Es gibt einige, die sich den Austritt Großbritanniens aus der EU wünschen. Das Land ist unerträglich eigensinnig, behinderte immer wieder die Fortentwicklung und sperrt sich gegen gemeinsame Lösungsversuche in der Krise. Der Sonderling aus dem Norden ist allerdings auch ein wertvoller Wirtschaftspartner und Garant für ein gutes Verhältnis zu den USA. Deshalb wurde bisher eher ein Auskommen gesucht.
Wenn der britische Premier David Cameron nun mit einem neuen, reduzierten Verhältnis zur EU innenpolitisch punkten möchte, ist das ein hochriskanter Akt. Denn damit könnte das angespannte Verhältnis aus der Balance geraten. Jetzt abseits zu stehen, wenn angesichts der Krise die Zukunft der EU entscheidend geformt wird, ist aus britischer Sicht schon ziemlich kurzsichtig. Dann aber gar als erste Maßnahme die polizeiliche Zusammenarbeit aufzukündigen ist für ein Land, das selbst vom internationalen Terrorismus heimgesucht wurde, schlicht fahrlässig. Camerons angekündigte Reform des Verhältnisses zur EU kommt einer planlosen Abkapselung gleich. Er will weiterhin Zugriff auf das Familiensilber (den Binnenmarkt) haben, aber dafür weder solidarisch zahlen noch solidarisch handeln.
Ob dieses Spiel gut geht, ist fraglich. Wenn nicht, wird sich Großbritannien irgendwann mit der Türkei und der Schweiz in einer „privilegierten Partnerschaft“ finden. Dann gibt es zwar noch den gemeinsamen Markt, aber keine volle Mitbestimmung mehr. Have fun!
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2012)















