Der härtere Teil kommt erst

HELMAR DUMBS (Die Presse)

Den Norden Malis zu erobern ist nicht schwierig. Ihn nachhaltig zu befrieden, schon.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Die Geschichte wiederholt sich, nur mit umgekehrten Vorzeichen: Vor einem Jahr waren es die Tuareg, die im Verbund mit einheimischen Islamisten und Jihad-Touristen den Norden Malis bereits in ihre Gewalt gebracht hatten, noch bevor man in Europa recht merkte, dass da etwas vor sich ging. Nun stößt die Armee auf den Schultern der Franzosen ebenso rasch Richtung Norden vor.

Damals waren es die Regierungssoldaten, die um ihr Leben rannten, heute sind es die Islamisten, die das Weite suchen. In offener Schlacht haben sie gegen die Franzosen keine Chance, man schont die Kräfte für den Guerillakrieg. Dass der kommt, weiß man auch in Paris.


Die Rückeroberung Nordmalis wird binnen Kurzem abgeschlossen sein – und damit der wesentlich leichtere Teil der Aufgabe. Anschläge und nadelstichartige Attacken werden den in- und ausländischen Truppen noch lange das Leben schwer machen. Vor allem aber gilt es zu verhindern, dass dasselbe Spiel in ein oder zwei Jahren von Neuem beginnt. Den Menschen im Norden Malis müssen Perspektiven geboten werden, damit sie nicht aus purer Verzweiflung in die Dienste des nächstbesten Warlords treten, der ihnen eine Waffe und ein paar Dollars in die Hand drückt.

Wenn richtig ist, dass Deutschlands Sicherheit, wie der verstorbene Verteidigungsminister Struck sagte, am Hindukusch verteidigt wird, dann ist umso richtiger, dass Europas Sicherheit am Niger verteidigt wird. Das muss uns ein längerfristiges Engagement wert sein, militärisch wie zivil. Österreich könnte zumindest im humanitären und im Entwicklungsbereich mithelfen. Würden wir nicht gerade die Entwicklungszusammenarbeit ins Koma sparen.

 

helmar.dumbs@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

3 Kommentare

Längerfristiges Engagement

Auf die Art der Argumentation bin ich allergisch.
"Das Thema XY ist so wichtig, dass muss uns doch was wert sein!"

Zuerst muss man mal definieren wie das längerfristige Engagement aussehen soll. Erst dann kann man zumindest darüber spekulieren welche Auswirkungen es hat. Und erst DANN kann man beurteilen, ob diese Veränderung das Engagement wert ist.

Ohne zumindest grobe Darstellung was man tun will ist das Playdoyer für Engagement völlig sinnlos.

Entwicklungshilfe

50 Jahre Entwicklungshilfe, Milliarden gespendet, kein Erfolg.

Macht aber nichts. Machen wir einfach so weiter. Wir haben es ja.

Dumbs

Da ist der Name Programm.

Top-News

  • Reifeprüfung für die Zentralmatura
    Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) macht den verunsicherten Lehrern, Eltern und Schülern Zugeständnisse. Bis der Matura ein gutes Zeugnis ausgestellt werden kann, dauert es aber noch.
    Fischler:„...als wäre die EU etwas Fremdes“
    Österreichs früherer EU-Kommissar, Franz Fischler, warnt davor, die Union als Sündenbock zu missbrauchen. In der Außenpolitik räche sich, Russland vernachlässigt und verunsichert zu haben.
    Die US-Ölblase droht zu platzen
    Dank des billigen Geldes aus der Notenpresse der Fed konnte die amerikanische Ölindustrie enorm ausbauen. Aber der fallende Preis droht nun die Blase zum Platzen zu bringen.
    Computerangriff: Obama kritisiert Sony und droht Nordkorea
    Der US-Präsident bezeichnet die Absage der Filmkomödie „The Interview“ nach anonymen Morddrohungen als Fehler.
    Steuern: Drei Pakete für den Finanzminister
    Bis 17. März hat sich die Regierung Zeit gegeben für eine Steuerreform. Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) fasst die bisherigen Vorschläge in drei Pakete zusammen. „Die Presse“ kennt die Inhalte.
    Wettbewerb: Anzeigen gegen fünf Stahlhändler
    Die Bundeswettbewerbsbehörde hatte acht österreichische Stahlhändler im Visier: Wegen des Verdachts der Preisabsprachen gab es sieben Hausdurchsuchungen. Fünf Unternehmen wurden angezeigt.

Umfrage

Wir möchten mehr über die Nutzung erfahren und bitten Sie, zwei Fragen zu beantworten. Die Umfrage ist absolut anonym und lässt keine Rückschlüsse auf die Teilnehmer zu.


Zur Umfrage »

AnmeldenAnmelden