Wo bleibt die Kammer für die Kammern?

FRANZ SCHELLHORN (Die Presse)

In der WKÖ wird diskutiert, ob die Kleinstfirmen bei ihr gut aufgehoben sind. Gute Frage.

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Das Geschäftsleben kann hin und wieder ziemlich grausam sein. Schon deshalb, weil man sich seine Kunden ja nicht aussuchen kann. Die Kammern haben es da schon besser. So denkt etwa die Wirtschaftskammer Steiermark darüber nach, ob die vielen Ein-Personen-Unternehmen nicht besser in einer anderen Kammer aufgehoben wären. Etwa der Arbeiterkammer.

Eine durchaus berechtigte Frage. Schließlich zeigen viele Kleinstunternehmer bei jeder Gelegenheit, wie unzufrieden sie mit der Arbeit ihrer Interessenvertretung sind.

Bemerkenswert an der Debatte ist freilich, dass sich hierzulande eben immer noch die per Verfassung geschützten Zwangskammern ihre zahlenden Kunden aussuchen. Und nicht umgekehrt, wie das in aufgeklärten Rechtsstaaten üblich sein sollte. Aber in Österreich schaut eben immer noch Vater Staat darauf, dass auch ja alle gut vertreten werden.

Weshalb es auch ein wenig überrascht, dass der Gesetzgeber eine zentrale Frage unbeantwortet in der Gegend herumstehen lässt. Nämlich jene: Wer vertritt eigentlich die Interessen der Interessenvertreter? Die hängen derzeit doch völlig in der Luft! Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die Kammern ihre Kammer bekommen. Pflichtmitgliedschaft inklusive. Wäre das nicht etwas für die WKÖ?

 

franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2012)

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20 Kommentare

die wirtschaftskammer macht zumindest einmal im jahr etwas!

die kollektivverträge aushandeln!
das kann man von der Arbeiterkammer nicht gerade behaupten, das einzige was die macht ist höhere steuern zu fordern!


Re: die wirtschaftskammer macht zumindest einmal im jahr etwas!

und was habe ich als Kleinstunternhmerin (Einfraubetrieb) von den Kollektivverträgen? Die AK bietet zumindest ein gewisses Angebot an Service - Kosumentenschutz - Rechtsberatung - Eurotax-Abfrage usw. Was bietet die WKO für uns Kleine? Ich wäre dafür dass die Zwangsmitgliedschaft endlich mal abgeschaft wird.

"bürgerlich-liberale" angst vor den wählern


da die epu's immer mehr werden kriegen es die lieben "bürgerlichen" mit der angst zu tun und haben eine hor.ror-vision: was, wenn diese epus alle mal zur wahl gehen? und eine rot-grüne mehrheit wählen die ihre interessen vertritt?

da wär zeter und mordio!

herr schell in seiner marktfundamental.istischen traumwelt würde ihnen wahrscheinlich ausrichten, dass wahlen eh unfug sind und der echte hayekianische höhlenmensch sich mit sowas nicht abgeben sollte und das kammersystem ja eh abgeschafft gehört, denn es unterdrückt voll arg die freiheit! und wie!

aber für die in der realen welt lebenden övp'ler ist das halt weniger lustig als für einen von der IV (pardon: von "unabhängigen dynamischen entrepreneurs") bezahlten "think-tanker", wenn sie wahlen, strukturen und mehheiten an die linke verlieren. die müssen mit den folgen leben, herr sch. höchstens darüber think-tanken.

Re: "bürgerlich-liberale" angst vor den wählern

wenn sie sich dann mal wieder beruhigt haben, können sie ja vielleicht noch einmal den kommentar durchlesen.

erstens: regt sich schellhorn zurecht darüber auf, dass sich die kammer auf einmal beginnen möchte ihrer "schützlinge" auszusuchen, weil sie für sie unangenehm werden und zu viel aufwand bringen.

zweitens: lese ich nirgends aus seinem kommentar heraus, dass er sich vor einer rot-grünen mehrheit in der wko fürchten würde.

drittens: ist es ein skandal, dass man zwangsvertreten wird und dass man sich seine interessensvertretungen nicht selbst aussuchen kann.

und das können sie drehen und wenden wie sie wollen: in ihrer sozialistischen, paternalistischen und etatistischen weltsicht, weiß halt noch immer wer anders besser, der "staat", die "kammern", besser was der einzelne wollen soll als das individuum selbst.

viertens: ist schellhorn auf jeden fall auch ein kritiker der övp, wenn sie wieder mal ihre schäflein, die bauern, beamten, die geschützten bereiche auf kosten der allgemeinheit schützen will.

aber, lassen sie sich in ihrem hass auf schellhorn und ihrer verbohrten sictweise nicht aufhalten....

wobei für sie wird es wirklich langweilig werden, sobald schellhorn die presse verlassen haben wird.

bei den epu's hat die wko total versagt ....

und das wird sich noch bitter rächen. denn die werden eines tages die mehrheit der mitglieder stellen.

nur durchsichtig, wenn man sie jetzt schnell auslagern möchte - zum machterhalt der alten strukturen.

Die Kammer für die Kammer??

Mafia, elende.

http://www.lis-og.com/bilder/images/wk_mafia.jpg

Da bleibt einem die Patrone im Verschluß stecken, bei soviel Dummheit.

11

ja ja, österreich ....

... ist der staat der pauschal-entmündigten und ausgesackelten handaufhalter geworden.

hahahahaha-hahahaha-ha!


mann, was haben wir gelacht! da setzt unser bekannt humoriger mr. supermarkt doch glatt die clownnase auf und erzählt einen witz! hihi, ur lustig!

sie haben echt den schalk im nacken, schell aber einen tipp möchte ich ihnen als dem meister des unfreiwilligen humors schon noch mitgeben für ihre think-tank-tätigkeit: sie müssen sich nicht bemühen lustig zu wirken. das tun ihre durchaus ernst gemeinten kommentare nämlich sowieso. überlassen sie das mit dem humor ihrer subtilen, weil unfreiwilligen komik, dann ist für ausreichend amusement gesorgt.

ps: hohoho!

Re: hahahahaha-hahahaha-ha!

...ab morgen werden die Schlüssel zum Computerkammerl in der Löwelstraße besser verwahrt, damit nicht wieder Werner und Laura herumspielen können.

was an dem österreichischen obrigkeitsstaat mit seinen verfassungsmäßig einzementierten zwangsinteressensvertretungen

lustig sein soll, möchte ich schon gern wissen herr fuchs.

das finde ich alles andere als lustig. mir ist schon klar warum die kämmerer die, letzte, gunst der stunde nutzten, um ihre existenz für alle ewigkeit in stein meißeln zu lassen - also in die verfassung schreiben zu lassen.

für rot & schwarz bringt das auch nur vorteile: auch ohne parlamentarische mehrheit können sie per "realverfassung" jede andere parlamentarische mehrheit in ihrer arbeit behindern und ihr aufzeigen wer die macht hat.

aber, hr. fuchs, wenn sie es so lustig finden, dann reden sie doch mal mit den "amicis della sva" über deren erfahrungen mit der zwangsmitgliedschaft in der wko und der zwangsverpflichtung in der sva.

Re: was an dem österreichischen obrigkeitsstaat mit seinen verfassungsmäßig einzementierten zwangsinteressensvertretungen

aus dem presse-artikel geht hervor, dass das hauptanliegen der epu's nicht das ende der pflichtmitgliedschaft sondern das ende des selbstbehaltes in der sva ist. und wenn sie glauben, ohne pflichtversicherung stehen sie besser da, dann empfehel ich ihnen mal einen blick in die usa zu werfen. da kanns schon passieren, dass sie vermögen, haus und auto verkaufen müssen, wenn sie mal ernstlich krank sind...

Re: Re: was an dem österreichischen obrigkeitsstaat mit seinen verfassungsmäßig einzementierten zwangsinteressensvertretungen

Ach, sind private Krankenversicherungen in den USA verboten? Aber ich weiß schon. Wenn der Staat solche Dinge nicht selbst in die Hand nimmt, sind die unmündigen Bürger dem Verderben ausgeliefert.

Re: Re: Re: was an dem österreichischen obrigkeitsstaat mit seinen verfassungsmäßig einzementierten zwangsinteressensvertretungen

es gibt nur die privaten krankenversicherungen - und die verursachen die hohen kosten und die schlechte verorgungslage in den USA, das einzige westliche land, in dem zig millionen nicht krankenversichert sind!

wenn sie dort das pech haben sich eine op leisten zu müssen, und ihre krankekasse die, was oft vorkommt, nicht zahlt, dann können sie blechen.

Re: Re: Re: Re: was an dem österreichischen obrigkeitsstaat mit seinen verfassungsmäßig einzementierten zwangsinteressensvertretungen

ich werde jetzt nicht das us-amerikanische sozialversicherungssystem verteidigen - halte ich auch nicht für verteidigungswürdig.

nur ein paar anmerkungen zum österreichischen:

- es kann/darf nicht sein, dass man zwangsweise einer sozialversicherung in abhängigkeit vom beruf und/oder dem bundesland zugeordnet wird. mit der konsequenz von völlig unterschiedlichen leistungen bei gleichhohen beiträgen.

- daher trete ich nicht gg. ein staatliche sozialversicherungssystem ein, sondern für ein für alle gleiches sozialversicherungssystem, dass allen gleiche leistungen bei gleichen beiträgen bietet.

- ansonsten für eine versicherungspflicht bei freier wahl der sozialversicherung.

Re: was an dem österreichischen obrigkeitsstaat mit seinen verfassungsmäßig einzementierten zwangsinteressensvertretungen

die kammern können überhaupt niemanden behindern. eine parlamentsmehrheit ist eine mehrheit und kann machen was immer ihr beliebt, ganz wurscht was kammern sagen.

übrigens: "die" kammern gibts nicht. noch nie aufgefallen. dass die so gut wie nie einer meinung sind? und wieso sollen sie diese ihre meinung nicht sagen dürfen? und wen stören die kammern wirklich?

der österreichische "parlamentarismus", proporz und die sozialpartnerschaft

dazu darf ich eva weissenberger aus ihrem heutigen leitartikel zitieren:

".......Die Parteien, wie wir sie seit 1945 kennen, sind in halb Europa seit Jahren in der Krise. Hierzulande sank ihr Ansehen durch das Sichtbarwerden des Ausmaßes an Korruption im ablaufenden Jahr auf einen Tiefstand.

Die Österreicher sind ang'fressen. SPÖ, ÖVP (und diesmal auch die FPÖ) setzen dem abgesehen von Häme gegenüber neuen Typen von Politikern - ob sture Mäzene oder erratische Basisdemokraten - wenig entgegen.

Die Rechnung bekamen sie am Sonntag in Graz wieder einmal präsentiert. Es wählte nur jeder Zweite die früheren Großparteien. Rechnet man die Wahlbeteiligung ein, war es nur jeder Vierte.

Mit der Realverfassung der Zweiten Republik ist das nicht länger in Einklang zu bringen. Die Bürger können wählen, wen sie wollen, die Sozialpartnerschaft dirigiert das Land mit unsichtbarer Hand, als könnte man noch von einer roten und einer schwarzen Reichshälfte sprechen.

Den ORF teilen sich Sozial- und Christdemokraten auf, als würden sie noch 90 Prozent des Publikums ideologisch vertreten.

Aus den letzten Staatsbetrieben haben sie, aber auch die Freiheitlichen, bis vor Kurzem Vorteile für sich herausgepresst, als wären diese Parteibesitz gewesen."

der relevante teil ist:

Die Bürger können wählen, wen sie wollen, die Sozialpartnerschaft dirigiert das Land mit unsichtbarer Hand, als könnte man noch von einer roten und einer schwarzen Reichshälfte sprechen. (!!!!!!)

Re: was an dem österreichischen obrigkeitsstaat mit seinen verfassungsmäßig einzementierten zwangsinteressensvertretungen

Wäre schlimm genug, wenn's nur die "Realverfassung" wäre, leider handelt es sich mitterweile und die richtige Verfassung, die diese Nebenregierung legitimiert.

wann geht der endlich


Re: wann geht der endlich

wo er recht hat, hat er recht der schellhorn.

die wko will sich ihre "kunden" aussuchen, die aber per gesetz, also per zwang, von ihr vertreten werden.

nur mal so am rande: wenn die wko die epus nicht vertreten will, müssen sie dann trotzdem in der sva bleiben?

aja und über die unvereinbarkeit gleichzeitig obmann der sva und präsident der wko zu sein, breiten wir einmal den mantel des schweigens, oder hr. leitl?

Re: wann geht der endlich

worüber sollen wir dann lachen im forum?

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