Aufrecht aus dem Dschungel

Aus der medialen Hinrichtung von Helmut Berger im TV-Regenwald wurde nichts.

Natürlich, es gibt wichtigere Fernsehereignisse als einen gefallenen Filmstar mit Alkoholproblem, der sich freiwillig in den Big-Brother-Dschungel einweisen lässt. Auf einer Skala der „Fernsehmomente, die neugierig machen“ stand Helmut Bergers Einzug ins RTL-Dschungelcamp trotzdem weit oben.

Also Samstag spätabends doch den Fernseher aufgedreht – und einen alten, gebückten Mann gesehen, der auffallend wenig sprach und sich nur an der Hand seiner Dschungelmitbewohner fortbewegen konnte. Doch Überraschung: Der Fremdschämmoment blieb aus, denn Helmut Berger war schon wieder weg. Der Hitze wegen musste er das Dschungeltheater frühzeitig verlassen.

Das bringt uns zu folgender Annahme: Helmut Berger hat das alles geplant. Er ließ sich in diese Big-Brother-Show einladen und eine Gage von angeblich 150.000 Euro zusichern. Obwohl er geahnt haben musste, dass er nicht in der Lage sein würde, irgendeine körperlich anstrengende Aufgabe zu lösen. Ausgetrickst hat er nicht nur den Sender, sondern auch jene, die vorher schon von einer „medialen Hinrichtung“ gesprochen haben. Daraus wurde nichts. Helmut Berger blieb – bis auf die eine Szene, in der er sich nicht davon abbringen ließ, mitten im Wald zu pinkeln – unauffällig, harmlos, im Vergleich zu seinen Dschungelkommilitonen fast vornehm zurückhaltend.

Der Mann, der seine Alkoholsucht nie verheimlicht und der Welt bereits in seiner Biografie „Ich“ jede Peinlichkeit verraten hatte, zog tapfer in den Dschungel ein und kam 48Stunden später mit erhobenem Haupt und einem Batzen Geld wieder heraus. Zum Würdeverlieren blieb da keine Zeit.

 

anna-maria.wallner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2013)

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