Herzhafte Perspektive

WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Dortmund-Wahnsinn und ein Wunderwuzzi, der einmal Bundestrainer werden muss.

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Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Champions League auch heuer wieder ein Finale erleben wird, das der europäischen Fußballelite gerecht wird. Borussia Dortmund hatten vielleicht die wenigsten auf der Rechnung, aber das Herz des deutschen Fußballs hat schon öfter im Ruhrgebiet geschlagen. Wer Málaga und Real Madrid auf dem Weg ins Endspiel eliminiert, dem ist alles zuzutrauen. Ungeschlagen sind die Schwarz-Gelben, die von manchen als eine Art legitimer Nachfolger des FC Barcelona bezeichnet werden, bis ins Halbfinale vorgedrungen. Aber Dortmund besitzt nicht nur die nötigen spielerischen Mittel, in Madrid hat man bewiesen, dass man auch gelernt hat, erfolgreich Widerstand zu leisten. Eine andere Mannschaft wäre nach dem ersten Sturmlauf des „Weißen Balletts“ auseinandergebrochen, wäre womöglich in der Nachspielzeit, in der sich die Ereignisse überschlugen, doch noch eingeknickt.

Dortmund versprüht jugendliche Frische, dort herrscht geballte Begeisterung, wie man sie nur selten in so einer Intensität zu spüren bekommt. Unter den Semifinalisten hat man als Fliegengewicht gegolten, aber Trainer Jürgen Klopp hat vorexerziert, wie weit konsequente Arbeit tragen kann. Die Borussia-Spieler sind gefragt wie nie, einige wird der Verein verlieren. Sorgen muss man sich trotzdem keine machen. Jürgen Klopp, dem Wunderwuzzi, wird auch für die kommende Saison etwas einfallen. Und irgendwann einmal, da wird er deutscher Bundestrainer. Das geht gar nicht anders.

 

wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.05.2013)

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2 Kommentare

nicht nur ein wunderwuzzi.

auch ein nicht-käuflicher mann.
denn ich möchte lieber nicht über die summen nachdenken, die ihm von steuer-uli für einen wechsel zu den bayern schon versprochen wurden.

Wäre das wirklich Kloppos Ziel?

Ein derart vor Energie berstender Trainertyp wie Jürgen Klopp würde sich als Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft irgendwie unausgefüllt fühlen; vermute ich mal! Ein Coach wie er MUSS einfach JEDEN TAG mit seinen Leuten arbeiten, um noch mehr an ihnen zu feilen und brachliegende Qualitäten stimulieren. Als Teamchef beruht seine Haupttätigkeit eher darauf, die für eine Nominierung infrage kommenden Kicker Runde für Runde zu beobachten. Mit ihnen konkret arbeiten kann er dann nur wenige Tage vor dem nächsten Ländermatch. Seine Möglichkeiten, etwa taktisch etwas zu verbessern, sind daher beschränkt. Zudem: Als Teamchef steht man ständig in der Kritik von ALLEN Fans. Als Klubtrainer nur in jener des eigenen Vereins...

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