Bezahlter Winterschlaf

KARL ETTINGER (Die Presse)

Guten Morgen, werte Abgeordnete! Am Image des Parlaments sind Sie schuld.

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Eines ist hundertprozentig sicher: Es lag nicht am aktuellen Wärmeeinbruch mitten im kalendarischen Hochwinter, dass Österreichs 183 Parlamentarier am Mittwoch aus ihrem knapp zweimonatigen Winterschlaf seit den letzten Sitzungstagen im Vorjahr erwacht sind.

Nach dieser ausgedehnten Weihnachts- und Feiertagspause hat es neben manchen schon gut abgelegten Rechnungshofberichten auch die eine oder andere Gesetzesmaterie, deren unmittelbare Folgen für die Bürger nicht zu unterschätzen sind, bis in das Plenum geschafft. Bitte, rede niemand die Bedeutung von empfindlich teureren Organmandaten und Strafverfügungen im Straßenverkehr klein! Die Damen und Herren Abgeordneten schauen jedenfalls darauf, dass mehr Geld in die ohne weit ausgestreckte öffentliche Hand fällt.

Es geht hier ausdrücklich nicht ums primitive Prügeln von Politikern auf dem in Österreich ausgedehnten medialen Boulevard. Aber der Mehrheit der nach eigener Beschreibung ohnehin fleißigen Parlamentarier oder der sonst bei Ordnungsrufen stets auf das Ansehen des Hohen Hauses bedachten Nationalratspräsidentin Prammer sollte der Gedanke gekommen sein, welch verheerendes Bild dies bei den vielen brav schuftenden Bürgern macht. Die Österreicher bezahlen ihre Volksvertreter recht ansehnlich. Aber sicher nicht fürs wochenlange Pausemachen oder einen ausgedehnten Winterschlaf.

 

karl.ettinger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2013)

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12 Kommentare

wozu braucht es

überhaupt 183 NR Abgeordnete, wenn dann eh alle nach Clubzwang abstimmen. Da reicht pro Partei ein Vertreter, der die auf diese Partei entfallenden Stimmen vertritt (allenfalls noch ein Stellvertreter, falls der erste ausfällt). Die (durchaus sinnvolle) Alternative wäre, den Clubzwang zu verbieten und geheime Abstimmungen abzuhalten, in denen dann alle Abgeordneten frei nach ihrem Gewissen und im Sinne ihrer Wähler abstimmen. Dann und nur dann wären 183 Abgeordnete gerechtfertigt.

Re: wozu braucht es

Völlige Übereinstimmung!

Verrat am Wähler......

......wird von allen Abgeordneten begangen, welche sich einem Klubzwang unterordnen!

Dafür wurden sie NICHT gewählt, sondern dafür nach bestem Wissen und Gewissen für ihre Wähler einzutreten.

Klubzwang ist Parteidiktatur und einer Demokratie unwürdig.

pro lege

d'accord


liab

Kennen Sie diese Wackeldackel: die könnte man statt der 183 Klubzwängler auch dorthin setzen.

Die Österreicher bezahlen ihre Volksvertreter recht ansehnlich.

auch sie herr ettinger werden vermutlich recht ansehnlich bezahlt. daher sollten sie ihren lesern nicht einen derartigen bären bzw volksschulwissen aufbinden.

"..aus ihrem knapp zweimonatigen Winterschlaf seit den letzten Sitzungstagen im Vorjahr erwacht sind."

plenumstage sind die politische 'show', wo schon im vorhinein klar ist, wer wann zustimmt oder ablehnt. wo mehr oder weniger kluge/ambitionierte reden gehalten werden, die teilweise von den anwesenden schon dutzendmal gehört wurden....zb in den ausschüssen, die keine zweimonatige pause gemacht haben. oder bei unzähligen telefonaten, kontakten, meetings - egal ob parteiintern, -extern oder -übergreifend.

wozu diese desinformation über die arbeit von polikern? gibts ein bashing-gebot in der presse. da hätten sie leicht anderes, deutlich fundierteres material finden können!

Re: Die Österreicher bezahlen ihre Volksvertreter recht ansehnlich.

Die überbezahlten 183 Abgeordnete im Klubzwang-Sumpf dieses kleinen Landes ist eine Ohrfeige für jeden Steuerzahler und für die Demokratie sowieso. Partei- Marionetten, Rückgratlose Ja-Sager und Darm-Akrobaten!

Re: Die Österreicher bezahlen ihre Volksvertreter recht ansehnlich.

Leistung ist Arbeit pro Zeit, nicht Arbeit mal Zeit!

Re: Die unzähligen Telefonate


warens, die die armen Abgeordneten um den Wionterschlaf gebracht haben. Das wars. Danke!

Re: Re: Die unzähligen Telefonate

wie konnte ich es nur vergessen:
arbeitslose und pensionisten (aus denen das presseforum hauptsächlich besteht) können ja nicht wissen , dass in vielen berufen das telefonieren ein wichtiger bestandteil des arbeitens ist.

danke für ihren hinweis. wenn ich mal wieder etwas übers telefonieren schreiben sollte, dann werde ich diese volksaufklärerische ergänzung einarbeiten.

Re:Telefonieren ein wichtiger Bestandteil des Arbeitens ist.


... z.B. beim Call-Girl

18

Dabei kommt der größte Feiertag ja noch.

Der 21. März.

Ende des Winterschlafes, Beginn der Frühjahrsmüdigkeit.

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