Zehntausende Tschader flüchten vor den Kämpfen in ihrer Hauptstadt N'Djamena, auf den Straßen liegen Leichen umher, plündernde Banden stehlen, was noch nicht zerstört ist. Doch Österreichs Erregungskünstler in Politik und Boulevardmedien haben nichts Besseres zu tun, als sich hyperventilierend ausschließlich um 15 Bundesheerangehörige zu sorgen, die sich a) freiwillig für den Einsatz meldeten, b) nach ihrer Ankunft im Bunker eines Hotel verschanzt haben und c) jetzt von der französischen Armee in einem Militärlager beschützt werden. Und wenn vor den Toren des Camps noch so viele Menschen krepieren – Hauptsache, „unseren“ Soldaten geht es gut. Es ist schwer zu sagen, was an diesem Tunnelblick in den Tschad unerträglicher ist: die ignorante Provinzialität oder der Zynismus.
„Holt unsere Soldaten zurück!“ Das war der Schlachtruf, der nach den ersten Schüssen im Tschad durch die gackernde Republik hallte. Wäre die Regierung dem Rat der Panikmacher gefolgt, hätte sie nicht nur das Bundesheer, sondern ganz Österreich vor aller Welt endgültig der Lächerlichkeit preisgegeben.
Nicht die österreichischen und europäischen Soldaten, die für den Kampf ausgebildet wurden, haben Schutz notwendig, sondern die mehr als 250.000 Flüchtlinge im Tschad, einer Nebenfront des Völkermords im sudanesischen Darfur. Es ist die Zeit, dass die EU-Truppe ihrem Auftrag nachkommt. (Seite 7)
christian.ultsch@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2008)

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