Steuerfrei bei Käferplage

KARL ETTINGER (Die Presse)

Nicht umsonst ist von Bauernschläue die Rede – siehe die „Dürreklausel“ bei Steuern.

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Viele Bürger schimpfen über Politiker, die Bauern haben dazu keinen Grund. Sie müssten ihren (ÖVP-)Vertretern im Parlament zu Lebzeiten Denkmäler setzen. Es hat seinen Grund, warum von Bauernschläue die Rede ist. Wem gelingt es sonst, eine so strenge Finanzministerin wie Maria Fekter zu überlisten, wenn sie wie Ende 2012 die Steuerpauschalierung für Bauern ein bisschen einschränken will? Der niedrigere Grenzbetrag, ab der Steuern fällig wären, kommt nun einfach in Regionen mit geringem Niederschlag nicht zur Anwendung.

Damit haben die Bauernvertreter nicht nur darauf geschaut, dass möglichst wenige unter das Steuerpauschale fallen. Sie haben auch noch ein Beschäftigungsprogramm für den ländlichen Raum gestartet. Man stelle sich nur die Scharen an Experten vor, die künftig nachweisen werden (wollen), dass es beispielsweise auf dem Grund des Huber-Bauern kaum geregnet hat, auch wenn ein paar Kilometer weiter schwere Gewitterregen niedergegangen sind. Bei solchen Berufsaussichten für Wetterkundige muss bald jeder Steuerberater vor Neid erblassen. Und dann erst die Berufungsverfahren, die halten garantiert ganze Verwaltungsabteilungen auf Trab.

Bei allem Respekt für jene Bauern, die auf steilen Hängen, auf denen Städter nicht einmal gehen können, schuften, oder für jene im Flachland, die stundenlang pflügen – aber nach dieser „Dürreklausel“ ist es nur mehr eine Frage der Zeit, bis in die Bemessung auch die Erdäpfelkäfer pro Feld oder eine Entfernungszulage zum Lagerhaus steuermindernd einbezogen werden.

 

karl.ettinger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.01.2013)

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3 Kommentare
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Bauernschlaeue!

ES ist schon bemerkenswert welche Dummkoepfe herumlaufen und Kommentare abgeben.Wenn es nicht regnet gibt's bekanntlich auch keine Ernte,Kartoffelkaefer zerstören das Kartoffelkraut somit gibt es auch keine Ernte es gibt mehrer Beispiele die Bauern sind von dem Wetter abhängig wie keine andere Berufsgruppe,es ist doch plausible ohne Ertrag keine Steuer,es muesste viel mehr fuers nächste Jahr eine Gutschrieft geben,wie in der Wirtschaft üblich ist,vorjahresverlust muss bei späteren Gewinn in Abzug gebracht werden,ganz normal,nur den Bauern gönnt mans nicht.


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Ausnahmen und Sonderregelungen gibt es bei...

....den Bauern ohne Ende. Es sitzen ja auch 30 Bauern für die ÖVP im Parlament, bei einem Bevölkerungsanteil von ca. 5%.

ettinger nutzt es natürlich für eine polemik

(was mittlerweile so sehr zur presse gehört, wie der salat zum schnitzel), doch er erkennt die grundsätzliche problematik nicht:

die zukunft wird uns eine große zahl an naturkatastrophen bringen. nicht 'nur' für die landwirtschaft, sondern für jeden, der in irgendeiner form mit natur konfrontiert ist.

ist es daher nicht deutlich besser, schon im vorhinein regularien für einen ausgleich zu schaffen? oder soll wie bisher im nachhinein via katastrophenhilfe das füllhorn ausgeschüttet werden? da profitieren allerdings jene, die am lautesten schreien oder am herzerweichendsten in die kamera schauen.

also ich bin für variante 1.
und ich bin gegen blöde polemik in einer qualitätszeitung, selbst wenn das den leseranteil bei den proleten steigert.

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