Der Berliner Bruchpilot

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

SPD-Bürgermeister Wowereit wird sich nicht aus der Flughafenaffäre ziehen können.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Das Berliner Flughafenprojekt hat viele originelle Aspekte: Diverse Eröffnungstermine waren bis dato ähnlich zuverlässig wie Ankündigungen des Maya-Kalenders. Als ebenso unverbindliche Schätzgrößen erwiesen sich die Baukosten, die sich mehr als verdoppelt haben und derzeit bei 4,3 Milliarden Euro liegen. Darin sind jedoch noch nicht die Schadenersatzforderungen einberechnet, die auf Berlin, Brandenburg und den Bund, also den Steuerzahler, zukommen.

Ab wann Passagiere nach einer doch recht weiten Anfahrt zum neuen Airport auch auf den Start von Flugzeugen hoffen dürfen, kann niemand so ganz genau sagen. Ein humorbegabter Experte, der sich in der „Berliner Morgenpost“ zur Wort meldete, meinte: schlimmstenfalls 2017. Gut, bis dahin könnte bei guter Organisation auch ein UFO-Landeplatz mit Abfertigungshalle für Außerirdische aus dem Boden gestampft werden.

Fast am originellsten jedoch ist die Rochade, die sich die SPD-Planungsgenies für den Flughafenaufsichtsrat ausgedacht haben. Statt des sozialdemokratischen Berliner Spaßbürgermeisters Klaus Wowereit soll nun ausgerechnet Brandenburgs Ministerpräsident, Genosse Matthias Platzeck, den Vorsitz übernehmen. Ein starkes Stück: Denn als bisheriger Vizechef des versagenden Kontrollorgans ist auch Platzeck für das Debakel verantwortlich.

Die zwei Bruchpiloten wollten sich mit dem Flughafen ein Denkmal setzen. Geworden ist daraus ihr Mühlstein. Auf Dauer wird sich weder Wowereit noch Platzeck aus der Affäre ziehen können.

 

christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

2 Kommentare
2 0

"Berlin ist arm, aber sexy" (Wowereit)

Inzwischen sind Berlin und Wowereit nur noch arm. Und das ist gut so!

Auf Dauer wird sich weder Wowereit noch Platzeck aus der Affäre ziehen können

wieso? sie brauchen doch nur ein bißchen nachhilfe bei ihren österreichischen kollegen nehmen...oder hat es beim skylink (der ja jetzt nimma so heissen darf) konsequenzen gegeben? oder in salzburg, oder in kärnten oder in linz, oder...

Top-News

  • Ist die Ganztagsschule abgeblasen?
    Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) verteidigt ihren Plan, bei den Ganztagsschulen zu sparen. Die Mittel seien bislang ohnehin nicht ausgeschöpft worden.
    Gefahr durch geheime EU-Deals
    Das System der EU ist wegen seiner Komplexität korruptionsanfällig, kritisiert Transparency International. Die Letztentscheidung in wichtigen Fragen fällt zu oft ohne Öffentlichkeit.
    Telekom Austria: Der viel kritisierte "Wunschpartner"
    Telekom. ÖIAG und América Móvil feiern ihre spät besiegelte Partnerschaft. Das Chaos sei vorbei. Nun wollen die Mexikaner mit der TA in Europa vor allem eines: Wachsen, wachsen, wachsen.
    Moskau startet Manöver
    Angesichts Kiews "Antiterror-Operation" hält Moskau Militärübung in Grenznähe ab. Ukrainische Truppen melden indes Erfolge.
    Hans Hollein: Auf dem Mond - oder woanders
    Am Donnerstag ist einer der großen Architekten und Künstler, die Österreich in der Welt vertraten, nach langer Krankheit gestorben. Hans Hollein wurde 80 Jahre alt. Sein Jubeljahr wird zum Jahr der Erinnerungen an den Universalisten.
    Bankensteuer: Lenkt die SPÖ ein?
    Das "Presse"-Interview mit Wirtschaftsminister Mitterlehner über eine Reduktion der Bankenabgabe sorgt für zahlreiche Reaktionen. Die SPÖ verlangt nun genaue Berechnungen.
AnmeldenAnmelden