Zahlenspiele, ganz nach Bedarf

ANDREAS WETZ (Die Presse)

Lange kritisierte die Polizei leichtfertige Interpretationen der Kriminalstatistik. Heute macht sie genau das selbst.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Es wird ein echtes Superwahljahr. Zu besetzen sind 2013 vier Landtage, ein Parlament und fünf Regierungsbänke. Und da die besten Empfehlungsschreiben immer noch Erfolgsgeschichten sind, eignet sich die Auslegung der jüngsten Kriminalstatistik zum wichtigen Thema Sicherheit besonders.

Über zehn Prozent Anzeigenrückgang innerhalb der vergangenen zehn Jahre hören sich nach einem durchschlagenden Erfolg für alle Beteiligten an. Könnte man meinen.

Man könnte aber auch die Frage stellen, ob die Polizeispitze an sich selbst geringere Ansprüche als an andere stellt. Als vor wenigen Jahren eine Einbruchswelle über das Land schwappte, Bürger und Medien der Exekutive hohe Steigerungsraten im Vergleich zu den Vorjahren vorhielten, hieß es dort nur: Die Zahlen seien wegen des sich ändernden Anzeigeverhaltens oder Anpassungen im Gesetz nicht miteinander vergleichbar.

Heute vergleicht das Bundeskriminalamt das aktuelle Lagebild mit jenem von 2003. In Wahljahren ist (anscheinend) alles erlaubt.

 

andreas.wetz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

3 Kommentare

Gnadenlose Polizei

Im Advent wollten wir in Wien Mariahilferstrasse und Weihnachtsmarkt Spittelberg besuchen. Direkt vor dem Hotel war Halteverbotszone (wie bei anderen Hotels auch)-wir checkten ein und erhielten einen Plan für die Zufahrt zur Garage. Bei der Rückfahrt nach Graz bemerkten wir einen Anzeige-Zettel, der zwischen Scheibenwischer und Motorhaube versteckt war. Mail an die Polizei mit dem Hinweis, dass wir im Hotel eingecheckt haben. Dort sei das Halten nur für Busse und Taxis erlaubt. Auf die Frage wie man dann als Fremder ins Hotel und in die Garage kommen soll, blieb unbeantwortet. Nach über 4 Wochen erhielten wir von MA (Mehr Arbeitende?) 67 nicht 2412 eine Strafe über € 78. In Graz erhält man sichtbar eine Plastikhülle mit Erlagschein über den halben Betrag. In Graz nennt man das Abzocke, in Wien, das anders ist- Förderung des Fremdenverkehrs. Wir haben jedenfalls genug von gnadenlosen Polizisten und fleißigen hochbezahlten Beamten. Nach der Kriminalstatistik liegt die Aufklärungsquote bei ca. 40%, wahrscheinlich weil die Polizei mit Strafzettel verteilen ausgelastet ist!

Bravo Herr Wetz

Die Bürgerinformationen sind wegen der bevorstehenden Wahlen nicht wahr.

Wie überraschend

Ich kann mich nicht erinnern, wann zuletzt in der Politik (oder deren Nahebereich) Statistiken seriös behandelt worden wären.

Gilt allerdings auch für die meisten Journalisten...

Top-News

AnmeldenAnmelden