Zu Recht auf der Flucht

Auch österreichische Mediziner verlassen das Land. Und man kann es ihnen nicht verdenken.

Sie hängen Flaschen an, nehmen Blut ab und Patienten auf: Vor ziemlich genau einem Jahr zeigte eine Umfrage, was Turnusärzte im Krankenhausalltag viel zu oft sind: billige Systemerhalter. Es mag Ausnahmen geben, Fakt ist aber: Das, was Ärzte nach ihrem Uni-Abschluss in Österreich erwartet, hat den Namen Ausbildung häufig nicht verdient. Dass junge Mediziner angesichts dessen ihr Glück im Ausland suchen, kann man ihnen nicht verdenken. Und dass ausländische Absolventen (also: die Deutschen) besonders mobil sind, ist logisch.

De facto sind es allerdings längst nicht nur die „Ausländer“, die die Koffer packen. Auch junge Österreicher machen sich nach dem Abschluss auf nach Deutschland, in die Schweiz, nach Großbritannien oder in den Norden. Irgendwohin, wo sie statt eines zähen und sinnlosen Turnus direkt mit einer (echten) Facharztausbildung starten können – und dafür auch noch mehr Geld bekommen.

Man könnte jetzt einwenden, dass die Reform des Turnus ja eh bevorstehe. Tatsächlich steht sie, typisch österreichisch, seit Jahren auf dem Programm. Wirklich passiert ist (welch Überraschung!) immer noch nichts. Wenn man verhindern will, dass die jungen Ärzte, ob In- oder Ausländer, weiterhin reihenweise davonlaufen, ist eine rasche Reform aber die einzige Chance.

Eines noch: Mehr Studienplätze sind jedenfalls nicht die Lösung. Nur für den Fall, dass die Linzer die jüngsten Ergebnisse zu einem weiteren Argument für eine eigene Medizinfakultät machen wollen.

 

bernadette.bayrhammer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2013)

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