Ein Mob ist ein Mob ist ein Mob

04.02.2013 | 18:18 |  GEORG RENNER (Die Presse)

Randbemerkungen zum Akademikerball der FPÖ.

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Einige Randbemerkungen zum Wiener Akademikerball, den Demos und den Auseinandersetzungen im Umfeld.

Erstens: Ein Mob ist ein Mob ist ein Mob, gleich aus welcher Richtung. Wo eine Demo in Feindseligkeiten gegen einzelne Menschen übergeht, wo Ballgäste bespuckt, mit Schlägen bedroht, mit Farbbeuteln traktiert werden, ist die Grenze des Erträglichen überschritten. Egal, wie übel einem angesichts der Ideologie hinter dem Ball werden mag.

Zweitens: Die Polizei hat am Freitag gute Arbeit geleistet. Die Strategie, einen Korridor durch die Innenstadt zu sperren, ist aufgegangen: Wenn bei 3000 teils aggressiven Demonstranten nur vier Menschen leicht verletzt werden, ist das ein Erfolg. Dass „bürgerkriegsähnliche Szenen“ geherrscht hätten, ist Unsinn. Es war sowohl Ballgästen möglich, zu der Veranstaltung zu gelangen, als auch den Demonstranten, ihre Ablehnung öffentlich kundzutun.

Drittens: Wer in Ballmontur justament jenen Weg zur Hofburg wählt, an dem gerade die größte Menge an Demonstranten versammelt ist, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er es nicht darauf anlegt, sich als Opfer zu inszenieren. Zahlreiche andere Ballgäste gelangten auf anderen Wegen ohne Probleme in die Hofburg.

Viertens: Der Kommentar des Polizeichefs, der Ball könne überhaupt nur „dank der Wiener Polizei“ stattfinden, ist entbehrlich. Mit Verlaub: Dafür zu sorgen, dass Bürger ihre Rechte ausleben können, ist ihr Job. Dafür Dankbarkeit zu verlangen, ist vermessen.

 

Mail: georg.renner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2013)

 
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28 Kommentare
 
12
Dagobert der Gute
06.02.2013 09:32
4

Einseitig

Zitat:"Egal, wie übel einem angesichts der Ideologie hinter dem Ball werden mag."

Herr Renner, weshalb so einseitig?
Oder gefällt ihnen die Ideologie des linken Mobs besser?

raeter
05.02.2013 18:30
1

aufgehetzter Mob!

Wer hat gehetzt, dass solches herausgekommen ist? Staatsanwaltschaft bitte prüfen!

oliva2
05.02.2013 15:28
9

Jahrzehnte hat die Journaille

den linksradikalen Mob unterstützt, oder zumindest mit Bezeichnungen wie "Aktivisten" oder "Autonome" verharmlost.
Und jetzt das.
Mit so halbherzigen Kommentaren werden sich die gerufenen Geister aber kaum vertreiben lassen.
Ich fürchte, dass da zumindest der sprichwörtliche "nasse Fetzen" nötig sein wird.

Judicator
05.02.2013 14:59
12

"Gute Arbeit"

Sehr geehrter Herr Renner.

Ich vermute nicht, dass ihr Geist offen ist für Erzählungen, die von der offiziellen Darstellung des Wr. Polizeipräsidenten abweichen.

Investigativer Journalismus würde sich dafür interessieren, dass zahlreiche Taxis während der Beförderung von Ballgästen um ca. 9 Uhr die Weisung der Zentrale erhielten, nicht zur Hofburg zu fahren, da bereits drei Fahrzeuge im sicheren Korridor (!) attackiert worden seien. Es bestehe Gefahr für Leib und Leben der Insassen. Daraufhin ließen die Taxis Fahrgäste stehen (zB am Schottentor) und verwiesen auskunftbereite Polizisten auf alternative Gehwege abseits der Demonstrationsorte.

Auf diesen Wegen kam es zu Attacken auf Ballbesucher samt Begleitung, all das in Sichtweite zu Polizisten. Bespucken, Anschütten mit Bier, Beschimpfungen sind zwar verwaltungsstrafrechtlich zu ahnden, gehen aber nicht als Körperverletzung durch. Hilfe wurde aktiv verweigert (neusprech: "Deeskalation"). Zur polizeilichen Strategie bleibt die Frage, weshalb die Polizei stets in der Lage war und ist, Staatsgästen, Besuchern des Opernballs etc. eine ungestörte Veranstaltung zu ermöglichen.

Sie können sich vielleicht vorstellen wie es ist, wenn man anlässlich eines geplanten Festabends nicht nur beschimpft, beschüttet und angespuckt wird, sondern sich danach noch vorhalten lassen muss, ob man es "nicht darauf anlegt, sich als Opfer zu inszenieren".

Vielen Dank dafür.
Ein treuer Leser der "Presse"

Borelli
05.02.2013 14:33
11

Zahlreiche Vermummte

Wieso werden massive Verstöße gegen das Vermummungsverbot nicht geahndet?

Arethas
05.02.2013 14:13
10

Unglaublich

"Wer in Ballmontur justament jenen Weg zur Hofburg wählt, an dem gerade die größte Menge an Demonstranten versammelt ist, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er es nicht darauf anlegt, sich als Opfer zu inszenieren."

Ist der Kommentator noch zu retten?!

Hat er sich überlegt, wie das in anderem Zusammenhang (eine Frau, die derartig leicht bekleidet durch die dunkle Seitengasse geht, legt es darauf an, sich als Opfer zu inszenieren?!) klingt?

Eine Schande!

Antworten MostlyHarmless
07.02.2013 15:49
0

Re: Unglaublich

Naja, wenn ich mit meinem Opel aufs GTI-Treffen fahre, brauch ich mich auch nicht aufregen, wenn die Karre nachher nicht mehr fahrtüchtig ist.

Gerade in so einer Situation ist mitdenken angesagt,
oder eben provozieren

Taisa
05.02.2013 13:57
8

so mancher Journalist

sollte sich an der Nase packen und fragen ob er für die Eskalation nicht mitverantwortlich ist. Danach dumme Sprüche verzapfen ist auch entbehrlich...

Barney Stinson
05.02.2013 12:49
19

ein mob ist ein mob

das stimmt. das problem ist, dass das in der medialen darstellung regemäßig nur für rechte mobs gilt. ein linker mob wird in den medien meist als versammlung besorgter bürger und hüter der demokratie dargestellt, die halt in ihrer gerechten empörung ein bisserl über die stränge geschlagen haben. und da ist der akademikerball ein perfektes beispiel.

kritischer leser
05.02.2013 11:30
12

Akademikerball usw.

Grundsätzlich kann man dem Kommentar zustimmen bis auf den Satz, dass sich manche als "0pfer inszeniert" haben; was soll das?
Nur weil einige Randalierer es so wollen, soll man eine andere Straße benutzen? Und wieso war es möglich, dass wieder einmal Berufsrandalierer aus D. mit Bussen eingelangt sind? Warum wurden diesen Bussen nicht die Weietrfahrt nach Wien verweigert?

Albert Keinstein
05.02.2013 10:46
3

„dank der Wiener Polizei“

wo sieht der autor hier ein "verlangen nach dankbarkeit"?

Albert Keinstein
05.02.2013 10:41
3

das recht auf versammlungs- und demonstrationsfreiheit

ist ein grundrecht ist ein grundrecht ist ein grundrecht.

Antworten AB0815
06.02.2013 00:37
4

Re: das recht auf versammlungs- und demonstrationsfreiheit

waren sie demonstrieren ?. ihr gutes recht ..
hätten sie mich mit bier angeschüttet ?
in dem fall wäre es mein gutes recht gewesen, sie festzuhalten bis die polizei kommt und die personalien aufnimmt ....

Antworten beaumont
05.02.2013 19:11
6

Re: das recht auf versammlungs- und demonstrationsfreiheit

Themenverfehlung!
Es ist kein Grundrecht andere Menschen zu bespucken und mir Bier anzuschütten.

Antworten ohneScheu
05.02.2013 11:58
13

Re: das recht auf versammlungs- und demonstrationsfreiheit

"das recht auf versammlungs- und demonstrationsfreiheit ist ein grundrecht ist ein grundrecht ist ein grundrecht"
welches bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen (siehe Art. 10, 11 EMRK) durch die Staatsgewalt eingeschränkt werden darf bzw. muss.

lombo
05.02.2013 10:13
12

was ist mit alen anderen?

Grundsätzlich sehr guter Artikel. ABER es hört sich ja leider nicht dabei auf dass Ballbesucher bespuckt, angepöbelt und gerempelt werden. Denn wenn man am Freitag nur zufälliger Weise in der Nähe des Sperrgebiets oder eine andere Veranstaltung die leider auch im Sperrgebiet liegte besucht hat, wurde man belästigt. Da musste kein Balloutfit oder Anzug getragen werden um belästigt zu werden. Auch Klarstellungen halfen nichts. Diese Intoleranz gegen alles was sich bewegt und nur annähernd nicht in zerfetzter Kleidung erschien ist eine noch viel größere Frechheit. Schade das von den Unannehmlichkeiten für die Bewohner und Gäste anderer Veranstaltungen nicht berichtet wird.

greenmantle
05.02.2013 09:22
1

Dank

ma, Österreich! So man dankt nicht, wenn ein job gut gemacht ist, und man muss vorsichtig sein, wenn man darüber spricht, sonst glauben die leute, dass man bedankt werden möchte!

Grummelbart2
05.02.2013 09:10
6

Vollste Zustimmung...

...Hier versuchen sich abwechselnd einzelne Gruppen als Opfer zu inszenieren - die Ballbesucher als "Opfer" der nachlässigen Polizei, die Demonstranten als "Opfer" von "Polizeigewalt".

Die Wahrheit leigt dazwischen, und ich würde es begrüßen, wenn ein Grundkonsens zustande kommt in der Gestalt, dass sowohl Ball als auch Demo in einer Demokratie möglich sein müssen, jedoch Auswüchse (das besagte Spucken, Sachbeschödigungen etc) einfach nicht passieren dürfen.

bonomax
05.02.2013 07:48
3

Ja, diesem Kommentar kann man zustimmen...


herbe mischung
05.02.2013 07:46
3

Sehr gut getroffen

endlich mal was differenziertes zu dem Thema.

Der Nörgler 2
04.02.2013 22:06
8

Mit Verlaub,

wenn etwas nur "dank der Polizei" stattfinden kann, heisst das nicht, dass jemand Dankbarkeit erwartet.

Krawuzikapuzi
04.02.2013 20:25
1

eine demo ist eine demo ist eine demo.

und kein mob.

Antworten Helmut Magnana
04.02.2013 21:54
44

Re: eine demo ist eine demo ist eine demo.

Unter einer "Demo" verstehe ich Willenskundgebungen mit Transparenten und Parolen. Unter einem "Mob" eine Anhäufung von Personen mit latentem Gewaltpotential. Farbbeutel-Werfen zeugt jedenfalls von krassem Argumentations-Defiziten...

Dr.Gernot Stöckl
04.02.2013 20:25
4

Die Pressekommentare werden immer flacher!


Antworten Helmut Magnana
04.02.2013 21:51
14

Re: Die Pressekommentare werden immer flacher!

Falsch: Kolumnen wie diese bringen einen Sachverhalt in kurzer, präganter und für alle verständliche Weise auf den Punkt! Was soll daran "flach" sein?

Antworten Antworten Taisa
05.02.2013 14:01
0

Re: Re: Die Pressekommentare werden immer flacher!

flach ist es wenn Journalisten so tun als ob sie völlig unschuldig wären nachdem sie vorher den Mob aufgehetzt haben.

 
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