Eurofighter: Nicht alles ist ein Skandal

OLIVER PINK (Die Presse)

Ein Gegengeschäft an sich ist noch kein Verbrechen. Auch wenn Frank Stronach mithilft, diesen Eindruck zu vermitteln.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Am 2. Juli 2002, dem Tag der Typenentscheidung, sagte der damalige Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, die vom EADS-Konzern angebotenen Gegengeschäfte seien mitentscheidend gewesen. Als Beispiel nannte er wenig später die Fertigung des Jeep Grand Cherokee im Magna-Werk in Graz. Zwei Monate später war das schon wieder ungewiss. EADS drängte zwar auf eine Anrechnung, räumte aber ein, dass der Auftrag in Österreich bleibe, auch wenn der Abfangjägerdeal doch nicht zustandekomme. Letztlich wurde der Jeep im Grazer Magna-Werk nicht in die Gegengeschäftsliste aufgenommen.

Mehr zum Thema:

Nicht jedes normale Geschäft wurde also umgewidmet, wie Frank Stronach behauptet. Wenn aus dessen erratischem „ZiB2“-Interview eines herauszufiltern war, dann in etwa das: Magna habe von den Eurofightern nicht profitiert. Allerdings behauptet nicht nur die heutige Magna-Führung das Gegenteil, auch aus den Daten des Wirtschaftsministeriums geht hervor, dass Magna – übrigens mit dem EADS-Teilhaber Daimler wirtschaftlich eng verbunden – von sich aus zahlreiche Gegengeschäftsprojekte eingereicht hat.

Das ist auch nicht verboten. Ganz im Gegenteil. Warum Frank Stronach den Eindruck erweckt, es wäre ganz schlimm, hätte Magna davon profitiert, bleibt rätselhaft. Wie so vieles bei ihm.

 

E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

13 Kommentare

Ok: Kein Skandal, aber ein Marketing-Gag

Oder sehen Sie das anders, Herr Pink.

Und im Fall der Eurofighterbeschaffung gilt für mich die "Schuldvermutung":

Wo bereits so viele Korruptionsfällle und Auffälligkeiten ans Tageslicht gekommen sind und die Justiz im Dornröschenschlaf verfallen war, nehme ich auch bei den "Gegengeschäften" einmal das Schlimmste an.

Nur meine Sichtweise.

Abgesehen davon ist es doch genau die Argumentationslinie der ÖVP, die Stronach als einen "Profiteur" der Eurofighterbeschaffung hinstellt - hinstellen will.

Wenn aber die Geschäfte von Magna auch ohne Eurofighterbeschaffung abgewickelt worden wären, dann fallt die Argumentationslinie von Mitterlehner, Bartenstein & Co zusammen - oder sehe ich das falsch?

Aber ich glaube sowieso, dass das der nächste strategische "Knieschuss" der ÖVP sein wird: Jetzt werden die "Gegengeschäfte" das erste mal richtig unter die Lupe genommen und auf ihre Substanz überprüft.

Das muss nicht ein Skandal sein, wird aber die Praktiken an die Oberfläche bringen, mit denen die VP versuchte der Bevölkerung den Eurofighterdeal schmackhaft zu machen.

Und von den Ermittlungen der Münchener Staatsanwaltschaft bei EADS wegen Korruptionsfällen in einigen Geschäften, unter anderem den Eurofighterdeal mit Österreich, sprechen wir gar nicht.....

Re: Ok: Kein Skandal, aber ein Marketing-Gag

Als die Bevölkerung rumote, weil die Kosten für die EADS-Eurofighter halt doch sehr hoch waren, wurden zu ihrer Beruhigung die Gegengeschäfte in die Diskussion gebracht. Doch dann erkannten Bartenstein & Co., daß diese gar nicht so leicht zu verifizieren waren. Die offenbar auf einer geheimen internen Liste stehenden Firmen stellten durch die Bank jede direkte Verbindung von EADS-Aufträgen aus Anlaß des Eurofighterkaufes geradezu entrüstet in Abrede!

Entweder sie wußten überhaupt nix davon; oder sie führten an, daß sie mit EADS schon lange vor dem Flugzeugkauf in einer intensiven Geschäfsbeziehung standen, oder sie gaben an, sich mit etlichen anderen Konkurrenten um EADS-Aufträge zu bewerben. Garantie dafür, daß sie diese tollen Aufträge tatsächlich bekommen, gäbe es freilich keine...

Auf diese ernüchternde Weise konnte man natürlich der in Erklärugsnotstand gerateten Politik nicht helfend zur Seite stehen...

Warum ????

Weil der o-ton, den herr wolf im Interview mit stronach rüberbringen wollte der eines "PROFITEURS" war - und das ist eindeutig für das dumme wählervolk negativ besetzt ;-)))))))

...aber jetzt schwenkt ja sogar die presse ein, weil sie merkt, dass diese schmutzkübelkampagne in einen gülle-bauchfleck mündet ;-)))))

politposse

erinnern wir uns:
gusenbauer & Co hatten unter anderem auch die mehrheit der wahl errungen, weil sie ankündigten, die von den linken (in das provisionsystem nicht eingebundenen?) vertretern abgelehnte entscheidung der damaligen bundesregierung nicht zu unterstützen.
jedem vernünftig denkenden menschen müsste eigentlich klar sein, dass ein schon damals mehrmals geprüfter werdegang der entscheidungsfindung nicht so einfach von einem staat rückgängig zu machen ist.
verträge sind nämlich einzuhalten.
trotzdem sagten sie damals? "wenn ich gewählt werde, bestelle ich die eurofighter ab".
abbestellt hat er sie nicht. dafür weniger. die dann wiederum teurer wurden.
jetzt wollen genau die gleichen wahlversprecher unbedingt daran festhalten und schädigen bewusst (oder unbewusst) das ansehen österreichs.
weil permanent versucht wird, irgendwo ein korruptionsvergehen zu finden. da müssen jetzt eben magna-unternehmen herhalten. weils grade so gut passt zur parteiengründung.

ok. wissen will ich trotzdem, was stronach da zu verschleiern hat. wenn es kein gegengeschäft war, warum hat er dann "die freundliche erklärung abgegeben, dass es doch so verrechnet wird?
also bitte, lieber frank:
volle transparenz - ohne laut zu werden.
man sagt ja: wer mit seinen argumenten laut wird, hat nur mehr sehr wenige...

wie unten

gesagt, hat Androsch ein paar Tage zuvor im ORF genauso locker über seinen Beitrag zur offenbar haltlosen Gegengeschäftsliste schwadroniert. Da hat das aber keiner so aufgegriffen.

Interessante Reflexion

Man kann annehmen, dass Herr Stronach um seine Glaubwürdigkeit fürchtet, da dieser ja 2007 im Untersuchungsausschuss unter Wahrheitspflicht ausgesagt hat, dass Magna in keinster Weise vom EADS-Deal profitiert habe. Das passt im aktuellen Kontext nicht zum Credo von "Wahrheit, Transparenz und Fairness".

So oder so ist die Causa für den Bewegungsgründer unangenehm. Gab es echte Kompensationsgeschäfte besteht hinsichtliche seiner damaligen, und jetzt wiederholten Aussage, erklärungsbedarf. Waren es nur Scheingeschäfte (also Aufträge die Magna auch ohne die Kompensationsdeals erhalten hätte) dann muss er klarlegen wieso das Unternehmen diese Deals gezeichnet und bestätigt hat (und das bei explizitem Hinweis auf mögliche strafrechtliche Konsequenzen bei Falschangaben).


Androsch genauso

Ein Paar Tage zuvor saß Androsch im ORF Studio vor der selben Frage (warum haben seine Firmen Gegengeschäfte bestätigt, von denen er jetzt sagt, dass es gar keine waren) und hat genau so locker erklärt "wenn sich das Wirtschaftsministerium das schönrechnen wollte, haben wir halt geholfen".


Eurofighter:

Ein eindeutiger ÖVP-Skandal. Warum wird die Rolle von Bartenstein nicht genauer untersucht? Aber wohl kein Wunder bei einem ÖVP-Justizministerium!

Re: Eurofighter:

Eindeutig? Was ist mit den Millionen an Rapid, dessen Vorsitzender ein Erzroter ist?

Re: Re: Eurofighter:

ist doch klar, wo doch Rapid in voller Mannschaftsstärke im Aufsichtsrat von EADS sass und zugleich im Kabinett des Bartenstein. Das erklärt doch alles, nicht wahr ?

Re: Re: Eurofighter:

Auch durch ständiges Wiederholen werden Gerüchte nicht zu Fakten

5 millionen "Sponsoring" aufgeteilt auf 5 Jahre

Ohne Gegenleistung und ohne Nennung in der Öffentlichkeit.

Ist das erste Sponsoring dieser Art im Fußball oder sonst wo.

Re: Re: Re: Eurofighter:

Kein Gerücht sondern Tatsache

Top-News

AnmeldenAnmelden