Angst vor „islamistischem Pharao“

WIELAND SCHNEIDER (Die Presse)

Ägyptens Präsident versprach, die Revolution zu retten. Doch sein Dekret untergräbt die neu gewonnene Demokratie.

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Es war wenig schmeichelhaft, was Ägyptens Präsident Mohammed Mursi von Oppositionspolitiker Mohammed El Baradei zu hören bekam: Mursi geriere sich wie ein „neuer Pharao“. Als Pharao hatten die Ägypter Mursis Vorgänger, Hosni Mubarak, beschimpft, der sich phasenweise wie ein halbgottähnlicher Herrscher aufgeführt hatte, der keinem irdischen Wesen Rechenschaft schuldet. So weit ist Mursi noch lange nicht. Doch dass sich Ägyptens erstes frei gewähltes Staatsoberhaupt nun – „nur temporär“ – umfangreiche Machtbefugnisse zuerkannt hat, lässt bei der Opposition die Alarmglocken schrillen.


Gegen Mubarak und die Generäle zogen Linke, Liberale und Islamisten gemeinsam in die Schlacht. Dieser Geist des Tahrir-Platzes ist verflogen. Dass es zur politischen Konfrontation zwischen Islamisten und Säkularen kommen würde, war klar. Auch in Europa bekämpfen einander Gruppen mit unterschiedlichen Weltanschauungen. Doch wichtig ist, dass dieser Kampf innerhalb des demokratischen Systems ausgefochten wird. Straßenschlachten sind dafür nicht das geeignete Mittel, und schon gar nicht Versuche des Staatsoberhauptes, Ägyptens neu gewonnene Demokratie zu untergraben.


wieland.schneider@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2012)

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6 Kommentare

Gemeinsam!??

Obigem Satz "Gegen Mubarak und die Generäle zogen Linke, Liberale und Islamisten gemeinsam in die Schlacht" ist - gelinde gesagt - zu widersprechen! Von Gemeinsamkeit war seitens des Islamisten nichts zu sehen. Während des Aufstandes gegen Mubarak hielten sich die Islamisten "vornehm" zurück und ließen die Anderen die Kastanien aus dem Feuer holen - um sich nach der Vertreibung Mubaraks als die Gewinner der Revolution zu sehen.
Die Verlierer des sog. "Arabischen Frühlings" sind vor allem die Christen , die Frauen, die Liberalen und die gemäßigten Muslime.

Mann, mann

was zum Teufel erwartet man von einer relgiös geprägten Partei. Mursi ist absoluter Autokrat, er ist Verfechter absolzter Unterwerfung. Alle Islamisten leben ja von der bedingungslosen Unterwerfung. Das geben sie nach unten weiter. In Ägypten wird es noch gewaltig krachen - leider.

ARABISCHER FRÜHLING?

Also das ist das Ergebnis des von den sozialen Netzwerken herbeigeredeten "Arabischen Frühlings"! Die Vielfalt im Nahen Osten ist im Verschwinden begrffen, MInderheiten aus dem Irak müssen nach Europa flüchten, ähnliches ist in Libyen geschehen, ein Ergebnis der Befreiung vom Gaddafi-Clan hat auch ein Islamisten-Regime im Norden Malis miterschaffen. Damit das klar ist, das ist keine Verteidigung der Diktatoren, aber Vielfalt schafft der Arabische Frühling keine! Siehe auch Bahrein!

Re: ARABISCHER FRÜHLING?

Vermutlich hast von der Selbstbestimmung noch nicht gehört!
Diese Entscheidung kann auch anders sein als die die du dir gewünscht hast!

Re: Re: ARABISCHER FRÜHLING?

Also ich kann nicht für Schleppnick sprechen, aber ich habe durchaus von Selbstbestimmung gehört.
Nur weigere ich mich die demokratische Selbstbestimmung als Maß aller Dinge anzuerkennen. Ethnische Säuberungen sind nicht in Ordnung, und wenn sie noch so sehr von der Mehrheit demokratisch abgesegnet wurden.
Und dass Sie das allen Ernstes Kritik an der Vertreibung von Minderheiten mit diesem Argument vom Tisch wischen wollen finde ich mehr als beängstigend. Solche Aussagen wären sogar dem rechten Flügel der FPÖ noch zu radikal.

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Das war von Anfang an klar.


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