Die dritte Watsch'n für Herrn Heinzl

Hauptsache, die Quote stimmt: ein beschämendes Lehrstück, das Kathrin Zechner und Kollegen da abliefern.

Der Mann polarisiert seit jeher und das mit sichtlichem Vergnügen. Sein Selbstbewusstsein ist ausgeprägt, man muss sich also keine allzu großen Sorgen machen, schließlich hat er auch reichlich Erfahrung in der medialen Licht-und-Schatten-Welt. Belächelt und verhöhnt als Ö3-„Kuschelecke“-Moderator, aufgestiegen zum erfrischend-frechen Publikumsliebling auf ATV, zum „Retter des ORF“ hochstilisiert und nun ebendort als Watschenmann vorgeführt.

Dennoch: Was Dominic Heinzl derzeit widerfährt, wünschen wir unserem ärgsten Feind nicht. Denn egal, wie der ORF das nun dreht und wendet, ob es hinter den Kulissen die große Versöhnung gab oder nicht: In der Öffentlichkeit steht Dominic Heinzl so da, wie er dasteht. Wer als Mitarbeiter solch einen Arbeitgeber hat, der ihn dermaßen bloßstellt, sollte froh sein, dass er sich einen neuen suchen kann.

Erst der reale Faustschlag des Rap-Jurors Sido. Dann der nächste Hieb durch die ORF-Führung, die den Erstschlag sogleich für ihre Zwecke nützte („Diese Privatfehde auf offener Bühne muss für beide Beteiligten Konsequenzen haben“, ©ORF-Finanzdirektor Richard Grasl) und Heinzl feuerte. Wobei derjenige, der die Kaskade ausgelöst hatte, nämlich Sido, dann wieder begnadigt wurde. Das war dann wohl die dritte Watsch'n für Herrn Heinzl.

Mehr als über Dominic Heinzl erzählt diese Farce jedoch über die ORF-Führung, allen voran Programmchefin Kathrin Zechner. Wir erleben gerade die Entzauberung dieser toughen Powerfrau mit Qualitätsanspruch, als die sie uns erst vorigen Sonntag im hauseigenen Ö3-„Frühstück bei mir“ einmal mehr präsentiert wurde. Erst warf sie Sido wild entschlossen raus, Gewalt könne schließlich keinesfalls toleriert werden. Dann holte sie ihn – wohl weil Ersatzjuror Seyffenstein so öd war – kleinlaut, aber rechtzeitig vor der „Großen Chance“ am Freitag wieder zurück.

Was soll nun das Signal sein? Dass Gewalt doch eine Lösung ist? Oder dass man für die Quote einfach alles macht?

 

E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2012)

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