Polen verliert sich unter der Führung der Kaczynski-Zwillinge in einem Labyrinth aus verworrenen Intrigen und ehrabschneiderischen Hexenjagden. Jeder verdächtigt jeden. Und jetzt brennen die Sicherungen durch.
Bisheriger Höhepunkt der paranoiden Possenspiele ist die Verhaftung des ehemaligen Innenministers Janusz Kaczmarek. Wer die Causa nachvollziehen will, muss über mehrere doppelte Böden gehen: Es steht der (unbestätigte) Verdacht im Raum, dass der rechtsklerikale Premier Jaroslaw Kaczynski seinen unbequemen Ex-Vize Andrzej Lepper mit einer (möglicherweise konstruierten) Korruptionsaffäre unter Druck setzen wollte. Zu diesem Zweck hetzte er seinem Koalitionspartner einen Agenten der Antikorruptionszentrale auf den Hals. Kaczmarek, damals Innenminister, soll Lepper, so der unbewiesene Vorwurf der Staatsanwaltschaft, vor der Undercover-Aktion gewarnt haben. Deswegen, so heißt es offiziell, wurde er jetzt verhaftet.
Derselbe Kaczmarek hat jüngst vor einem Untersuchungsausschuss ausgesagt, dass Premier Kaczynski politische Gegner abhören ließ. Aber das hat laut Regierung natürlich rein gar nichts mit seiner nunmehrigen Festnahme zu tun.
Da fügt es sich nahtlos ins Krankheitsbild, dass Ex-Präsident Lech Walesa angesichts der Kaczynski-Aktionen vor einer Wiedereinführung des Kriegsrechts warnt. Ist es eigentlich möglich, dass die gesamte politische Klasse eines Landes von Paranoia befallen wird? (Bericht: S. 7)
christian.ultsch@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2007)

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