Unbezahlbare Bescherung

21.12.2012 | 18:41 |  WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Es gibt sie manchmal wirklich, diese Weihnachtsmärchen im Sport.

Drucken Versenden
 
A A A
Schriftgröße
Kommentieren

Manchmal, so muss man unumwunden zugeben, hat der Sport nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Nicht immer gewinnt der Bessere, weil es mitunter der Glücklichere ist. Siege kann man sogar kaufen, auch wenn es in der Regel dann doch nicht immer für einen Titel reicht. Kalt und herzlos ist das Sportbusiness geworden. Wer zahlt, schafft an, wer noch mehr Millionen auf den Tisch legt, der kann es sich auch leisten, Spieler in der Gewichtsklasse eines Cristiano Ronaldo zu halten.

In all diesem Wahnsinn, der auch heuer wieder um sich gegriffen hat, liest sich eine Meldung aus dem Fußballlager wie ein Weihnachtsmärchen. Im Sommer ist Breno, der frühere Bundesliga-Profi des deutschen Rekordmeisters Bayern München, wegen schwerer Brandstiftung zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Der tief gefallene Brasilianer hat nun eine unverhoffte Bescherung erfahren. Sein früherer Verein, der FC São Paulo, hat den Innenverteidiger für drei Jahre unter Vertrag genommen. Damit hat der 23-Jährige, der im Alter von 18 Jahren für zwölf Millionen Euro nach München gekommen ist, nach einer möglichen Entlassung aus der Untersuchungshaft die Chance auf einen sportlichen Neuanfang. Der FC São Paulo teilte in der Causa Breno nur bescheiden mit: „Wir wollen dem Burschen nur Sicherheit, Stabilität und eine Perspektive bieten.“ Und das wäre unbezahlbar.


wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2012)

 
Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Top-News

  • G7-Gipfel: Familienstreit ums Geld
    Die größten Industrieländer ringen um ein Rezept zur Belebung der schwächelnden Weltwirtschaft. Die USA, Frankreich und Japan setzen auf Konjunkturpakete, Berlin und London sind dagegen.
    Grüne - „Zu sehr mit erhobenen Zeigefinger“
    Tirols Parteichef Georg Willi sieht die Grünen mit Van der Bellen als Bundespräsidenten in der Gesellschaftsmitte angekommen. Glawischnig solle eine Regierungsbeteiligung aktiv angehen.
    „Häftlinge in Heimatländer bringen“
    Hunderte Strafgefangene, vor allem aus Rumänien, Bulgarien, Serbien, der Slowakei und Ungarn, sollen zur Verbüßung der Haft in ihre Herkunftsländer überstellt werden.
    Top 10: Die reichsten Österreicher
    Österreichs Superreiche bringen es gemeinsam auf rund 78,2 Milliarden Euro. Aber nicht alle besitzen noch so viel wie im Vorjahr.
    Wahlaffäre: Innenressort greift durch
    Unregelmäßigkeiten bei Briefwahlauszählung in Kärnten und auch in der Steiermark. Das Ministerium wird „nichts unter den Tisch kehren lassen“. Wahlanfechtung bis 8. Juni möglich.
    Danke, Papa! - Nicht nur mit Krawatte und Aftershave
    Am 12. Juni ist Vatertag und damit Zeit, den Männern Danke zu sagen, die einen im Leben begleitet haben. Längst ist ein Vater nicht mehr auf die Rolle als „Versorger“ beschränkt.
AnmeldenAnmelden