Gefährliche Geradlinigkeit

18.01.2013 | 18:35 |  MICHAEL LACZYNSKI (Die Presse)

Diskussion um Patriotismus Schwarzenbergs ist auch ein Lackmustest für Tschechien.

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Vermutlich hat sich Karel Schwarzenberg nicht viel dabei gedacht, als er unlängst während einer Fernsehdiskussion die Vertreibung der Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei nach 1945 hinterfragt und der damaligen Gesellschaft attestiert hat, von der Nazi-Barbarei infiziert worden zu sein. Dass das Oberhaupt einer böhmischen Adelsfamilie diese Position vertritt, ist kein Novum. Und auch die Erkenntnis, dass die damaligen Massendeportationen keine Sache von Schwarz und Weiß waren, sondern einer differenzierten Betrachtung bedürfen, gehört heute zum historischen Standardrepertoire.

Dass Schwarzenbergs politische Widersacher ihm nun mit Schaum vor dem Mund Vaterlandsverrat vorwerfen, hat also wenig mit dem eigentlichen Sachverhalt zu tun – und sehr viel damit, dass in Tschechien die Präsidentenwahl ansteht und der amtierende Außenminister gute Chancen auf den Sieg hat. Mit seiner live im TV übertragenen Authentizität hat Schwarzenberg seinen Gegnern möglicherweise einen Gefallen getan. Diese Geradlinigkeit macht ihn sympathisch – aber sie könnte ihm am Wahlabend zum Verhängnis werden.


Doch die Diskussion um Schwarzenbergs Vaterlandstreue am Vorabend der Stichwahl ist zugleich ein Lackmustest: An dem Wahlergebnis wird sich auch ablesen lassen, ob die Tschechen knapp 70 Jahre nach Kriegsende imstande sind, die sensible sudetendeutsche Causa nüchtern zu betrachten, ohne gleich in patriotischen Furor zu verfallen. Insofern hat Schwarzenberg, auch wenn er nun scheitern sollte, seinen Landsleuten einen großen Gefallen getan.

michael.laczynski@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2013)

 
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1 Kommentare
Niederösterreicher
19.01.2013 00:12
4

Die Wahrheit ist doch, daß die alliierten Sieger

in Jalta beschlossen haben, Deutschland endgültig zu schwächen: durch eine auch in historischen Dimensionen wohl einzigartige Reduktion seines Territoriums um rund ein Drittel. Damit wollte man die "deutsche Gefahr" endgültig bannen.
Deutschland sollte nicht mehr in der Lage sein, die Welt zu bedrohen.

Parallel dazu wurde mit der UNO eine Institution gegründet, die hauptsächlich gegen Deutschland gerichtet war und der weitgehende völkerrechtliche Befugnisse eingeräumt wurden - was auch lange Zeit die neutrale Schweiz hinderte, der UNO beizutreten

Ob die gnadenlose Bombenangriffe gegen das bereits wehrlos am Boden liegende Deutschland weitergeführt wurden, um auch die Zahl der Deutschen zu reduzieren, könnte vermutet werden.

Nach Ende des Krieges stellte sich dann heraus, daß mit der riesigen Kontinentalmacht Sowjetunion und deren kommunistischer Ideologie dem (kapitalistischen) Westen noch ein viel gefährlicherer Feind erwachsen war. Es begann die "Eindämmungspolitik". Und das durch die konträre Nazi-Ideologie scharf antibolschewistische Nachkriegs-(West-) Deutschland wurde zum unverzichtbaren Verbündeten der Westalliierten, zumal die Widerstandfähigkeit der süd- u. westeuropäischen Staaten gegen die SU durch starke kommunistische Parteien höchst unsicher war.

Diese Chance wußten Adenauer zu nützen. Der Verzicht auf die früheren Ostgebiete basierte auf der Erkenntnis, daß die neuen Verbündeten nicht bereit wären, für diese Gebiet in den Krieg zu ziehen!


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