Fetisch Wachzimmer

Mit Polizisten besetzte Wärmestuben bedeuten nicht automatisch mehr Sicherheit. Kluge Strukturen schon.

Irgendwie ist es nur menschlich. Jede Partei oder Organisation braucht ihren Spleen, der offiziell dem Wohl „der Menschen da draußen“ dient, in Wahrheit jedoch Vehikel zur Erhaltung der eigenen Machtbasis ist. Was Niederösterreichs Landesregierung Spitäler in jeder Kleinstadt sind, sind der Wiener Polizeigewerkschaft Wachzimmer an jedem Straßeneck. Die einen schaffen so Arbeitsplätze und Wähler, die anderen Posten für Personalvertreter.

Das ist schade. Denn dass sich Sicherheit, Kosteneffizienz und gute Arbeitsbedingungen auch gleichzeitig umsetzen lassen, zeigt München vor. Dort sind 25 Inspektionen für ein doppelt so großes Einzugsgebiet zuständig. Wien hingegen leistet sich 96 Polizeistandorte. Wozu eigentlich?

Notrufe kommen fast immer telefonisch. Zum nächsten Wachzimmer laufen nur die wenigsten. Dort angekommen, würde es die nächste Enttäuschung setzen. Dem allein Dienst schiebenden Beamten bliebe nichts anderes übrig, als Verstärkung zu rufen.

Anstatt aufgeblähte Strukturen zu verteidigen, sollte die Gewerkschaft lieber alles tun, um die durch die Wachzimmersperren frei werdenden Beamten auch auf die Straße zu bringen. Im Sinne der Bürger und der eigenen Kollegen.

 

andreas.wetz@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2013)

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