Wo bleibt die Kammer für die Kammern?

In der WKÖ wird diskutiert, ob die Kleinstfirmen bei ihr gut aufgehoben sind. Gute Frage.

Das Geschäftsleben kann hin und wieder ziemlich grausam sein. Schon deshalb, weil man sich seine Kunden ja nicht aussuchen kann. Die Kammern haben es da schon besser. So denkt etwa die Wirtschaftskammer Steiermark darüber nach, ob die vielen Ein-Personen-Unternehmen nicht besser in einer anderen Kammer aufgehoben wären. Etwa der Arbeiterkammer.

Eine durchaus berechtigte Frage. Schließlich zeigen viele Kleinstunternehmer bei jeder Gelegenheit, wie unzufrieden sie mit der Arbeit ihrer Interessenvertretung sind.

Bemerkenswert an der Debatte ist freilich, dass sich hierzulande eben immer noch die per Verfassung geschützten Zwangskammern ihre zahlenden Kunden aussuchen. Und nicht umgekehrt, wie das in aufgeklärten Rechtsstaaten üblich sein sollte. Aber in Österreich schaut eben immer noch Vater Staat darauf, dass auch ja alle gut vertreten werden.

Weshalb es auch ein wenig überrascht, dass der Gesetzgeber eine zentrale Frage unbeantwortet in der Gegend herumstehen lässt. Nämlich jene: Wer vertritt eigentlich die Interessen der Interessenvertreter? Die hängen derzeit doch völlig in der Luft! Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die Kammern ihre Kammer bekommen. Pflichtmitgliedschaft inklusive. Wäre das nicht etwas für die WKÖ?

 

franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2012)

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