Die Schulen brauchen mehr Wettbewerb!

CHRISTOPH SCHWARZ (Die Presse)

Der Staat soll die besten Ideen finanzieren. Egal, ob an privaten oder öffentlichen Schulen.

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Österreichs Schulsystem ist eines der teuersten in Europa. Das bestätigte am Montag – nicht zuletzt – der „Nationale Bildungsbericht“. Das ist an sich noch kein Problem. Wird aber spätestens dann zu einem, wenn – wie in Österreich – Kosten und Leistung in keinem vertretbaren Verhältnis mehr stehen.

Das Bildungssystem ist ineffizient, und immer mehr Eltern merken das auch. Sie vertrauen nicht mehr darauf, dass ihre Kinder an den staatlichen Schulen gut aufgehoben sind. Daher wandern sie in Privatschulen ab. In Wien tut das bereits jeder Siebente – und zahlt damit gleich doppelt: über seine Steuerleistung für ein System, das er nicht in Anspruch nimmt, und noch einmal privat, direkt an den Schulbetreiber. Viele andere können sich das Schulgeld nicht leisten. Für beide Gruppen ist das System wenig zufriedenstellend.


Das ist kein Plädoyer gegen Privatschulen. Im Gegenteil. Private Schulen sollten im Bildungssystem eine noch viele wichtigere Rolle spielen. Sichergestellt werden sollte nur, dass die besten Schulen auch den besten – also den begabtesten, klügsten, leistungswilligsten – Kindern offenstehen. Nicht jenen mit den reichsten Eltern. Dass Bildung dem Einzelnen etwas wert sein muss, ist richtig. Dass Schulkarrieren primär vom elterlichen Budget abhängen, ist aber falsch.

Beheben ließe sich der Systemfehler mit einer Reform der Schulfinanzierung. Als Vorbild könnten die Niederlande dienen, in denen der Staat öffentliche und private Schulen gleichermaßen finanziert. Er überweist schlicht einen Fixbetrag pro Schüler – und zwar egal, an welche Schule. Die Wahl liegt bei den Eltern.

Die Schulen stünden damit in jenem Wettbewerb der besten Konzepte, der ihnen derzeit fehlt. Und die Eltern würden endlich als mündige Kunden verstanden, die sich für ihre Kinder eigenverantwortlich jene Bildung aussuchen, die sie für die beste halten. Die Chancen auf Umsetzung sind freilich gering: Für ein System, das sich seit Langem eher der Entmündigung der Eltern verschrieben hat, muss all das wie eine üble Drohung klingen.

 

christoph.schwarz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2013)

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2 Kommentare

Auch die Kommentatoren bräuchten mehr Wettbewerb


Damit sich vernünftige, zweckdienliche, den Kindern zugute kommende Schulpolitik entwickelt, nicht eine ideologisch verbohrte, gefördert von teuren Inseraten, die der Steuerzahler brennt, und einseitigem Druck der Wirtschaft.

viele schulen

haben bereits ein sehr passables schulprofil entwickelt, viele bieten wirklich tolle sachen an (schwerpunkte in sport, musik,... kooperationen mit anderen schulen,...), das lehrpersonal ist äußerst bemüht bei der umsetzung - allerdings hart am burnout arbeitend!

die ressourcen hingegen, egal ob monetär oder personell, sind hingegen noch ausbaufähig.
ach ja, dann kommt auch noch die klientel dazu, das publikum, das nicht immer mitzieht bei all den bemühungen!

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