Klug bastelt am Wehrdienst 2.0

THOMAS PRIOR (Die Presse)

Die erste Erkenntnis des neuen Ministers lautet: Auch Grundwehrdiener sind Wähler.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wer war noch gleich Norbert Darabos? Im Bundesheer ist dieser Name längst vergessen oder zumindest verdrängt, seit Gerald Klug vor einem Monat in die Rossauer Kaserne eingezogen ist. Ein fachlicher Vergleich zwischen dem alten und dem neuen Verteidigungsminister wäre wohl verfrüht, aber auf dem Gebiet der (Eigen-)PR hat Klug unzweifelhaft mehr Talent.

Mehr zum Thema:

Kurz nach seinem Amtsantritt gab der Minister schon eine Umfrage in Auftrag. Alle Rekruten wurden aufgefordert, Ideen einzubringen, wie der Grundwehrdienst attraktiver gestaltet werden könnte. Das erste Zwischenergebnis wurde am Freitag präsentiert: Die jungen Männer würden gern mehr Sport machen, weshalb das Angebot in den Kasernen verbessert werden sollte.

Man kann sich bereits ausmalen, welche Wünsche der Endbericht im Juni noch so zutage fördern wird: Eine drahtlose Internetverbindung in den Soldatenunterkünften wäre auch nicht schlecht. Und an Champions-League-Abenden möge man doch bitte die Chargendienste streichen.

Ungeschickt ist es natürlich nicht, jungen und vor allem wahlberechtigten Männern in einem Wahljahr das Gefühl zu geben, sie hätten zumindest ein Mitspracherecht, wenn sie schon sechs Monate dem Staat opfern müssen. Inhaltlich wäre eine Umfrage unter Heeresexperten womöglich sinnvoller gewesen. Zumal der Wehrdienst in der Bundesverfassung immer noch als Ausbildung zur militärischen Landesverteidigung definiert ist – und nicht als eine Art Sommersportwoche in Uniform.

 

thomas.prior@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

5 Kommentare

Körperliche Fitness ist wichtig

Und daher ist die Idee einer Verstärkung der körperlichen Ausbildung gut. Man muß den Begriff "Sportausbildung" nur nicht aus einer reinen Zivilperspektive sehen. Disziplinen wie Orientierungslauf, Biathlon/Triathlon, Überwinden von Hindernissen oder auch Fußmarsch und die berühmten "Bewegungsarten im Gelände" fördern die körperliche Fitness und sind für die militärische Einsatzbereitschaft relevant. Der Grundwehrdienst leistet jetzt schon einen wesentlichen Beitrag zur besseren Fitness der Präsenzdiener, und wenn das in Zukunft noch besser wird, ist das für uns alle von Vorteil - nicht zuletzt auch für die Wirtschaft, Herr Prior.
Glücklicherweise verfügt das Bundesheer über erfahrene Ausbildner, die wissen, daß man die meisten der heutigen Jugendlichen schrittweise aufbauen und an das erforderliche körperliche Leistungsniveau erst heranführen muß. Zum Beispiel: Untrainierte auf die Stahl- und Beton-Hindernisbahn loszulassen, kann wirklich lebensgefährlich sein - da ist es besser, sie zuerst einmal gründlich auf der Geländehindernisbahn zu trainieren.
In diesem Sinne: Soldatenglück und - Sprung vorwärts !

Auch Mitarbeiter sind Waehler

Wenn Minister Klug auch noch begreift, dass seine Mitarbeiter - egal ob uniformiert oder zivil - gerne die Chance haetten, sinnvolle Vorschlaege so einbringen zu koennen, dass diese auch geprueft und objektiv bewertet werden, beispielsweise waere auch ein direkter Zugang zum Minister vorstellbar, koennte er tatsaechlich ein Reformer werden!

Was in internationalen Konzernen ueblich ist, sollte auch in einer hierarchisch organisierten Struktur ermoeglicht werden.

Zumindest das Auftreten und die äußerliche Erscheinung ....

... des neuen Verteidigungsministers sind schon mal erfreulich! Mal schauen, was er sonst so leistet. Man sollte auch mal neuen Gesichtern eine Chance geben!

Genauso ist es

Ja, im Herbst ist NR-Wahl und da zählt jede Stimme, niemand ist dabei so gut wie die SPÖ. Ob den Minister bei dieser Aktion sein Vorgänger, jetzt wahlkämpfender Bundesgeschäftsführer, beraten hat? Dazu passt auch, dass an die über viel Wissen verfügenden Offiziere und Unteroffiziere, die im Ausbildungsdienst stehen, keine Fragebögen verschickt wurden. Damit zeigt der Minister wer in den Kasernen für ihn wichtig ist und wer nicht und setzt so nebenbei eine uralte Tradition der SPÖ fort. Nur unser HBP konnte sich davon lösen.

Re: Genauso ist es

Inwiefern hat sich der Chefideologe der SPÖ Hai-Fi von uralten Traditionen gelöst? Indem er am Häusl sitzt?? Bitte um Aufklärung!

Top-News

AnmeldenAnmelden