Der härtere Teil kommt erst

Den Norden Malis zu erobern ist nicht schwierig. Ihn nachhaltig zu befrieden, schon.

Die Geschichte wiederholt sich, nur mit umgekehrten Vorzeichen: Vor einem Jahr waren es die Tuareg, die im Verbund mit einheimischen Islamisten und Jihad-Touristen den Norden Malis bereits in ihre Gewalt gebracht hatten, noch bevor man in Europa recht merkte, dass da etwas vor sich ging. Nun stößt die Armee auf den Schultern der Franzosen ebenso rasch Richtung Norden vor.

Damals waren es die Regierungssoldaten, die um ihr Leben rannten, heute sind es die Islamisten, die das Weite suchen. In offener Schlacht haben sie gegen die Franzosen keine Chance, man schont die Kräfte für den Guerillakrieg. Dass der kommt, weiß man auch in Paris.


Die Rückeroberung Nordmalis wird binnen Kurzem abgeschlossen sein – und damit der wesentlich leichtere Teil der Aufgabe. Anschläge und nadelstichartige Attacken werden den in- und ausländischen Truppen noch lange das Leben schwer machen. Vor allem aber gilt es zu verhindern, dass dasselbe Spiel in ein oder zwei Jahren von Neuem beginnt. Den Menschen im Norden Malis müssen Perspektiven geboten werden, damit sie nicht aus purer Verzweiflung in die Dienste des nächstbesten Warlords treten, der ihnen eine Waffe und ein paar Dollars in die Hand drückt.

Wenn richtig ist, dass Deutschlands Sicherheit, wie der verstorbene Verteidigungsminister Struck sagte, am Hindukusch verteidigt wird, dann ist umso richtiger, dass Europas Sicherheit am Niger verteidigt wird. Das muss uns ein längerfristiges Engagement wert sein, militärisch wie zivil. Österreich könnte zumindest im humanitären und im Entwicklungsbereich mithelfen. Würden wir nicht gerade die Entwicklungszusammenarbeit ins Koma sparen.

 

helmar.dumbs@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2013)

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