Es war wieder einmal symptomatisch, was sich rund um die heiße Kartoffel Kosovo in den vergangenen Tagen abspielte: Während die EU-Staaten sich nur darauf einigen konnten, dass sie sich irgendwann einmal einigen wollen, sprachen die USA Klartext: Ja, wir werden Kosovo anerkennen, sollte es die Unabhängigkeit ausrufen. Nicht, dass daran jemand ernstlich gezweifelt hätte, die Haltung der USA war seit langem klar. Doch mit dieser Ansage hat Washington ein wichtiges Zeichen gesetzt: das einer klaren Positionierung.
Dies ist ein Wert an sich, egal wie man die Festlegung inhaltlich beurteilt. Acht Jahre nach dem Kosovo-Krieg haben Serben und Albaner ein Recht darauf zu wissen, woran sie sind. Das wissen sie bezüglich der USA, das wissen sie auch bezüglich Russlands, das der Unabhängigkeit Kosovos ein entschiedenes „Njet“ entgegenschmettert. Aber Kosovo liegt weder in den USA noch in Russland, Kosovo liegt in Europa, und es wäre gut, wenn die EU-Staaten endlich begreifen würden, was das heißt: Dass man es sich nämlich schlicht und einfach nicht leisten kann, in der Kosovo-Frage keine gemeinsame Position zu haben.
Derzeit mengt jedoch fast täglich ein weiterer EU-Staat seine zwangskreativen Ideen in die Kosovo-Kakofonie. Noch haben die Europäer ein wenig Zeit. Gut möglich aber, dass sie noch heuer Flagge zeigen müssen. Finden sie keine einheitliche EU-Linie, braucht man auf eine Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik keine weiteren Gedanken zu verschwenden.
helmar.dumbs@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2007)

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