Steuerfrei bei Käferplage

03.01.2013 | 18:24 |  KARL ETTINGER (Die Presse)

Nicht umsonst ist von Bauernschläue die Rede – siehe die „Dürreklausel“ bei Steuern.

Drucken Versenden
 
A A A
Schriftgröße
Kommentieren

Viele Bürger schimpfen über Politiker, die Bauern haben dazu keinen Grund. Sie müssten ihren (ÖVP-)Vertretern im Parlament zu Lebzeiten Denkmäler setzen. Es hat seinen Grund, warum von Bauernschläue die Rede ist. Wem gelingt es sonst, eine so strenge Finanzministerin wie Maria Fekter zu überlisten, wenn sie wie Ende 2012 die Steuerpauschalierung für Bauern ein bisschen einschränken will? Der niedrigere Grenzbetrag, ab der Steuern fällig wären, kommt nun einfach in Regionen mit geringem Niederschlag nicht zur Anwendung.

Damit haben die Bauernvertreter nicht nur darauf geschaut, dass möglichst wenige unter das Steuerpauschale fallen. Sie haben auch noch ein Beschäftigungsprogramm für den ländlichen Raum gestartet. Man stelle sich nur die Scharen an Experten vor, die künftig nachweisen werden (wollen), dass es beispielsweise auf dem Grund des Huber-Bauern kaum geregnet hat, auch wenn ein paar Kilometer weiter schwere Gewitterregen niedergegangen sind. Bei solchen Berufsaussichten für Wetterkundige muss bald jeder Steuerberater vor Neid erblassen. Und dann erst die Berufungsverfahren, die halten garantiert ganze Verwaltungsabteilungen auf Trab.

Bei allem Respekt für jene Bauern, die auf steilen Hängen, auf denen Städter nicht einmal gehen können, schuften, oder für jene im Flachland, die stundenlang pflügen – aber nach dieser „Dürreklausel“ ist es nur mehr eine Frage der Zeit, bis in die Bemessung auch die Erdäpfelkäfer pro Feld oder eine Entfernungszulage zum Lagerhaus steuermindernd einbezogen werden.

 

karl.ettinger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.01.2013)

 
Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
3 Kommentare
franz7
05.01.2013 10:39
0

Bauernschlaeue!

ES ist schon bemerkenswert welche Dummkoepfe herumlaufen und Kommentare abgeben.Wenn es nicht regnet gibt's bekanntlich auch keine Ernte,Kartoffelkaefer zerstören das Kartoffelkraut somit gibt es auch keine Ernte es gibt mehrer Beispiele die Bauern sind von dem Wetter abhängig wie keine andere Berufsgruppe,es ist doch plausible ohne Ertrag keine Steuer,es muesste viel mehr fuers nächste Jahr eine Gutschrieft geben,wie in der Wirtschaft üblich ist,vorjahresverlust muss bei späteren Gewinn in Abzug gebracht werden,ganz normal,nur den Bauern gönnt mans nicht.


lisa27
04.01.2013 12:08
1

Ausnahmen und Sonderregelungen gibt es bei...

....den Bauern ohne Ende. Es sitzen ja auch 30 Bauern für die ÖVP im Parlament, bei einem Bevölkerungsanteil von ca. 5%.

Albert Keinstein
03.01.2013 19:48
0

ettinger nutzt es natürlich für eine polemik

(was mittlerweile so sehr zur presse gehört, wie der salat zum schnitzel), doch er erkennt die grundsätzliche problematik nicht:

die zukunft wird uns eine große zahl an naturkatastrophen bringen. nicht 'nur' für die landwirtschaft, sondern für jeden, der in irgendeiner form mit natur konfrontiert ist.

ist es daher nicht deutlich besser, schon im vorhinein regularien für einen ausgleich zu schaffen? oder soll wie bisher im nachhinein via katastrophenhilfe das füllhorn ausgeschüttet werden? da profitieren allerdings jene, die am lautesten schreien oder am herzerweichendsten in die kamera schauen.

also ich bin für variante 1.
und ich bin gegen blöde polemik in einer qualitätszeitung, selbst wenn das den leseranteil bei den proleten steigert.

Top-News

  • TTIP: Kein Pakt mit Amerika?
    Frankreich erklärt das Freihandelsabkommen mit den USA für tot. Auch Österreichs Regierung ist zunehmend skeptisch. EU und USA trommeln Durchhalteparolen, aber ein Deal unter Obama ist unrealistisch.
    Amatrice: Beben enttarnt Bauskandal
    Falsche Zertifizierungen, nicht ausgeführte Sicherungsarbeiten: Nach dem Beben in Mittelitalien von voriger Woche häufen sich Berichte über Pfusch bis hin zur Veruntreuung.
    Saudiarabien erlebt sein Vietnam
    Der Krieg hat den Jemen in drei Machtzonen zerfallen lassen. Al-Qaida beherrscht große Landstriche, 10.000 Menschen sind tot. Doch Saudiarabien fliegt weiter Luftangriffe auf den Nachbarn – ohne seine Strategie offenzulegen.
    Ein abgesagtes Hunderennen und eine SMS
    Bundeskanzler Kern trägt das Pressefoyer in der bisherigen Form zu Grabe. Die rot-schwarze Koalition gibt sich selbst den Lieferauftrag für Ergebnisse: Ab Oktober soll die Erntezeit von der Integration bis zur Wirtschaft sein.
    ÖFB-Team: Baumgartlinger, der einzig logische Anführer
    Fuchs-Nachfolge ist geklärt, Koller bestimmte Baumgartlinger, 28, zum Kapitän.
    Wiener Terrorverfahren um 21 Tote
    Auf Wien kommt ein Terrorprozess zu, der in der Dimension einzigartig ist: Der Tschetschenien-Flüchtling Magomed I. wird für 21 Morde verantwortlich gemacht.
AnmeldenAnmelden