Das Ende einer Freundschaft

MARTIN STUHLPFARRER (Die Presse)

Seit Rot-Grün regiert, leidet das traditionell gute Verhältnis der Stadt zur Wirtschaft.

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Walter Nettig, der legendäre Chef der Wiener Wirtschaftskammer, musste sich von VP-Parteifreunden immer wieder anhören: „Du bist in Wirklichkeit ein Roter.“ Die Achse zu Bürgermeister Michael Häupl war legendär, für die Wirtschaft hat Nettig so einiges erreicht, ohne Grundsatzpositionen aufzugeben. Auch Nettigs Nachfolgerin Brigitte Jank hatte einen guten Draht zu Häupl. Der betonte, als Rot-Grün aus der Taufe gehoben wurde, ausdrücklich: Die gute Achse Wiens zur Wirtschaft darf von den Grünen nicht angetastet werden.

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Heute sieht es anders aus. Wie kann man sonst die ungewöhnlich scharfe Kritik von Jank an der Stadtregierung deuten? Die Grünen haben in der Koalition immer wieder umstrittene Vorschläge ventiliert, die die Wirtschaft als gegen sie gerichtet sieht – zuletzt bei den Mieten. Die SPÖ sieht dabei erste Reihe fußfrei zu, die Wirtschaft steigt auf die Barrikaden. Damit hat der grüne Regierungseintritt die gute Achse der Stadt zur Wirtschaft beschädigt. Ob gewollt oder nicht: eine bemerkenswerte Leistung der Grünen.

 

martin.stuhlpfarrer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2012)

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