Es gibt kein isoliertes Österreich-Problem. Die Pisa-Studie 2006 zeigt jetzt deutlich auf, wie wenig sich die heimischen Schülern von jenen in Deutschland, Schweiz, Tschechien und Ungarn unterscheiden. Ganz Mitteleuropa liegt dicht nebeneinander (nur die Slowakei sackt ab), Frankreich und übrigens auch die USA schneiden in den meisten Disziplinen schlechter ab. Es gibt also einen mitteleuropäischen Gleichklang der Mittelmäßigkeit, wir sind nicht wirklich schlecht, aber dennoch von der Spitze weit entfernt.
Claudia Schmied will, wie sie sagt, keine parteipolitische Polemik. Damit erteilt die SPÖ-Ministerin in erster Linie den Grünen, die schon vor zwei Wochen den Absturz Österreichs bei den Naturwissenschaften – völlig falsch – prophezeit haben, als auch den Bildungspolitikern der eigenen Partei eine Abfuhr. Auch die ÖVP sollte nicht die leichte Verbesserung bejubeln, sondern sich lieber an der Spitze orientieren.
Nicht überraschend wurde Österreich ein Defizit bei Kindern aus Ausländerfamilien und aus bildungsfernen Schichten dokumentiert. Dass hier Handlungsbedarf besteht, ist bekannt. Es wäre aber auch an der Zeit, dass sich die Staaten Europas zusammensetzen, umso mehr, als es um die Wettbewerbsfähigkeit der EU geht. Für die Hochschulen gibt es schon lange EU-Vorgaben, der Schulbereich wurde hingegen bis jetzt sträflichst vernachlässigt. (Bericht: S.4)
erich.witzmann@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2007)

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