Das Talent der ÖBB-Propagandaabteilung für den zielsicheren Sprung in den Fettnapf ist beachtlich. Am Samstag warfen ÖBB-Schaffner 300 Passagiere in Nickelsdorf aus dem überfüllten Zug von Budapest nach Wien. Am Sonntag pfefferte die ÖBB die folgende Erklärung heraus: „Die überzähligen Reisenden mussten nicht allzu lange auf die Weiterreise warten“. Nämlich „nur 40 Minuten“.
An einem Samstag im Advent gibt es ohnehin nichts besseres zu tun, als sich in der pannonischen Tiefebene den Wind um die Ohren pfeifen zu lassen. Der eine oder andere „überzählige“ Fahrgast wird die nebbichen 40 Minuten vielleicht zur inneren Einkehr genutzt und sich ein paar Fragen gestellt haben.
Etwa diese: Was ist ist die Aufgabe der Bahn? Richtig: Ihre Kunden pünktlich und verlässlich von A nach B zu bringen. Natürlich kann da einmal etwas schief gehen. Auch Fluglinien überbuchen regelmäßig ihre Flieger. Nur: Wer aus Platzgründen nicht an Bord eines Flugzeuges kommt, bekommt eine saftige Geldentschädigung. Verprellte ÖBB-Kunden bekommen hingegen den sprichwörtlichen Stinkefinger gezeigt.
Offensichtlich ist der ÖBB die Zufriedenheit ihrer Kunden nicht sehr wichtig. Das ist fatal. Denn noch hat die Bahn im Personenverkehr das Monopol. Doch irgendwann wird auch der in der EU liberalisiert. Dann wird die ÖBB mit dieser Einstellung schwere Probleme haben. Und damit letztlich wir alle – als Steuerzahler und Fahrgäste. (Bericht: S. 10)
oliver.grimm@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2007)
















