Fetisch Wachzimmer

ANDREAS WETZ (Die Presse)

Mit Polizisten besetzte Wärmestuben bedeuten nicht automatisch mehr Sicherheit. Kluge Strukturen schon.

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Irgendwie ist es nur menschlich. Jede Partei oder Organisation braucht ihren Spleen, der offiziell dem Wohl „der Menschen da draußen“ dient, in Wahrheit jedoch Vehikel zur Erhaltung der eigenen Machtbasis ist. Was Niederösterreichs Landesregierung Spitäler in jeder Kleinstadt sind, sind der Wiener Polizeigewerkschaft Wachzimmer an jedem Straßeneck. Die einen schaffen so Arbeitsplätze und Wähler, die anderen Posten für Personalvertreter.

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Das ist schade. Denn dass sich Sicherheit, Kosteneffizienz und gute Arbeitsbedingungen auch gleichzeitig umsetzen lassen, zeigt München vor. Dort sind 25 Inspektionen für ein doppelt so großes Einzugsgebiet zuständig. Wien hingegen leistet sich 96 Polizeistandorte. Wozu eigentlich?

Notrufe kommen fast immer telefonisch. Zum nächsten Wachzimmer laufen nur die wenigsten. Dort angekommen, würde es die nächste Enttäuschung setzen. Dem allein Dienst schiebenden Beamten bliebe nichts anderes übrig, als Verstärkung zu rufen.

Anstatt aufgeblähte Strukturen zu verteidigen, sollte die Gewerkschaft lieber alles tun, um die durch die Wachzimmersperren frei werdenden Beamten auch auf die Straße zu bringen. Im Sinne der Bürger und der eigenen Kollegen.

 

andreas.wetz@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2013)

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5 Kommentare

Bayern hat bei 12 Mio Einwohner EINE Legislative !!


Doch solange die GÖD mit aufgeblähten Strukturen u. Vorrückungen OHNE Leistungsnachweis ihre Funktionäre gut versorgt...

SCHWEIZ: 8 Pers. je 1000 EW, Ösistan 22 !!?? (ohne pseudoprivate Schuldenversteck-Agenturen u. Ähnliches)

nirgends auf der Welt...

...gibt es eine derart hohe Dichte an Polizeiinspektionen, wie in Wien. Es ist dem Bürger zuzumuten, drei Gassen weiter zur nächsten, besetzten Inspektion zu gehen. Was aber unzumutbar ist, ist ein Notruf, der nicht umgehend bearbeitet werden kann, weil aufgrund fehlender Polizisten keine Streife frei ist. Dass sich die Gewerkschaft dagegen wehrt, ist klar, benötigt man dann doch weniger PI-Kommandanten. Wer verliert schon gerne seinen Versorgungsposten. Es wird Zeit, dass sich was ändert.

Wien ist eben anders ....

...aber das ist nicht immer ein Vorteil - und in diesem Fall schon gar nicht.

Re: Wien ist eben anders ....

In dem Fall ist Wien nicht anders, denn das ist in NÖ schon Praxis. Wenn Sie bei der Polizei in Gablitz anrufen, landen Sie in Klosterneuburg, weil der Kollege auf Streife ist ... naja, manchmal braucht man halt doch was vom Kollegen (z. B. eine Anzeige wegen der Versicherung), dann wird es mühsam, denn dann muss man sich mit dem diensthabenden Beamten einen Termin ausmachen, wann er da ist und Zeit hat ... und irgendwie wird das subjektive Sicherheitsgefühl dadurch nicht gestärkt.

Also, ich finde es schon sehr gut,

dass es in Wien so viele Wachzimmer gibt. Dies erhöht das subjektive Sicherheitsgefühl.

Natürlich sollten auch Polizisten in den Straßen patrouillieren, aber dies vor allem nachts.

Ich bin ja nicht so oft in Wien, aber vor allem Frauen sind wahrscheinlich froh über eine gewisse Polizeipräsenz.


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