieber jetzt sicher 30% des Geldes zurück bekommen als später vielleicht 100% oder eben vielleicht nichts.

Re: Re: Luftnummer

Wobei "auf Kosten" so negativ klingt. Wer unter 100% kauft, dem muss klar sein, dass er gegen die Mehrheit der Marktmeinung wettet. Wer über 100% kauft und bei 30% noch immer drinnen ist, dem ist auch schwer zu helfen.

So oder so - mein Mitleid hält sich in sehr engen Grenzen. Und ich empfinde es als persönliche Beleidigung, jene Vollpfosten, die investiert sind und das Glück haben, sich "systemrelevant" schimpfen zu können, da rauskaufen zu müssen.

Re: Re: Re: Luftnummer

Es ist ja auch negativ. Für diejenigen, die es trifft. Aber das ist tatsächlich deren Problem. Es wäre das Normalste auf der Welt, dass derjenige der sich entscheidet einem fragwürdigen Schuldner Geld zu borgen auch den Ausfall verkraften muss, wenn es zu einem kommt. Oder den Verlust, wenn er sich entscheidet vor Ende der Laufzeit zu verkaufen.
Oder den Gewinn, wenn am Ende doch noch mit saftigen Zinsen gezahlt wird.

Mitleid ist jetzt genauso wenig angebracht, wie im umgekehrten Fall Wut auf die erfolgreichen Spekulanten.
Oder Wut auf Griechenland, so nebenbei bemerkt. Nur sollte man denen aus rein sachlicher Überlegung kein Geld mehr borgen. Nicht als Strafe, sondern weil man ja eben selber dafür grade stehen muss, wenn man es sonst tut.

Aber das ist alles graue Theorie, die Politik färbt unsere Realität in ganz anderen Farben ein.

Gast: Wirtschaft darf nicht Fußball werden
14.10.2012 22:31
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Mein lieber Herr Zirm - Sie vergessen die Zinsen!!

Wenn durch den Rückkauf von Anleihen mit Haircut auch die Zinszahlungen für ebendiese wegfallen, bzw. lt. ihrem Zahlenbeispiel nur noch 30% des ursprünglichen Wertes betragen, wäre die Aktion trotzdem zu begrüßen.
Der eigentliche Grund warum dies nicht gemacht wird, ist mM jener, dass die meisten Banken die griechische Anleihen auf den Büchern haben, diese entweder bereits an EU bzw. EZB verkauft oder verpfändet haben. To make a long story short: der "Gewinn" ginge auf Kosten des gesamten EZB Systems u. würde sich mit dem "Verlust" netten -> am Ende bliebe höchstwahrscheinlich nur erhöhte Unsicherheit ggüber EZB u. den ganzen aufgeblähten "Rettungsinstrumenten" (vulgo bad banks).

Re: Mein lieber Herr Zirm - Sie vergessen die Zinsen!!

..... Haushaltsdisziplin und Strukturmassnahmen sind dafür jedoch eine der wichtigsten Säulen. Ausserdem sollten wir die Gesetze des Marktes nicht ausser Acht lassen. Denn Nachfrage bestimmt bekanntlich den Preis. Also müsste das in einer Hauruckaktion passieren, damit der Steuerzahler nicht doppelt r Kasse gebeten werden kann und sich die Banken auf Grund ihrer bereinigten Bilanzen noch ein schönes Körberlgeld verdienen, von dem der Steuerzahler nichts hat. Also zusammengefasst, diese ganze Aktion wäre aus meiner Sicht eine Umschichtung von Steuergeld bzw. Haftungen der Steuerzahler des Euroraumes, würde aber die ganze Situation durchsichtiger werden lassen.

Re: Mein lieber Herr Zirm - Sie vergessen die Zinsen!!

Es ist gehupft wie gehatscht. 80 % der griechischen Anleihen sind in den europäischen Währungsraum verkauft worden. Ob nun direkt oder indirekt an die R
EZB oder sogenannte systemrelevante Finanzinstitute. In Summe sind alle Steuerzahler der Eurozahler Gläubiger. Ich denke, daß einschneidende Problem was wir berade haben ist, das auf Grund der komplizierten Konstrukte die entstanden sind, keiner so genau weiß, inwie weit man eine einfache Lösung erreichen kann. Der Rückkaufswert der Anleihen, sollte in den Büchern der Investoren eigentlich schon negativ bilanziert sein. das heisst, das 70 % des Investitionsvolumens schon als verlust abgeschrieben wurde und durch Rettungssubventionen vom Steuerzahler in Form von Steuerrückzahlungen oder direkten Transferleistungen schon abgeschrieben wurde. Ein Rückkauf mit einem Darlehen durch den ESM wäre sicherlich eine win win Situation für alle Seiten und könnte sogar den Finanzmarkt beruhigen. .....

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