Verteidigungsminister Norbert Darabos und die Militärs haben einen Fehler gemacht. So mancher Besucher der Heeresschau auf dem Wiener Heldenplatz, der einen Black-Hawk-Hubschrauber inspiziert hat, wird sich angesichts der Leistungsdemonstration des heimischen Heeres womöglich denken, dass Österreich auch mit dem jetzigen System der Wehrpflicht sein Auskommen findet.
Allerdings wurden in Sachen Landesverteidigung, gerade weil der Heldenplatz diesmal zentrale Wahlkampfbühne der Politik für die Heeres-Volksbefragung im Jänner war, viele Schattenseiten ausgeklammert. Hinter den Mauern heimischer Kasernen schaut die Situation trister aus, weil das Bundesheer für die Politiker jahrelang ein (finanzielles) Stiefkind war. Auch Bundespräsident Fischer, der vor Rekruten einmal mehr ein Plädoyer für die Wehrpflicht hielt, bildete als Oberbefehlshaber da keine Ausnahme.
Darabos ist wenig glaubwürdig, wenn er am Nationalfeiertag gegen das Schlechtreden des Bundesheeres auftritt. Das ist jener Minister, der vor Kurzem noch selbst den Präsenzdienst als „megasinnlos“ abqualifiziert hat. Kein Wunder, dass ihm nicht nur Offiziere, sondern zunehmend auch SPÖ-Politiker, wie nun Ex-Innenminister Schlögl, beim Schwenk zu einem Berufsheer die Gefolgschaft verweigern. Und die Österreicher merken auch: Feiertägliches Schönreden und Ausblenden eigener Versäumnisse sind nicht sonderlich professionell.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2012)















