24.05.2013 10:57 Merkliste 0

Schladminger Narrenfreiheit

WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Fastenzeit und Skifans, das passt eigentlich so gar nicht. Aber im Ennstal ist die Zeit der Narren ohnedies noch lange nicht vorbei.

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EINGEFÄDELT

Die Narrenzeit ist auch in Schladming vorbei. Viele atmen auf, wobei man es im Ennstal mit der Fastenzeit nicht ganz so genau nimmt. Heringsschmaus und Skifans, das passt nicht ganz so gut zusammen. Abstinenz schon gar nicht. Auch am Tag, als die Weltmeisterschaft ruhte, floss der Gerstensaft in Strömen. Auch ohne „Huschi und Wuschi“, aber diese Slogans, die hat man ja bereits vor einer Woche wieder abgesetzt. Dafür hält man den Valentinstag hoch, wer küssend ins Bild kommt, das vom Fan-TV eingefangen wird, dem winken Schokoladeherzen. Sponsoren, so könnte man meinen, sind kreativ. Oder eben penetrant. Als ob die lila Kuh nicht schon bildfüllend genug auf der Planai grasen würde.

Die Fastenzeit will der Österreichische Skiverband natürlich ignorieren, bis Sonntag will man noch ordentlich Ernte einfahren. Insgeheim hegt man die Hoffnung, in allen vier noch ausstehenden Rennen bei der Medaillenentscheidung entschieden mitzureden. Und Platz eins im Medaillenspiegel ist nach dem gelungenen Teambewerb immer noch möglich. Mit dem Eingreifen von Marcel Hirscher ist ein neuer Geist in der österreichischen Mannschaft spürbar. Und die Art und Weise, wie er auf der Planai seine Schwünge gezogen hat, die stimmen alle zuversichtlich.

Die Narrenzeit, die ist in Schladming vielleicht vorbei. Aber nicht die Zeit der Narren. Ein Reporter der Schweizer Zeitung „Blick“ hat den Veranstalter jedenfalls ordentlich – genarrt. Er hat sich als „Hopsi“, heimlicher Superstar dieser WM, verkleidet. Und ist unmittelbar vor dem Teambewerb ungehindert in den Zielraum geschlendert. Er hat in der VIP-Loge von Präsident Peter Schröcksnadel Platz genommen, ließ sich von den tausenden Zuschauern so richtig abfeiern. Stellt sich die Frage, wem man da eigentlich die Ohren hätte langziehen müssen. Aber in Schladming hat doch in Wahrheit nicht nur das WM-Maskottchen Narrenfreiheit.


E-Mails an: wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2013)

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