Angst vor „islamistischem Pharao“

Ägyptens Präsident versprach, die Revolution zu retten. Doch sein Dekret untergräbt die neu gewonnene Demokratie.

Es war wenig schmeichelhaft, was Ägyptens Präsident Mohammed Mursi von Oppositionspolitiker Mohammed El Baradei zu hören bekam: Mursi geriere sich wie ein „neuer Pharao“. Als Pharao hatten die Ägypter Mursis Vorgänger, Hosni Mubarak, beschimpft, der sich phasenweise wie ein halbgottähnlicher Herrscher aufgeführt hatte, der keinem irdischen Wesen Rechenschaft schuldet. So weit ist Mursi noch lange nicht. Doch dass sich Ägyptens erstes frei gewähltes Staatsoberhaupt nun – „nur temporär“ – umfangreiche Machtbefugnisse zuerkannt hat, lässt bei der Opposition die Alarmglocken schrillen.


Gegen Mubarak und die Generäle zogen Linke, Liberale und Islamisten gemeinsam in die Schlacht. Dieser Geist des Tahrir-Platzes ist verflogen. Dass es zur politischen Konfrontation zwischen Islamisten und Säkularen kommen würde, war klar. Auch in Europa bekämpfen einander Gruppen mit unterschiedlichen Weltanschauungen. Doch wichtig ist, dass dieser Kampf innerhalb des demokratischen Systems ausgefochten wird. Straßenschlachten sind dafür nicht das geeignete Mittel, und schon gar nicht Versuche des Staatsoberhauptes, Ägyptens neu gewonnene Demokratie zu untergraben.


wieland.schneider@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2012)

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