Wer Sorgen hat, der hat auch Likör

WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Bei der Ski-WM in Schladming kommt vor allem die Gattung der Skihütten-Romantiker voll auf ihre Rechnung.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

 

In Österreich macht man sich gern lustig, natürlich auch über die WM-Eröffnungsfeier. Nicht alles hat da im Planai-Stadion reibungslos funktioniert – und nicht alles, was wie ein Live-Auftritt geklungen hat, war auch einer. Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Einschaltquote mit hierzulande bis zu 1,4 Millionen vor den TV-Geräten wieder einmal stimmte. Österreich ist und bleibt ein Land von Skilehrern, Skihüttenromantikern und Lederhosenträgern.

Ob Schladming dem Land einen guten Dienst erweist, wenn sich das Abendprogramm in der Fan-Arena wie eine Dodel-Liste liest, muss bezweifelt werden. Was Alkohol aus Menschen machen kann, wird man im Ennstal noch in ganz anderer Intensität erleben. Alles erst Aufwärmübungen für die Sporthighlights. „Scharfe Kanten, heiße Tanten“ ist noch das harmloseste Motto. Weiter geht's mit „Huschiwuschi mit der Uschi.“ Den Rest will man gar nicht wissen.


Gleichsam ein Haus weiter, in Haus im Ennstal, hat man ganz andere Sorgen. Im Lager der deutschen Skimannschaft kracht es ein wenig im Gebälk, dunkle Wolken sind aufgezogen. Das neue Duell heißt Markus Wasmeier gegen Maria Höfl-Riesch. Auslöser war ursprünglich die Biografie der zweifachen Olympiasiegerin (2010) und Weltmeisterin von 2009. „Geradeaus“ wurde von Wasmeier mehr oder weniger in der Luft zerrissen, vor allem der Begriff „Pornozirkus“ hat ihn wütend gemacht.

Maria Höfl-Riesch interpretiert die Kritik des Landsmannes anders. Sie ortet vielmehr Neid und Missgunst. Neid aber muss man sich erkämpfen, Mitleid bekommt man geschenkt. Die 28-Jährige, die vor zwei Jahren bei ihrer Heim-WM zweimal Bronze gewonnen hat, zitiert Oscar Wilde: „Jeder Erfolg schafft Neider, und um richtig beliebt zu sein, muss man Mittelmaß sein.“

 

E-Mails an: wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

1 Kommentare

WM eröffnung mit alkoholiker aus dem Wienerwald

also, wenn ein sänger den eindruck macht, nicht mal mehr langlaufschier auf das autodach montieren zu können, ist er schichtweg peinlich; ich hab mich beim ansehen der eröffnung schlicht geschämt für diese ja auch außerhalb unseres Landes zu sehende darstellung Österreichs unter einsatz diverser pop-opas mit suchtpotential! manche events lassen sich nicht mal mehr karikieren, diese eröffnung gehört dazu.

Top-News

  • Ist die Ganztagsschule abgeblasen?
    Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) verteidigt ihren Plan, bei den Ganztagsschulen zu sparen. Die Mittel seien bislang ohnehin nicht ausgeschöpft worden.
    Gefahr durch geheime EU-Deals
    Das System der EU ist wegen seiner Komplexität korruptionsanfällig, kritisiert Transparency International. Die Letztentscheidung in wichtigen Fragen fällt zu oft ohne Öffentlichkeit.
    Telekom Austria: Der viel kritisierte "Wunschpartner"
    Telekom. ÖIAG und América Móvil feiern ihre spät besiegelte Partnerschaft. Das Chaos sei vorbei. Nun wollen die Mexikaner mit der TA in Europa vor allem eines: Wachsen, wachsen, wachsen.
    Moskau startet Manöver
    Angesichts Kiews "Antiterror-Operation" hält Moskau Militärübung in Grenznähe ab. Ukrainische Truppen melden indes Erfolge.
    Hans Hollein: Auf dem Mond - oder woanders
    Am Donnerstag ist einer der großen Architekten und Künstler, die Österreich in der Welt vertraten, nach langer Krankheit gestorben. Hans Hollein wurde 80 Jahre alt. Sein Jubeljahr wird zum Jahr der Erinnerungen an den Universalisten.
    Bankensteuer: Lenkt die SPÖ ein?
    Das "Presse"-Interview mit Wirtschaftsminister Mitterlehner über eine Reduktion der Bankenabgabe sorgt für zahlreiche Reaktionen. Die SPÖ verlangt nun genaue Berechnungen.
AnmeldenAnmelden