23.05.2013 02:35 Merkliste 0

Von wegen Kolonialkrieg

WOLFGANG GREBER (Die Presse)

Frankreichs Aktion in Mali ist rechtlich und politisch legitim. Daran ändern auch ökonomische Interessen nichts.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

In kaum drei Wochen haben Truppen aus Frankreich, Mali und anderen Staaten Afrikas die Islamisten, die dabei waren, den Rest Malis samt Hauptstadt zu überrennen, in die Wüste vertrieben. Gewonnen ist der Krieg sicher noch nicht, und die Gefahr, weitere Terroristen aufzuscheuchen, ist groß. Das ändert aber nichts daran, dass jene Flut an Postings und Blogeinträgen, die den internationalen Einsatz verdammen, eine dumme Zumutung ist: Da wird von „Neokolonialismus“ gefaselt und sogar zur Hilfe für die Rebellen aufgerufen.

Ja, Frankreichs Präsident mag der Triumphator sein und politisch davon profitieren, doch er weiß, dass militärischer Ruhm oft kurzlebig ist. Er weiß auch, dass Paris in Mali wirtschaftliche Interessen hat – aber die sind nicht so groß, wie oft behauptet wird. Und dass ein Staat zum Schutz seiner Interessen militärisch agiert, wenn ein bewaffneter Feind sie aktiv bedroht, ist nicht per se verwerflich oder verboten, sondern Staatenpraxis. Noch dazu, wenn der Feind nicht verhandeln will und zu Unterdrückungsmethoden wie Händeabhacken und Verfolgung Andersgläubiger greift. Und wenn sogar die UNO, deren Ziel auch der Kampf gegen Kolonialismus ist, en bloc die Intervention begrüßt, um die Mali selbst ersucht hat, so steht fest: Mit Neokolonialismus hat das nichts zu tun.

 

E-Mails an: wolfgang.greber@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

15 Kommentare
1 0

Die Islamisten zurückzudrängen ist sehr löblich aber

Frankreich hat sehr wohl aus wirtschaftlichen Interessen interveniert, Stichwort Uranmienen an der Grenze Nigers zu Mali. Würde es Frankreich darum gehen Islamisten einhalt zu gebieten könnte man im eigenen Land gegen diese härter vorgehen, nur so als Vorschlag. Oder man hätte in Somalia ebenfalls interveniert, oder Mursi als ägyptischen Präsident abgelehnt (für mich auch ein Islamist) und ihm nicht die Hand gereicht.

Bevölkerung in Mali ist dankbar

Herr Greber beschreibt die Situation sachkompetent, kritisch und vor allem realistisch. Die islamistische Bedrohung, auf zahllosen Konferenzen beschworen, lässt sich mit Rhetorik nicht eindämmen.Frankreich handelte nicht nur im eigenen Interesse. Frankreich hat eingegriffen, weil ein vollkommener Zusammenbruch der ohnehin schwachen Strukturen im verbliebenen Rumpfgebilde Malis im Süden zu befürchten war. Mali ist heute ein Land ohne Staat, ohne Regierung und ohne Armee. Das ist kein koloniales Unternehmen. Nirgends in Afrika ist der ansonsten gerne gegen Frankreich erhobene Vorwurf zu hören, Paris betreibe mit seiner Armee Wirtschaftspolitik. Im Gegenteil die Bevölkerung in Mali zeigt sich dankbar.
Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"

letztlich egal

warum frankreich dort ist. hauptsache, dass jemand diesen barbaren einhalt gebietet.
ich habe vor ca 6 monaten eine reportage gesehen, wie sich studenten und andere normalos organisierten um den islamisten entgegenzutreten, da sie ihren angaben nach nicht unter diesen wahnsinnigen leben wollen. umso besser wenn sie nun professionelle hilfe erhalten.

6 1

Danke für die klaren und zutreffenden Worte...

... die französische Regierung hat erkannt, dass man mit Terroristen nicht Dialog bei einem netten Kaffekränzchen führen sollte, wie das im hierzulande weit verbreiteten Gutmenschen-Milieu geträumt wird.

Österreicher haben keine Identitaet mehr!

Die Kolumnisten verbringen ihre Zeit mit dem Lob von anderen Staaten. Gibt es nichts in Österreich die man mit stolz verteidigen kann?

Re: Österreicher haben keine Identitaet mehr!

ist die frage ernst gemeint?

Welche Bedrohung seiner Souveränität muß Frankreich in Mali mit einem Militäreinsatz rechtfertigen?

selten einen derart die Realiät verweigernden Propagandaartikel zur Wahrung kolonialer Interessen gelesen. Aus welcher Judikatur leitet Greber Recht und Legitimität dieses Militäteinsatzes ab? Aber welcher denkende Leser läßt sich von derartigen Machwerken eigentlich noch manipulieren?

Möglicherweise

hat es mit dem Uranabbau des französischen Staatskonzerns Areva im grenznahen Gebiet des Nachbarstaates Niger zu tun, wo das Wohngebiet der Tuareg verseucht wird, die jetzt zu den nächsten Bösewichten erklärt werden, denen ja der gute Westen eins aufs Dach geben muß...

Re: Möglicherweise

HAHAHAHA!

Leute wie sie sind auch die ersten, die schreien, wenn die eigenen Sodlaten "grundlos" verheizt werden!

Was denn nun?

"Was bringt uns das/dort haben wir nix zu suchen/Was haben wir davon?"

vs

"Das sind ja nur wirtschaftliche Interessen!"

Kann man es Leuten wie ihnen gar nicht Recht machen? Richtigerweise sind die wirtschaftlichen Itneressen eines Landes auch für dessen Bürger relevant - sie regen sich ja auch über Treibstoffpreise, Heizkosten uä auf!

Danke !! Auf die Kommentare der "pseudoerregten" Friedensapostel


können wir & Leute mit abgehackten Gliedern verzichten !!

Interessanterweise regen sich die selben Leute bei Reporter-Hinrichtungen durch das Regime Putin kaum auf...


1 7

herr greber...

...duldet keine widerrede!

Re: herr greber...

von narren braucht man keine widerrede dulden

0 2

Re: herr greber...

... vielleicht sollten Sie mit solchen Kommentaren zur Graune wechseln - die mögen dort so was.

0 3

Re: Re: herr greber...

womit soll ich zur graune? mein posting war bezogen auf mein erstes, leider durch die zensur verhindertes posting!

Re: Re: Re: herr greber...

Zensur? Wohl eher der Presse-Spamfilter.

Mehr Kommentare:

Top-News