Was wir hier haben, sieht wirklich gut aus“, erklärte ein führender Nasa-Forscher letzte Woche: „Es ist etwas, was in die Geschichte eingehen wird.“ Aber man müsse noch darüber schweigen, werde erst am Montag, den 3.Dezember berichten.
Darauf verbreiteten sich die Spekulationen über die angeblich vom Marsrover „Curiosity“ erbrachte Sensation natürlich erst recht wie ein Virus über die Websites und Internetforen dieses Planeten, in denen ja jede Ente rasch kopiert, garniert und serviert wird.
Nun, drei Tage vor der groß beworbenen Pressekonferenz rudert ein Sprecher der US-Weltraumorganisation zurück: Es seien am Montag „keine weltbewegenden Erkenntnisse“ zu erwarten. Nicht einmal „organisches Material“ sei gefunden worden. Am Mittwoch hat der Chef des Nasa-Zentrums in Pasadena noch von „einfachen organischen Molekülen und damit Vorstufen von Leben“ gesprochen.
Wieder einmal hat die Nasa also aus einem verbreiteten Missverständnis Stoff für eine ihrer PR-Kampagnen gezogen: Unter „organischen“ Molekülen versteht die Chemie nicht mehr als Verbindungen des Kohlenstoffs (um genau zu sein, mit wenigen Ausnahmen, z.B. CO2 und Carbonate). Natürlich baut das Leben auf organischen Molekülen auf, aus der Anwesenheit einfacher organischer Moleküle kann man jedoch keinesfalls auf Leben schließen. Um es ordinär zu sagen: Nicht jedes Methan entstammt einem Furz.
Gut, unlängst hat die europäische Weltraumorganisation ESO versucht, der Öffentlichkeit im Weltall gesichteten Glykolaldehyd (C2H4O2) als Zucker und damit „Grundzutat für die Entstehung von Leben“ zu verkaufen. Aber die große Schwester Nasa ist noch immer ungeschlagen in der Marktschreierei. Sie wird weiterhin jedes Minimolekül als Anzeichen von Leben im All propagieren, um ihre stattlichen staatlichen Budgets zu rechtfertigen. So lange, bis ihr niemand mehr zuhören wird. Dass das auch dem Ansehen der seriösen Astronomie schadet, ist ihren Agenten wohl egal.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2012)















