Zahlenspiele, ganz nach Bedarf

Lange kritisierte die Polizei leichtfertige Interpretationen der Kriminalstatistik. Heute macht sie genau das selbst.

Es wird ein echtes Superwahljahr. Zu besetzen sind 2013 vier Landtage, ein Parlament und fünf Regierungsbänke. Und da die besten Empfehlungsschreiben immer noch Erfolgsgeschichten sind, eignet sich die Auslegung der jüngsten Kriminalstatistik zum wichtigen Thema Sicherheit besonders.

Über zehn Prozent Anzeigenrückgang innerhalb der vergangenen zehn Jahre hören sich nach einem durchschlagenden Erfolg für alle Beteiligten an. Könnte man meinen.

Man könnte aber auch die Frage stellen, ob die Polizeispitze an sich selbst geringere Ansprüche als an andere stellt. Als vor wenigen Jahren eine Einbruchswelle über das Land schwappte, Bürger und Medien der Exekutive hohe Steigerungsraten im Vergleich zu den Vorjahren vorhielten, hieß es dort nur: Die Zahlen seien wegen des sich ändernden Anzeigeverhaltens oder Anpassungen im Gesetz nicht miteinander vergleichbar.

Heute vergleicht das Bundeskriminalamt das aktuelle Lagebild mit jenem von 2003. In Wahljahren ist (anscheinend) alles erlaubt.

 

andreas.wetz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2013)

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