20.05.2013 06:44 Merkliste 0

Eine Gebühr als versteckte Steuer

GERHARD HOFER (Die Presse)

Die Grundbuchgebühr ist eine ungebührliche Vermögenssteuer.

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Egal, wie das juristische Geplänkel zwischen der Justizministerin und Verfassungsjuristen ausgehen wird. Es ändert nichts an der Tatsache, dass die sogenannte Grundbuchgebühr in Wahrheit eine versteckte Steuer ist. Wer ein Grundstück erwirbt, bezahlt 1,1 Prozent vom Kaufpreis. Offenbar kostet es die Beamten viel mehr Mühe, eine Villa ins Grundbuch einzutragen als eine Bruchbude.

Verwunderlich ist nur, warum es sich bei anderen Gebühren nicht ähnlich verhält.

Denn es gäbe so viele Möglichkeiten, per Gebühr die Staatskassen zu füllen. Wie wär's mit höheren Parkplatzgebühren für Sportwagen? Saftigeren Strafzettel für Porschefahrer?


Warum zahlen weniger ehrgeizige Schüler nicht mehr Schulgebühr? (Das wär' dann wohl eine versteckte Deppensteuer, für die ohnehin alle sind.) Oder höhere Fernsehgebühren für größere Fernsehapparate?

Gebühren heißen deshalb Gebühren, weil sie eine Art Aufwandsentschädigung darstellen. Und so absurd all diese hier angeführten Ideen sind, so absurd ist auch die Grundbuchgebühr. Die es hierzulande seit Jahr und Tag gibt, wohlgemerkt.

Wird Zeit, dass aus dieser versteckten Vermögensteuer eine echte Gebühr wird. Und die sollte für jeden gleich teuer sein. Alles andere ist nur eine Frotzelei des Steuerzahlers – über Gebühr.


gerhard.hofer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2012)

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5 Kommentare
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Der österreichische Staat...

...kassiert über Gebühr. ;-)

extrem interessant

eine extrem interessante debatte, die dieser lustige artikel lostritt. eine, die mir schon lang fehlt. wie wäre es denn, wenn mit einer flat-tax einfach ohnehin alle leistungen des staates abgegolten wären? warum muss man vielfach zahlen, wenn ich als "arbeitgeber" der beamten ohnehin schon meine steuer zahle? und darüber hinaus, von wegen ungerechtfertigt: die ganzen "konsumsteuern" - angeblich sollen die den verbrauch lenken. sollen wir weniger brot essen, oder mehr was dafür? es sind alt etablierte steuern aus einer zeit, wo es nichts anderes gegeben hat. gehören längst in frage gestellt, genauso wie alle gebühren zusätzlich zu steuern. oder anders rum: alles für sich abrechnen, was vom staat in anspruch genommen wird (als bewusst kinderloser wär mir das ohnehin am liebsten), und was ich nicht in anspruch nehme, brauch ich auch nicht zahlen. jedenfalls für mich gibt es nur ein entweder-oder als system.

Gast: Gast 2012
19.10.2012 21:58
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in einem Staat wo die Korruption blüht

ist es wohl völlig normal die Steuer als Gebühr zu tarnen. Es lebe SPÖVP!

die Mietvertragsgebühr ...

.. ist auch so ein absurdes Unding!
Gebühren setzen doch eine Leistung voraus. Das geht bei der Ausstellung von Reisepässen und auch bei einer Grundbuchseintragung in Ordnung, wenn es eine angemessene Gebühr ist.
Bei der Grundbuchseintragung müsste es eine einheitliche gleiche Gebühr sein - egal wie hoch der Kaufpreis des Objekts ist.
Bei der Mietvertragsgebühr leistet der Staat überhaupt nichts (Wo is sei Leistung?!) und kassiert dennoch eine Gebühr - wofür??

Re: die Mietvertragsgebühr ...

ist ursprünglich eine Art Papiersteuer, ja so war das mal, weil Papier so teuer war.diesen Luxus wollte man besteuern. Schaut mal nach wie lange es diese Steuer schon gibt. An diese Steuer hat sich das Volk gewöhnt warum soll man sie abschaffen?

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