Manchmal fragt man sich, warum die Garanten sinnvoller Klimapolitik gerade jene Berufs-Klimaretter sein sollen, die sich gerade wieder in Bali mit großer Rührung selbst gefeiert haben. Was die Welt nämlich nicht braucht, sind dümmliche Vergleiche, wie die von Al Gore angestellte Gleichsetzung der Erderwärmung mit Adolf Hitler. Oder internationale Vertragswerke, die mit heroischer Miene unterzeichnet und dann nicht im geringsten eingehalten werden.
Vordringlich ist ja keine weltweite Rettungseuphorie, sondern eine realistische Übereinkunft der sechs größten CO2-Emittenten: USA, China, EU, Russland, Indien und Japan. Und dafür könnte ein Blick auf Kyoto gute Dienste leisten: ein Vertrag, den wesentliche Luftverschmutzer mit links unterzeichnen konnten, weil sie damit zu gar keinen Reduktionen verpflichtet wurden (wie China und Indien) oder solche auf die leichte Schulter nehmen konnten (wie Russland, das erst in den kommenden Jahren wieder kritische CO2-Grenzen erreichen wird). Da war die Haltung der USA ehrlicher, wobei man daran erinnern muss, dass nicht erst George Bush, sondern schon der Senat unter Clinton und Gore einstimmig (!) ein Abkommen abgelehnt hat, das große Player nicht bindend verpflichtet.
Wenn die Kopenhagen-Konferenz 2009, zu der Bali ja nur der Startschuss ist, was bringen soll, würden wir uns eine wichtige atmosphärische Verbesserung wünschen: Nüchternheit statt Pathos. (S. 10)
michael.prueller@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2007)















