Verteilen allein ist zu wenig

In Österreich arbeiten so viele Menschen wie noch nie so wenig wie noch nie.

Mehr als 400.000 Menschen sind in diesem Land ohne Arbeit bzw. in einer der Schulungen des Arbeitsmarktservice untergebracht. Das ist eine hohe Zahl. Und der Umstand, dass Österreich im Vergleich zu anderen EU-Ländern immer noch als Musterschüler dasteht, ist wenig befriedigend. Die Ansprüche sind ziemlich gering geworden in einer Zeit, in der in Ländern wie Spanien oder Griechenland jeder zweite Jugendliche ohne Job ist, in der in Spanien etwa eine Million Menschen von den Pensionen der Großväter oder Großmütter leben. Das ergab zumindest eine Studie. In den spanischen Familien, die vielerorts nach wie vor aus drei Generationen bestehen, füttern die Alten mit ihrer Rente die Jungen durch. Erst Geschichten wie diese führen die Dramatik vor Augen, viel drastischer, als es Zahlen je tun können.

In Österreich werden die hohen Arbeitslosenzahlen gern mit einem „Aber“ kommentiert. „Aber“ es gab noch nie so viele Beschäftigte. Das ist tatsächlich eine gute Nachricht. 3,4 Millionen Menschen haben Beschäftigung. Ein Viertel davon arbeitet zwar Teilzeit, nicht immer freiwillig. Aber immerhin: Es gibt so viele Jobs wie nie zuvor. Weil wir hierzulande den immer kleiner werdenden Arbeitskuchen an immer mehr Leute verteilen. Noch nie haben so viele Menschen in Österreich so wenig gearbeitet. Es hilft aber nichts, im Verteilen Weltklasse zu sein. Es geht ums Kuchenbacken.


gerhard.hofer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2013)

Kommentar zu Artikel:

Verteilen allein ist zu wenig

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen