Endlich spricht es jemand aus

Ein paar hunderttausend Euro für ein paar Seiten „Studie“? Dass daran was faul ist, wusste man schon lange.

Wenn Menschen in den Ruhestand gehen, überkommt sie eine gewisse Entspanntheit. Sie reden plötzlich ehrlich über Dinge, die sie vor Kurzem noch vehement dementiert hätten und geben gut verteidigte Geheimnisse einfach preis. So dürfte sich auch der Auftritt des scheidenden Strabag-Chefs Hans Peter Haselsteiner am Dienstagabend in der ZiB2 erklären lassen.

Haselsteiner bestätigte auf die Frage, was es mit einer 2005 an eine BZÖ-nahe Agentur vergebenen Studie über Mauten in Osteuropa auf sich habe, nonchalant, dass es sich dabei um verdeckte Parteienfinanzierung gehandelt habe. Dies sei in Österreich aber ja seit jeher üblich gewesen.

Mit diesen Worten bestätigte Haselsteiner etwas, was zwar seit Jahren ohnehin schon jedem klar war, der sich näher mit der Materie befasst hat, was aber von vielen der handelnden Firmen und Personen immer noch zurückgewiesen wird: Dass in Österreich mittels angeblicher Studien Millionen über Lobbyisten und/oder Agenturen an in- und ausländische Politiker verschoben wurden.

Dies betrifft nicht nur die BZÖ-nahe Agentur Orange, die für die Casinos Austria ebenfalls eine „Studie“ erstellt hat. Auch der Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly war ganz groß im Studiengeschäft – etwa auf Auftrag der OMV.

Von diesen wird immer noch an abstrusen offiziellen Erklärungen festgehalten. Dank Hans Peter Haselsteiner wissen wir jetzt endgültig, was man davon halten sollte.

jakob.zirm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.05.2013)

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