Wozu mehr arbeiten?

JEANNINE HIERLÄNDER (Die Presse)

Kein Wunder, dass viele Menschen überlegen, weniger zu arbeiten. Das zahlt sich nämlich wirklich aus.

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Das ist jetzt kein Plädoyer für die 50-Stunden-Woche. Aber interessant ist das schon: Immer mehr junge, gut ausgebildete Menschen arbeiten Teilzeit oder denken zumindest darüber nach. Nicht, um ihre Kinder zu betreuen oder alte Angehörige zu pflegen – sondern, um mehr Zeit für Freunde zu haben, eine berufsbegleitende Ausbildung zu machen oder einfach nur im Sinne der Work-Life-Balance zu entspannen.

Blöd wären sie, würden sie das nicht tun. Denn der Staat macht es ihnen richtig leicht. Mehr arbeiten zahlt sich dank hoher, früh ansetzender Grenzsteuersätze und kalter Progression oft gar nicht mehr aus. Wer von Voll- auf Teilzeit umsteigt, arbeitet in vielen Fällen um die Hälfte weniger und verliert dabei nur ein Drittel seines Nettoeinkommens. Wer einen guten Job hat, kann davon immer noch locker leben.

Mehr Teilzeitarbeit bedeutet aber auch weniger Konsum und somit weniger Einnahmen für den Fiskus. Es wäre also ebenso im Sinne des Staates, endlich das umzusetzen, was Ökonomen und Politiker aller Couleurs seit Jahren predigen: die Steuern auf Arbeit endlich zu senken.

 

E-Mails an: jeannine.hierlaender@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2013)

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37 Kommentare
 
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all-in-verträge und andere zahlenspiele ...

... bringen vielen eh im teilzeitjob auch über vierzig stunden pro woche, würden aber bei einem vollzeitjob fünfzig oder sechzig bringen - und das bringen eben nicht alle, vor allem nicht auf dauer ...

es stellt sich die frage, was wohl wichtiger ist:

1. mehr zeit für freunde haben, entspannen, sich bilden u.ä.
oder
2. ein leben als kampfkonsument führen und dessen sinn im reinstopfen von irgendwas finden.

liebe frau hierländer, lt photo dürften sie noch sehr sehr jung sein. daher keine angst, sie werden es auch noch irgendwann herausfinden (hoffentlich nicht erst wie mancher auf dem sterbebett, wenn er auf sein eigentlich sinnloses leben zurücksieht). ich für meinen teil sehe zwar die bevorzugung von pos 1 durch den staat nicht, bin aber höchst zufrieden, wenn er nicht bedingungslos pos 2 fördert.

aber eine bitte hätte ich schon: auch wenn ein schellhorn es ihnen einflüstert - hüten sie sich vor volkswirtschaftlichen pseudo-analysen, wenn sie so gar keine ahnung davon haben!

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Richtig

und das wissen auch die Regierenden deshalb rufen insbesonders unser linken Umverteiler auch immer lauter nach anderen Einnahmequellen, nach Vermögens- und Erbschaftssteuern also nach Enteignung der Österreicher!

Der letzte Schritt ist dann jener Kommunismus der keinen Eigenbesitz mehr erlaubt und die Bonzenherrschaft sichert.

Also brav Rot-Grün wählen wem diese Option gefällt.

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massive entlastungen für den mittelstand u. den asvg arbeitnehmern werden immer nur versprochen- belastet werden aber nur sie - und die spekulanten u.casinobankenmärkte können daher billionen volksvermögen verzocken und in die finanzmärkte umverteilen(auf kosten der asvg pensionen u. des sozialen friedens)


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Leider nein

Wieder ein Artikel aus der Serie: Wie sich Journalisten die Arbeitswelt so vorstellen.
Teilzeit zu arbeiten ist mit starken Einbußen bei den PV und MV Beiträgen verbunden. Gerade in jungen Jahren holt man das später nicht mehr ein. Ökonomisch macht sie daher keinen Sinn, wenn sie nicht zweckdienlich verwendet wird.

Gestiegen ist der Produktivitätsdruck (vgl. Lohn vs. Produktivität der letzten 30 Jahre) vs. Anspruch des Dienstgebers auf Kreativität und Weiterbildung. Wer - wie die meisten heutzutage - in einer anspruchsvollen Branche arbeitet, mag zwar einen "normalen" 10h Arbeitstag haben, aber der wird auch unter Hochdruck durchgearbeitet. Keine Zeit für Pausen, Weiterbildung, Fachvorträge und Schulungen halten, Vernetzung usw. Die Kunden, ergo Dienstgeber, erwarten jedoch neben Leistung auch Innovation und aktuelles Wissen, dass ihre Leute bei internationalen Tagungen hervorstechen usw. Wie sich das ausgeht? Eben nur durch Teilzeit, wenn von der stupiden Routine Abstand genommen werden kann; Dadurch kann wieder Weiterbildung nachgewiesen werden und höher wieder eingestiegen werden. Macht ökonomisch Sinn, wenn es klappt.

Re: Leider nein

Junge Leute rechnen nicht mehr damit, noch eine Pension zu bekommen. Ich übrigens auch nicht! Das alte Modell hat ausgedient!

die sozialistische umverteilungspolitik

machts möglich!

leider lassen sich noch immer zuviele menschen in diesem land ein x für ein u vormachen!

wir brauchen endlich wieder eine regierung, die leistungsbereitschaft belohnt und nicht empfangsbereitschaft von sozialleistungen!!

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. . . ein großer Blödsinn

Die gerechteste Steuer ist die Einkommensteuer.
Das Grundeinkommen entspricht Ihrer Philosophie, ist falsch konzipiert und kontraproduktiv.

Arbeitsleid

Ich halte den Artikel für einseitig und die Aussage für zu simpel. Was bedeutet „mehr arbeiten zahlt sich nicht aus“?
Meint man zeitlich mehr arbeiten oder lediglich mehr verdienen, was nicht gleich – bzw nicht immer automatisch - mehr arbeiten bedeutet. Hier fehlt es der Verfasserin (beneidenswert jung) wohl an umfassenden Erfahrungen. Meint sie damit, nur wegen der hohen Steuerbelastung sollte man nicht mehr arbeiten? Das wurde ja umgekehrt bedeuten, dass die Senkung der Steuern die Menschen zu „Mehrarbeit“ oder mehr arbeiten bringen würde? Was ich aus jahrzehntelanger beruflicher Erfahrung nur in sehr geringem Ausmaß für zutreffend halte!
„Wir“ arbeiten in Österreich und zwar alle vom Arbeiter, Angestellten, Gewerbetreibenden bis zu den Bauern ZEITLICH gesehen, weniger als je zu vor. Dies wird durch die Überbelastung in spezifischen Berufen oder Positionen nicht wett gemacht.
Die Work-Life-Balance (da muss ich lächeln) hat so zugenommen, dass zumindest im Großraum Wien, ab spätestens 15 Uhr die hektische, stressige „Life-Balance“ zu beobachten ist.
Für manche wird dadurch wieder einmal, das gerade in Österreich so beliebte Thema „Arbeitsleid“ strapaziert.

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Re: Arbeitsleid

Wir arbeiten zeitlich weniger als je zuvor? Haben Sie dazu eine Studie? Ich kenne nur gegenteilige. Noch nie zuvor wurde so lange gearbeitet, insbesondere in Österreich. Im Mittelalter waren es 4-5h, in der Industrialisierung waren es nicht die Arbeitszeiten, sondern die Arbeitsbedingungen und der Kulturschock (Uhrzeit!), die problematisch waren. Und von den offiziellen 48h, die man nach dem WK2 "arbeitete" verbrachten Männer die meiste Zeit mit Fußball spielen oder saufen und Frauen mit stricken im Büro. Kein Wunder: In Zeiten des Mangels konnte man auch Millionär werden, wenn man gebrauchte Nägel am Straßenrand verkaufte.

Beginnend mit den 1980ern kamen Produktivitäts- und Innovationsdruck (beides schließt sich teilweise aus) in Verbindung mit wissenschaftlichem Management: jede Pause, jedes Gespräch, jede email, jede Bewegung wird überwacht, analysiert und beurteilt - alles was nicht unmittelbar und für Manager(!) nachvollziehbar Output hervorbringt, ist eine Bedrohung für den Arbeitsplatz. Dazu noch die Delegation von faktorkombinierenden Tätigkeiten (Kern des Managements) an die Arbeitnehmer selbst (Job enlargement) und Multi-Tasking (Job enrichment).

Und unter dieser Atmosphäre sollen innovative Produkte und Dienstleistungen entstehen, die Wettbewerbsvorteile bringen? Das geht nur mit Teilzeit, wenn aus der Idiotie des modernen Managements ausgestiegen werden kann, um sinnvoll zu arbeiten.

Re: Re: Arbeitsleid

Meine Studie ist meine Lebensarbeitszeit (ab dem 19. Lebensjahr) von 1967 bis 2010 (= rund 43 Jahre, davon 37 Jahre in Wien) in 2 Branchen mit verschiedenen Aufgabenbereichen und Positionen in Wien und Burgenland.
Als Anfang der 70er Jahre der damalige FinM Androsch die „Strafsteuer“ = eine faktisch höhere Lohnsteuer für Alleinstehende abschaffte, ist mir nicht in Erinnerung, dass man deswegen „lieber“ gearbeitet hätte als vorher, obwohl der Nettogehalt deutlich höher wurde - ohne Mehrleistung!
Ich habe einige/zu viele Leute kennengelernt, die 10 Stunden Arbeitstage hatten/haben, die in Projekten tätig waren/sind usw usw deren tatsächliche Arbeits-Leistung aber bedeutend geringer war als die angebliche Arbeitszeit.
Mir sind viele Leute bekannt, die vor der Einführung der gleitenden Arbeitszeit – um einen Parkplatz zu bekommen - bis zu einer Stunde vor Dienstbeginn in der Arbeit waren. Niemand wäre damals auf die Idee gekommen, dies zur Arbeitszeit dazuzurechnen – das hat sich erst (das Minutenrechnen) mit der gleitende Arbeitszeit geändert. Das sind nur 2 Beispiele.

Mir ist schon bewusst, dass sich in vielen Bereichen der psychische Arbeitsdruck erhöht hat, dass „Früher“ anders gearbeitet wurde, aber zu behaupten, dass ZEITLICH mehr gearbeitet wird – und zwar meine ich das auch generell - (Urlaubsansprüche, Zeitausgleiche, Amtswege, Pflegeurlaube, Kuren, Rehab, Weiterbildungen, Bildungskarenz, usw. usw.) ist aus meiner Erfahrung nicht nachvollziehbar (fragen sie wegen einer Studie über die Arbeitszeit der Unselbständigen bei der Gewerkschaft, Arbeiterkammer u.ä. nach).


Re: Arbeitsleid

Natürlich wird die work-life balance nicht nur von finanziellen Anreizen gesteuert, aber mehr netto zu haben mag schon auch motivierend wirken.

Re: Re: Arbeitsleid

„No na“ in einigen Fällen, ja. Dazu genügt eine einfache Rechnung.
Andere Teile im betreffenden Artikel erinnern mich andeutungsweise! an Teile der Inhalte der Hippie-Flower-Power Zeit. Die auch in erster Linie das Wohlstands(be)streben/Leistungsprinzip der grob gesagt „Mittelschicht“, in Frage stellte. Ich befürchte aber, dass die heutigen Jungen (bis 40 ca.) nicht in der Lage sind, ähnliche heute aktuelle gesellschaftliche Veränderungen wie auch zB in der „68er Bewegung“ etc durchzuziehen/durchzusetzen.

aus brutto wird netto

aus brutto wird netto

(der Einfachheithalber habe ich jetzt den Steueranteil - also auch die DienstGEBERAnteile weggelassen) - aber man sieht:

MEHRARBEIT ZAHLT SICH NICHT AUS

aus
BRUTTO wird NETTO
1000 --> 849
1500 --> 1149
2000 --> 1409
2500 --> 1669
3000 --> 1905
3500 --> 2138
4000 --> 2371
5000 --> 2893

und daher entscheiden sich immer mehr gut ausgebildete Väter und Mütter die Erziehung ihrer wenigen Kinder selber zu übernehmen anstatt wie blöd Steuern abzuliefern und sich jeden Tag abzuhetzen.

Re: aus brutto wird netto

Wenn Sie meinen, dass Sie mit 849.- leben können, bitte schön.
Ich fühl mich wohler, wenn netto etwa 1500.- zur Verfügung stehen.

Für mehr Geld würde ich mir nicht die Haxn ausreissen...

Spitalsärzte arbeiten zu viel: Geldstrafe droht


Headline auf orf.at

Richtig spannend wird es dann, ...

... wenn alle auf Kosten der Allgemeinheit leben! Weil langsam sickert es auch in den - noch - leistungsbereiten Mitelstand ein, dass sie nur doofe Systemerhalter sind!

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Arbeiten wofür?

Die "Jungen", also also die bis 40/45 jährigen haben immer weniger Bock aufs Arbeiten oder sie gehen dorthin wo es sich noch lohnt (vermutlich weg aus Europa). Die Steuerschraube ist mittlerweile zu fest gedreht. Zuviele unproduktive, die üblichen Verdächtigen B, P und S müssen durchgefüttert werden, dazu greifen die Parteien immer ungenierter in die Taschen der immer weniger werdenden Nettozahler.

Noch bessere Lösung

20 Wochenstunden anmelden und den Rest schwarz kassieren - das zahlt sich erst steuerlich aus...

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Re: Noch bessere Lösung

Und in der Pension dann wegen Altersarmut jammern....

Re: Re: Noch bessere Lösung

Ich (Jahrgang 1965) zahle seit 20 Jahren Höchstbemessung und werde dereinst dennoch nur eine geringfügig höhere "Volkspension" bekommen.

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Re: Re: Re: Noch bessere Lösung

Wieso glauben Sie das?Sie werden so wie alle ASVG Versicherten zuvor eine Pension entsprechend Ihrer Bemessungsgrundlage,Ihres Antrittsalters u.Ihrer Beitragsjahre erhalten.

Re: Re: Re: Re: Noch bessere Lösung

für den jahrgang 1965 wirds einfach heissen :

flasche leer....

(es genügen die grundrechnungarten herr gewerkschafter)

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Re: Re: Re: Re: Re: Noch bessere Lösung

Wie kommen Sie zur Erkenntnis,dass ich Herr und Gewerkschafter sein muss?Die Bedingungen für Jahrgang 1965 sind bereits Gesetz und es kann natürlich auch da noch zu Änderungen kommen,allerdings nicht in dem Ausmaß,wie Sie es darstellen.Das ist immer und grundsätzlich eine politische Entscheidung,daran ändert auch billige Polemik,die von keinerlei Sachkenntnis getrübt sein dürfte,etwas.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Noch bessere Lösung

Was nützt ein Gesetz, wenn kein Geld da ist? Wen wollen Sie denn dann verklagen? Den Staat, der pleite ist??? Oh Mann!!

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Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Noch bessere Lösung

Sie unterliegen dem fundamentalen Irrtum,dass ein Staat mit einem Wirtschaftsbetrieb vergleichbar ist.Es geht nicht darum jemand zu verklagen,sondern um die ausschließlich politische Entscheidung wie und in welcher Höhe Pensionszahlungen erfolgen.Wenn Sie sich in Panik versetzen lassen,ist das Ihre Entscheidung,die hat aber mit der Realität nichts zu tun.

 
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