In der Geiselhaft Silvio Berlusconis

SUSANNA BASTAROLI (Die Presse)

Die Tücke der Großen Koalition: Der Cavaliere wird versuchen, seinen Willen durchzusetzen. Er kann es sich leisten.

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Die guten Nachrichten zuerst: Erstmals seit der Parlamentswahl vor zwei Monaten gibt es realistische Chancen, dass Italiens Parteien sich auf eine gemeinsame Regierung einigen. Und erstmals seit Jahren könnte das tief verschuldete Euroland mit dem 46-jährigen Enrico Letta einen „jungen“ Premier bekommen, der zudem in Wirtschafts- und Europafragen versiert ist.

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Vor allem aber wird der Linksdemokrat von beiden verfeindeten Großparteien akzeptiert. Vorerst zumindest. Und da liegt auch schon die Tücke der von Staatspräsident Giorgio Napolitano forcierten Zwangsehe: An einer langen, glücklichen Partnerschaft hat kaum einer ein Interesse. Bei den sich in Auflösung befindenden Linksdemokraten sind Diadochenkämpfe ausgebrochen. Der ehrgeizige Florentiner Bürgermeister, Matteo Renzi, blickt bereits sehnsüchtig in Richtung Chefsessel. Ein zu erfolgreicher Letta würde ihm einen Strich durch die Rechnung machen.

Der wirklich mächtige Mann hinter dieser Koalition ist aber Silvio Berlusconi. Der Cavaliere hat vom jüngsten Polit-Chaos profitiert, in allen Umfragen führt seine Partei. Neuwahlen muss er nicht fürchten. Er befindet sich jetzt also in der besten Position, um seinen Willen zu erzwingen. Und Politik hat er schon immer als Vehikel für die Durchsetzung seiner persönlichen Interessen gesehen.

 

E-Mails an: susanna.bastaroli@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2013)

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3 Kommentare

Berlusconi ist derzeit der einzige italienische Politiker,

der seine Italienischen Landsleute kennt und trickreich die dringend notwendigen Reformen in Italien durchsetzen kann. Und für italienische Verhältnisse war seine Politik auch gar nicht so schlecht - jedenfalls weit realistischer und (im österr. Jargon zu bleiben) "sozial wärmer" als die von Mario Monti! Ob Berluscon gegen das Gesetz verstoßen hat oder nur von den Linken gejagt wird, weil er das größte Hindern für ein "rotes Italien" ist, ist ohne objektive Informationen von hier aus natürlich schwer zu beurteilen!

Interessante Feststellung

Sehr geehrte Frau Bastaroli.

Ein kurzer, jedoch interessanter Einblick, vielen Dank. Und offensichtlich konnten Sie mir eine Frage beantworte, die mich schon längere Zeit interessiert: Wie haben sich (rein theoretisch) die "Sympathiewerte" der Parteien durch dieses ganze, erbärmliche Spiel (Regierungsbildung, sowie Präsidentenwahl) verändert? Ich bin doch einigermassen erstaunt, dass die PdL bei allfälligen Neuwahlen der "Profiteur der Stunde" wäre. Ich hätte vielmehr auf das M5S gesetzt...

MfG

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So schlecht, wie alle gern tun,

war und ist Berlusconis Politik nicht. Sie wurde nur - vor allem im Ausland - durch überbordernde Berichterstattung von Themen überschattet, die mit Politischem eigentlich nichts zu tun hatten. Und man muss sich auch nicht vor Berlusconi fürchten, weder in der Regierung noch hinter ihr. Dass er im Umfragehoch ist, braucht auch keinen zu wundern. Er war der einzige in den letzten Wochen, der den Eindruck einer klaren Position vermitteln konnte. Das war er ganz Politiker.

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