04.02.2012 11:05 | Meine Presse Merkliste0

Kein bisschen Biss in Brüssel

DORIS KRAUS (Die Presse)

Die EU lässt bei Rumänien und Bulgarien Milde walten. Eine falsche Entscheidung. Sie macht die Union noch unglaubwürdiger.

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Wer an Rumänien denkt, denkt an Dracula. Wer an Dracula denkt, denkt an Zähne. Wer an Zähne denkt, denkt an Biss.

Alles Klischees? Das dachte sich offenbar auch die EU-Kommission, die am Mittwoch ihren Bericht über die neuen Mitgliedsländer Rumänien und Bulgarien vorlegte. Dieser fiel erwartungsgemäß negativ aus. Trotz der Mängel bei der Korruptionsbekämpfung und Justizreform scheute Brüssel aber davor zurück, die Strafmaßnahmen umzusetzen, die man sich für diesen Fall vorbehalten hatte.

Die Erklärung ist, dass es noch zu früh sei, Rumänien und Bulgarien zur Rechenschaft zu ziehen. Zu früh erfolgte aber auch der Beitritt beider Staaten zur EU. Das Eingeständnis der mangelnden Reife waren die Schutzklauseln, die etwa eine Aussetzung der justiziellen Zusammenarbeit vorgesehen hätten. Dass Brüssel diesen Pfeil ungenützt im Köcher lässt, wird in einigen EU-Staaten auf Ärger stoßen. Großbritannien und die Niederlande gehörten zu denen, die die EU-Kommission bereits für ihre Milde gegenüber den Neulingen kritisiert haben.

Vor allem aber gibt Brüssel der Union damit nochmals einen Schubs auf der Rutschbahn in Richtung Unglaubwürdigkeit. Denn ihr Verhalten zeigt einmal mehr, dass auf EU-Ebene letzten Endes nix fix und alles für windige Kompromisse offen ist. Eine Empfehlung an die ohnedies zunehmend skeptischen Bürger ist das nicht. (Bericht: Seite 4)


doris.kraus@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2007)

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2 Kommentare
Gast: Max
05.02.2008 11:21
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Milde ist unangebracht

Die EU erwartet wohl, dass die Verantwortlichen für die Korruption diese selbst bekämpfen werden. Das ist absurd. Über Rumänien weiß ich leider nichts, aber den in Bulgarien regierenden Kommunisten passt es wie die Faust auf`s Auge, dass sie jetzt die EU für alle Probleme im Land verantwortlich machen können, z.B. für die drastisch gestiegenen Lebensmittelpreise. Derartige täglich zu spürende Probleme sind es, welche die Bevölkerung wirklich interessieren, und nur am Rande "abstraktere" Probleme wie die Korruption. So besteht bei den Regierenden kein richtiger Bedarf, letztere ernsthaft zu bekämpfen, daher die Halbherzigkeit, mit der dieses Problem angegangen wird. Deshalb meine ich, dass sich die EU harte Strafen für die neuen EU-Mitgliedsländer überlegen soll, die aber die wirklich Verantwortlichen treffen und hoffentlich nicht die Bevölkerung, die nichts dafür kann, dass sie von Oligarchen regiert wird, die sich die Macht erkauft haben.

dresak
28.06.2007 10:08
0 0

Selbsthilfe ist gefragt, nicht Knüppel aus dem Sack

Ich finde es ist richtig, dass man die Probleme in diesem Bereich aufgreift, und nicht gleich brutal auf Missstände reagiert, sondern den beiden Ländern eine Chance gibt ihre Probleme in Ordnung zu bringen. Das ist allgemein Usus in der Europäischen Kommission. Demken Sie etwa an die Euro Kriterien, wo es eine ähnliche Diskussion gab, und schliesslich die meisten dieser Länder ihre Wirtschaft flott bekamen - ohne viel Staub aufzuwirbeln.

Auch bei Rumänien und Bulgarien gilt: Hilf dir selbst sonst hilft dir niemand.

Wenn man den Knüppel gleich auspackt hilft das niemandem - auch nicht den vielen EU Bürgern die in Rumänien und Bulgarien tätig sind und von dieser milden Haltung der Europ. Kommission profitieren, weil keine Gemeinschaftsrechte ausgesetzt werden.

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