Föderales Wettrennen

BERNADETTE BAYRHAMMER (Die Presse)

Die Länder wollen sich ihre eigenen Med-Unis erkämpfen.

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Es kommt Bewegung in die Debatte um eine eigene Medizinfakultät in Linz. Reihenweise Politiker – zunächst, welch Überraschung, alle drei oberösterreichischen Minister, zuletzt sogar Bundeskanzler Werner Faymann – stellten sich hinter das Projekt. Möglich, dass sie sich im Hinblick auf die anstehenden Nationalratswahlen bereits ans Verteilen von Zuckerln machen – den Sinn einer eigenen Medizinfakultät kann man nämlich durchaus bezweifeln.

Linz argumentiert die Notwendigkeit einer solchen unter anderem mit einem Ärztemangel in Oberösterreich. Durch eigene Ausbildung sollen die jungen Mediziner im Land gehalten werden. Allein: Nach dieser Argumentation müsste bald in jedem Dorf eine pädagogische Hochschule stehen – schließlich fehlen allerorten Lehrer. Wer wirklich Arzt werden will, nimmt auch den Umzug ins anderthalb Stunden entfernte Wien auf sich. Und kommt – wenn es attraktiv genug ist – zum Arbeiten gern wieder zurück. Sollte das Problem nämlich eigentlich ein viel banaleres sein (dass niemand mehr den Dorfarzt spielen will, zum Beispiel), kann die Lösung nur in besseren Arbeitsbedingungen liegen.

Oberösterreich ist mit seinem Wunsch übrigens nicht allein: Niederösterreich startet bald eine private Med-Uni, in Kärnten wird um eine gerangelt, Salzburg hat bereits eine. Das zeigt, worum es wohl im Kern geht: So wie jede größere Gemeinde glaubt, sie brauche ihr eigenes Krankenhaus – auch wenn das nächste nur ein paar Kilometer entfernt über der Landesgrenze liegt –, starten die Bundesländer nun eben den föderalen Wettlauf um die Med-Unis.

 

bernadette.bayrhammer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2013)

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7 Kommentare

Verständlich ...

Nachdem die Stadt Wien das AKH aushungert und intern wahrscheinlich schon aufgegeben hat, müssen die Bundesländer handeln ... sonst ist der vielzitierte Ärztemangel bald wirklich Realität! Nebenbei gehört die Ausbildung reformiert und der Beruf des Landarztes attraktiver gemacht, sonst nützt das alles nix.

Wer ist gegen eine Med.-Fakultät in Linz?

Alle, die mit Bedeutungs- und Geldverlust rechnen. Burgstaller spricht für Salzburg, Töchterle für Innsbruck, alle sogenannten Fachleute sind Wien-affin. Frage: Warum soll Oberösterreich weiterhin die Med.-Uni Wien sponsern, damit oö. Studenten nach Wien (Salzburg, Innsbruck oder Graz) auspendeln müssen?
Deshalb zurück mit den oö. Geldern, wir finanzieren unsere Uni selbst!

Klaus Brandhuber, Wels

Re: Wer ist gegen eine Med.-Fakultät in Linz?

krähwinkel, wie es leibt und lebt!

wie wärs mit einer meduni in steyr oder schärding?

Re: Re: Wer ist gegen eine Med.-Fakultät in Linz?

Ist Sinn erfassendes Lesen so schwer?

13 3

Am Problem vorbei argumentiert

Frau Bayrhammer, ist Ihnen eigentlich klar, dass früher allein in Wien etwa 3.000 Maturanten das Medizinstudium begannen?

Seit dieser komische Medizin-Aufnahmetest eingeführt wurde, gibt es österreichweit (!) nur mehr 1.500 Plätze.

Da reichen selbst einfache Rechenkenntnisse, um zu erkennen, dass es bereits in wenigen Jahren zu einem massiven Ärztemangel kommen wird.

2 3

Re: Am Problem vorbei argumentiert

Ich vermag zwar nicht zu beurteilen, wieviele Ärzte in Österreich tatsächlich gebraucht werden, Ihre Argumentation ist aber jedenfalls nicht schlüssig. Wieviele mit dem Medizinstudium beginnen sagt 1. nur wenig darüber aus, wieviele das Medizinstudium auch abschließen, und 2. wieviele nach dem Medizinstudium eine ärztliche Ausbildung absolvieren und 3. wieviele Ärzte in Österreich gebraucht werden. (Sonst wären ja technische Studienrichtungen wesentlich besser besucht.) 4. gibt es eine ganze Menge verschiedener Gruppe von Ärzten, die nicht beliebig austauschbar sind. Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Punkte, die ich anführen könnte, aber ich glaube die paar reichen einmal.
Nichtsdestotrotz mag es natürlich stimmen, dass ein Ärztemangel ins Haus steht, vielleicht haben Sie ja noch bessere Zahlen, um das zu untermauern?

8 1

Re: Re: Am Problem vorbei argumentiert

2011 gab es in Österreich etwa 41.000 Ärzte; wenn die Altersverteilung etwa so wie bei den Lehrern gegeben ist (wovon man ausgehen kann), dann werden in den nächsten 10 Jahren mindestens die Hälfte davon in Pension gehen.

Allein deshalb werden über 2.000 Medizinabsolventen pro Jahr benötigt, nur um den Status Quo zu halten.

Wieviel von den 1.500 Anfängern pro Jahr ihr Studium tatsächlich vollenden bzw. wieviele von den Absolventen tatsächlich in Österreich bleiben, ist ebenfalls ungewiss. Aber selbst wenn 90% der Studienanfänger dem Ärzteberuf in Österreich treu bleiben, wird sich eine riesige Lücke auftun.

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