04.07.2009 12:44 | Meine Presse Merkliste0

Wodkagate – oder: Polnische Paranoia

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Die Verhaftung des Ex-Innenministers zeigt: In Warschau brennen die Sicherungen durch.

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Polen verliert sich unter der Führung der Kaczynski-Zwillinge in einem Labyrinth aus verworrenen Intrigen und ehrabschneiderischen Hexenjagden. Jeder verdächtigt jeden. Und jetzt brennen die Sicherungen durch.

Bisheriger Höhepunkt der paranoiden Possenspiele ist die Verhaftung des ehemaligen Innenministers Janusz Kaczmarek. Wer die Causa nachvollziehen will, muss über mehrere doppelte Böden gehen: Es steht der (unbestätigte) Verdacht im Raum, dass der rechtsklerikale Premier Jaroslaw Kaczynski seinen unbequemen Ex-Vize Andrzej Lepper mit einer (möglicherweise konstruierten) Korruptionsaffäre unter Druck setzen wollte. Zu diesem Zweck hetzte er seinem Koalitionspartner einen Agenten der Antikorruptionszentrale auf den Hals. Kaczmarek, damals Innenminister, soll Lepper, so der unbewiesene Vorwurf der Staatsanwaltschaft, vor der Undercover-Aktion gewarnt haben. Deswegen, so heißt es offiziell, wurde er jetzt verhaftet.

Derselbe Kaczmarek hat jüngst vor einem Untersuchungsausschuss ausgesagt, dass Premier Kaczynski politische Gegner abhören ließ. Aber das hat laut Regierung natürlich rein gar nichts mit seiner nunmehrigen Festnahme zu tun.

Da fügt es sich nahtlos ins Krankheitsbild, dass Ex-Präsident Lech Walesa angesichts der Kaczynski-Aktionen vor einer Wiedereinführung des Kriegsrechts warnt. Ist es eigentlich möglich, dass die gesamte politische Klasse eines Landes von Paranoia befallen wird? (Bericht: S. 7)


christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2007)

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10 Kommentare
ujvar
31.08.2007 17:10

U N S I N N solche Berichte

Die Brüder Kaczynski beenden, ein Viertel Jahrhundert nach dem Papst der Befreiung aus dem Joch des Kommunismus, die Umklammerung des Landes aus den alten roten Kadern. Da möge die linke Weltpresse noch so heulen.

Ob die Zwillinge schwul oder beschnitten sind - wie viele ihrer Kritiker - oder nicht, geht nur die Polen etwas an und hat mit katholisch oder nicht, wenig zu tun. Seit 1000 Jahren ist man in Polen Patriot, deshalb war Polen nie verloren, trotz Besetzung durch ¿Russen, Deutsche (Preussen) und Österreicher.

Die verhafteten Herren hatten eigene Interessen im Sinn und wurden, das wird sich noch erweisen, von den polnischen Oligarchen finanziert.

Wer Geduld hat, der wird sehen und erkennen. Die Kaczynskis und alle mit gutem Gedächtnis für die Verbrechen der Komunisten, sie hatten und haben Geduld. Deutschlands Osten erwacht aus der Diktatur und ist in roten Händen; Polen hat gelernt zu leiden und den Feind zu überlen

Antworten Gast: Niederösterreicher
01.09.2007 20:16

Noch war Polen nicht verloren,

weil in den früheren Jahrhunderten es noch nicht zur Außenpolitik gehörte, den besiegten Staaten durch Abtrennung von gewaltigen Teilen ihres Staatsgebietes und Vertreibung der Bevölkerung auf Dauer zu schwächen! Und von wegen Moral: durch eine Leserzuschrift wurde mir bekannt, daß sich die aus der Westukraine und Weißrußland vertriebenen Ostpolen ihre Heimat einfach auf Kosten der früheren deutschen Ostgebiete zurückgeraubt haben! Und zwar mit dem Recht des Siegers! Und war früher die UdSSR der Garant für den Fortbestand dieses Siegerrechtes, hat man sich jetzt den noch mächtigeren USA an den Hals geworfen und benötigt die UdSSR samt ihrer polnischen Handlanger nicht mehr!

Gast: Gast
31.08.2007 14:30

Polen - Katholizismus at its best…


Gast: peteranton
31.08.2007 07:51

Und dieses

Gesindel haben wir in der EU. gebraucht.

Antworten Fragender
31.08.2007 10:41

Sind für Sie Politiker, die katholische Politik machen, „Gesindel“?

.

Antworten Antworten Alien
31.08.2007 13:47

Re: Sind für Sie Politiker, die katholische Politik machen, „Gesindel“?

Ja, natürlich!

Religion und Politik sollte man strickt trennen. Oder wollen Sie wieder staatliche Unterstützung für Exorzissmus, Hexenverbrennung und Judenverfolgung?

Antworten Antworten Gast: kurti blahowetz
31.08.2007 13:03

Re: Sind für Sie Politiker, die katholische Politik machen, „Gesindel“?

politiker, die wie im obigen artikel beschrieben agieren, sind ganz eindeutig gesindel zu nennen.
ob sie katholisch oder sonstwas sind, ist völlig irrelevant.

Antworten Antworten Antworten Gast: Gast
31.08.2007 14:29

Re: Re: Sind für Sie Politiker, die katholische Politik machen, „Gesindel“?

Nun, ob Politiker katholisch oder sonst was sind ist wirklich völlig irrelevant.

Nicht aber die Politik, die sie machen. Vergleichen Sie mal die Positionen dieser Parteien mit denen der katholischen Kirche…

Gast: Panarcus
30.08.2007 19:01

I find supa, nivo is eh. "Kualitetsaitunk"

Wodkagate, Polnische Paranoia, In Warschau brennen die Sicherungen durch, Labyrinth aus verworrenen Intrigen und ehrabschneiderischen Hexenjagden,
Jeder verdächtigt jeden, Höhepunkt der paranoiden Possenspiele,
Es steht der (unbestätigte) Verdacht im Raum, rechtsklerikale Premier, möglicherweise konstruierten Korruptionsaffäre

christian.ultsch@KRONE.AT

Antworten Gast: wf
31.08.2007 11:12

Re: I find supa, nivo is eh.

wenn das politische niveau in polen auf krone-niveau abgesunken ist (bild-niveau wäre in der tat zutreffender) kann herr ultsch recht wenig dafür

fakt ist, dass die situation in polen insbesondere angesichts ihres gehabes in der eu desaströs ist

wieder einmal zeigt sich (vor dem hintergrund der anstehenden eu-reform, die in polen vermutlich für den wahlkampf instrumentalisiert werden wird), dass eine ost-erweiterung ohne eine vernünftige eu-"verfassung" (..vertrag/etc., wie es halt jeder nennen mag) verfehlt war

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