Ein Menetekel für Merkel

KARL GAULHOFER (Die Presse)

Beliebt sein reicht nicht: Im deutschen Wahlkampf zählen nun Themen statt Köpfen.

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Es hat für die Union so fein ausgesehen: Merkel sonnt sich in der Gunst der Deutschen, in ihrer bewährten Rolle als präsidiale Kanzlerin, die alle Niederungen der Tagespolitik scheut und weise die Geschicke Europas lenkt. Der ruppige Rivale Steinbrück aber stürzt ab und zieht seine Sozis mit. Ein paar Stimmen mehr in Niedersachsen, und der Wahlkampf wäre fast gelaufen gewesen. Aber nein, es kam anders. Ein Menetekel für Merkel: Die Beliebtheit des Landesvaters McAllister reichte nicht für den Sieg.

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Am Ende zählte nicht die tolle Show, sondern das, was den Bürgern unter den Nägeln brennt. Bildung, Energiewende? Sicher, aber da wollen alle Ähnliches. Die Front verläuft woanders: Die Anhänger von SPD, Grünen, Linken und Piraten ergeben eine klare Mehrheit, die links denkt – und damit den Diskurs bestimmt. Ihnen ist wichtiger, vorhandenen Wohlstand „gerechter“ zu verteilen, als ihn zu mehren und auf Dauer zu sichern. Das macht die Reform von Reformen so populär, mögen Ökonomen auch davor warnen. Dem muss sich das „bürgerliche Lager“ nun stellen. Nicht mit einer winkenden Kanzlerin, die alle einlullt, sondern mit Argumenten, die in der Debatte bestehen. Und das ist auch gut so.

 

karl.gaulhofer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2013)

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5 Kommentare

vorhandenen Wohlstand „gerechter“ zu verteilen, als ihn zu mehren und auf Dauer zu sichern.

vorhandenen Wohlstand „gerechter“ zu verteilen, ist eine verdammt schwierige sache.

aber ihn zu mehren und auf Dauer zu sichern ist NICHT steuerbar! wer an dieses märchen glaubt, glaubt auch ans christkind.

Wohlstand "gerechter" verteilen...

..wollen SPD und Grüne vor allem an die PIGS-Staaten. Erklärtes Ziel von Rot/Grün ist die EU-weite Vergemeinschaftung der Schulden. Man kann über die Dummheit der deutschen Wähler nur noch den Kopf schütteln. Merkel ist da wiklich im Vergleich zu Rot/Grün das kleinere Übel.

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guter punkt ........ bürgerliche müssen endlich aufwachen

wenn die mehrheit sich eine gerechtere verteilung des wohlstandes wünscht, weil eine große mehrheit derzeit am steigenden wohlstand nicht teilhaben kann, dann wird sich in einer demokratie eine politische mehrheit dafür bilden und jene, die die wenigen profiteure verteidigen, werden zur miniderheit ........ denkt mal darüber nach.

An Warnungen der Energiewirtschaft hat es in Dtl. nicht gefehlt:

trotzdem haben sich die Dt. Wähler im besonderen für die Grünen entschieden: man kann gespannt sein, wie sich die abrupte Energiewende, die auf die Nutzung von bereits abgeschriebenen und daher billigen AKW verzichtet, sich auf Dauer auf die Wettbewerbsfähigkeit des an sich rohstoffarmen Deutschland auswirkt! Was eigentlich eine rot-grüne dt. Regierung an Wettbewerbsvorteilen durch vernünftige Reformen geschaffen hat, wird voraussichtlich durch eine rot-grüne dt. Regierung wieder vernichtet!

Re: An Warnungen der Energiewirtschaft hat es in Dtl. nicht gefehlt:

keynes hat eine grundvernünftige these aufgestellt: wenn es nicht gut läuft investieren, wenn es gut läuft schulden abbauen bzw guthaben aufbauen.
dass die anwender seiner these den zweiten teil vergessen, mindert nicht den wert von keynes' überlegungen.

so ähnlich nun auch in d: schröder & co haben mit der agenda die wirtschaft vorangebracht, aber die gesellschaft, besonders deren schwächere teile, geschädigt. merkels aufgabe wäre es gewesen, den einen weniger vorteile zu geben, und dafür die anderen mehr zu fördern.
sie hat es nicht getan bzw tut es nach wie vor nicht, obwohl die rahmenbedingungen es erlauben würden.

sie begeht also genau den gleichen fehler wie die keynes-nur-halb-versteher.
klar, dass das korrigiertz werden MUSS, das hat mit vernichten nicht das geringste zu tun!

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