04.07.2009 22:31 | Meine Presse Merkliste0

So oder so: Jetzt müssen Köpfe rollen

MARKKU DATLER (Die Presse)

Das Urteil in der Turin-Causa hat Folgen: Haben sechs Österreicher gedopt, oder haben Italien, IOC und Wada fatale Fehler begangen?

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Wer an einer Sportveranstaltung teilnimmt, muss gewisse Regeln akzeptieren. Allerdings sollten diese vorab klar sein. Vor allem: Was ist Doping und was nicht? Reicht tatsächlich allein der Verdacht, etwa der Fund von gebrauchten Spritzen, Blutbeuteln etc. – ohne einen positiven Befund zu entdecken? Oder ist der Österreicher nur zu naiv, weil er nicht wahrhaben will, was Italiens Staatsanwaltschaft, IOC und die Antidoping-Agentur Wada über Langläufer und Biathleten behaupten in der Turin-Causa: dass sechs Österreicher gedopt haben, die daher lebenslang für Olympische Spiele gesperrt wurden.

Ist Österreich nicht „a too small country to do good doping“, wie es ÖSV-Präsident Schröcksnadel formulierte? Oder liefen seit Jahren tatsächlich blutbehandelnde Maßnahmen auf organisierter Basis, die aufgrund unvorstellbarer Dummheit wiederholt und bei den Spielen in Turin 2006 aufgedeckt wurden? Es gilt zu bedenken: Eigenblut-Transfusionen sind nicht nachweisbar, auch Mikro-Dosen des Blutpräparates EPO sind es nicht.

Liegt ein Vergehen vor und ist das IOC-Urteil gerecht, müssen Köpfe rollen, egal welche Verdienste die involvierten Athleten, Trainer, Ärzte und Präsidenten aufzuweisen haben. Ob aber wirklich gedopt worden ist, wird nie klar sein – denn für dieses Urteil reichte schon der bloße Verdacht. Das ist durch den Anti-Doping-Code gedeckt, weshalb man sich fragen muss, ob solche Urteile nicht bisweilen dem Sport größeren Schaden zufügen als das Doping selbst. (Bericht: Seite 30)


markku.datler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2007)

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3 Kommentare
Helmut Magnana
26.04.2007 11:00

In Eigenregie alles selbst eingebrockt!

Bereits im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Turin wurden sämtlichen daran teilnehmenden Ländern und Verbänden seitens der Staatsanwaltschaft in Turin, des IOC und der WADA unmißverständlich darüber informiert, daß die Dopingkontrollen diesmal besonders streng sein würden! Diesen vielleicht nicht ganz unwesentlichen Sachverhalt hat der leider nicht wirklich clevere, sondern bloß vermeintlich bauernschlaufe ÖSV in typisch tirolerischer "Mir-san-mir"-Arroganz völlig negiert. Man hielt den Rest der Welt offensichtlich zu blöd, daß der merkt, wenn man genau jene Dopingsubstanzen und Gerätschatschaften im Österreicher-Haus der "Nordischen" herum liegen läßt, wegen derer man bereits 2002 in Salt Lake City aufgefallen war. Dort hatte man die inkriminierenden Utensilien einfach bei der Abreise in einen Kübel geworfen, wo sie vom Reiniungspersonal gefunden wurden. Trainer Walter Mayer hat das IOC hieruaf bis 2010 gesperrt; bzw. von allen olympischen Turnieren ausgeschlossen.

Antworten Helmut Magnana
26.04.2007 11:08

Re: In Eigenregie...(2)

Was diesen freilich nicht im mindesten daran hinderte, mehr oder weniger durchaus "offiziell" dann doch dabei zu sein; schließlich wollte er "seine Burschen" nicht im Stich lassen! Sein Name stand auf der offiziellen österreichsichen Nennliste; sein Konterfei lachte vom offiziellen Mannschaftsfoto herunter; ja, er wohnte sogar bei seinem Team! Besorgte Anftagen an den ÖSV, auch an Präsident Schröcksnadel wurden mit "beruhigenden" Hinweisen, das mache doch alles nichts, abgewehrt. Aber durfte man wirklich im Ernst erwarten, daß das niemandem im IOC, der Staatsanwaltschaft und der WADA auffällt? Cleverness hätte wohl eine gewisse Vorsicht mit eingeschlossen. Leider war man nur "bauernschlau" und hielt den Rest der Welt für dumm! Nun sind also wieder einmal diverse Verwschörungstheorien im Schwange. So hätte man ja die beschlagnahmten Gegenstände "gar nicht benutzt"; aber wenn ich auf einem türkischen Flughafen mit Drogen erwischt werde, wandere ich allein schon deshalb ins Gefängnis!

Antworten Antworten Helmut Magnana
26.04.2007 11:23

Re: In Eigenregie...(3)

Das selbe Delikt in einem südostasiatischen Staat kostet mir sogar den Kopf! Man kann jetzt natürlich darüber spekulieren, ob sich die in Turin ausführenden Organe auch bei ähnlichen Fällen in den Unterkünften, sagen wir von Deutschland, USA und Rußland, genau so rigoros verhalten hätten. Es wäre aber in Anbetracht der REAKTION seitens unserer Sportler und Trainer Mayers wohl weit hergeholt, von "UNSCHULD" zu sprechen. Die einen werfen die Doping-Utensilien in Panik aus dem Fenster, die anderen springen hinasu und verschwinden in die Nacht. Der Rest kündigt sofort das Ende seiner aktiven Laufbahn an! Mayer fährt mit seinem Wagen Amok und diesem zum Wrack. Wenn also wirklich ALLES paletti gewesen wäre, hätte man doch in Ruhe die Razzia durch die Carabinieri über sich ergehen lassen können. "Koscher" im Sinn des Wortes war also die ganze Sache sicher nicht! Allein schon wegen galoppierender Verblödung geht somit die lebenslange Sperre vollig in Ordnung. Es ging ja um Wiederholungstäter!

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